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Alle Rezensionen zu Jan Martin Smørdal (geb. 1978)
(Genre »Klassik«, Land »Norwegen«)

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Jan Martin Smørdal: Choosing to Sing
Ensemble Ernst: Xtended Hearts and Unheard Herds

Ensemble neoN · Eivind Lønning: Trompete
Ensemble Ernst · Thomas Rimul: Dirgent · Silje Aker Johnsen: Sopran

(2 CDs, 2019, Sofa 579 / LAWO LWC1177, Einspielung: 2019 / 2017 )

Die künstlerische Biografie Jan Martin Smørdals hat bereits eine einigermaßen kurvenreiche Bahn genommen. 2006 agierte der 1978 geborene Norweger beispielsweise als Co-Produzent, Arrangeur und Mitmusiker auf Jenny Hvals Debütalbum »TO SING YOU APPLE TREES«, welches sie damals noch unter dem Pseudonym Rockettothesky veröffentlichte. Auch an etlichen weiteren Alben norwegischer Pop- und Jazzmusiker/innen wirkte er in vergleichbaren Positionen mit, etwa bei Hilde Louise Asbjørnsen, Siri Nilsen, Jessica Sligter und Sivert Høyem. Zunehmend verlagerte Smørdal den Fokus auf Projekte zeitgenössischer Ensembles der Osloer Szene: Für Asamisimasa arrangierte und produzierte er, auch an den ersten drei Alben des Ensemble neoN war er beteiligt, sei es an der elektrischen Gitarre bei ihrem Sofa-Debüt, als Mixer der Kollaboration mit Susanna (Wallumrød) und nicht zuletzt als Komponist eines der Stücke des Aurora-Albums »NEON«. Für LAWO Classics spielte unlängst Karin Hellqvist für ihr Solodebüt eines seiner Violinstücke ein, das Ensemble Ernst widmet seinem 18-minütigen »herd(STUDY)« einen zentralen Platz auf ihrem zweiten LAWO-Album, und Sofa Music, das gerade 20 Jahre gewordene Osloer Label für alles, was Avantgarde-Musik spannend macht, präsentiert, wiederum eine Zusammenarbeit mit dem Ensemble neoN, eine Portrait-CD, die ganz Smørdal gewidmet ist.

»CHOOSING TO SING« ist eine Art Suite für Ensemble in stetig wechselnder Besetzung zwischen Duo- und Septettgröße, wobei Trompeter Eivind Lønning (Streifenjunko, Christian Wallumrød Ensemble, Koboku Senjû etc.) fast durchweg eine Art Solistenrolle zukommt. Die Bezeichnung »Solist« muss im Kontext dieses gut halbstündigen Werks freilich mit Vorsicht genossen werden; auch braucht es einige Zeit, um die verschiedenen Besetzungsgrößen der zwischen einer und neun Minuten sehr unterschiedlich langen Stücke auseinanderzuhalten. Wie Smørdals zuvor auf CD veröffentlichte Kompositionen für/von Ensemble neoN (»My Favorite Thing 2«) und Karin Hellqvist (»Flock Foam Fume«) bereits unmissverständlich zeigten, pflegt der rund 40-Jährige eine höchst eigenwillige Klangsprache, die sich mit Sicherheit nicht anbiedert, eher schon mit verschiedenen Texturen und Sounds enervierende Zustände evoziert. In gewisser Weise liegt die Wahl von Eivind Lønning als Ensemble-Gast für diese Einspielung also geradezu auf der Hand, knüpft sozusagen an die texturalen, irisierenden Klangstücke von Streifenjunko an. Ob nun Trompete und (präpariertes) Cello oder Klarinette, Flöte, Altsax und Violine zu derlei Konfrontationen einladen, ist daher fast schon austauschbar. Laut Credits hat der Komponist die Aufnahmen selbst durchgeführt und im Anschluss editiert, Lasse Marhaug hat das Ergebnis gemischt und gemastert – und es so offenkundig zu einer untrennbaren Einheit verschmolzen.

Einige Jahre länger bereits als das Ensemble neoN besteht das ebenfalls auf zeitgenössische Musik fokussierte Ensemble Ernst. 2015 gab ihnen LAWO Classics bereits die Chance einer CD; auf »...BUT...« präsentierten sie Werke von Sciarrino, Nordheim und Matre. Auf diesem Nachfolgealbum treffen vier recht unterschiedliche Komponisten aufeinander: der serbisch-schwedische Djuro Zivkovic, dazu aus Norwegen Ragnhild Berstad, Jan Erik Mikalsen und wiederum Jan Martin Smørdal. In »(herd)STUDY« befragt er mit 15 Musikern die Natur des Ensembles – die er als »Herde« imaginiert und entsprechend in wechselnde Begegnungen navigiert. Das 2015 fürs Osloer Ultima Festival geschriebene Stück passt somit sehr gut im direkten Anschluss an den Zyklus »Choosing to Sing«. Beide Werke ähneln sich darin, dass sie gelegentlich an jene freie Improvisation erinnern, die mit Geräuschen und Tonhöhen herumexperimentieren, wie wir es eben von vielen Gruppen des Sofa-Labels kennen. Sie haben aber auch in gewisser Weise gemein, dass man sich schwer tut, den klaren (Erzähl-)Faden zu erkennen, der das Material aus dem Assoziationsreichtum heraus verdichtet.

Das Ensemble Ernst unter der Leitung von Thomas Rimul assoziierte aus den vier Werktiteln den etwas beliebigen Albumtitel »XTENDED HEARTS AND UNHEARD HERDS«, Produzent (und LAWO Classics-Co-Gründer) Vegard Landaas stellte mit den Fotografen und Designern von Pexels.com und Blunderbuss ein durchaus eindrucksvolles Gesamtpaket mit suggestiven und surrealen Bildern von (norwegischer) Natur zusammen, und Komponist Jon Øivind Ness durfte fürs Beiheft einen eigenwilligen Text beisteuern, der eher frei referiert und zum Weitersinnieren einlädt als konkrete Erklärungen liefert. Eine spannende CD aus der »Neuen Musik«-Szene Oslos der Zehnerjahre, mit der man Entdeckungen machen kann, auf die man sich aber auch erst einmal einlassen muss. (ijb)

Mit folgenden Werken:
Djuro Zivkovic (*1975): »On the Guarding of the Heart« (2011)
Jan Martin Smørdal (*1978): »Choosing to Sing« (2019) · »(herd)STUDY« (2015)
Ragnhild Berstad (*1956): »xtendõ« (2016)
Jan Erik Mikalsen (*1979): »Jeger« (2013)



Siehe auch:
Ensemble neoN
Karin Hellqvist

Håkon Stene & Kristine Tjøgersen

Streifenjunko


Jan Martin Smørdal: Jan Martin Smørdal: Choosing to Sing<br>Ensemble Ernst: Xtended Hearts and Unheard Herds

Offizielle Website      http://smordal.no



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