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Alle Rezensionen zu Nils Henrik Asheim (geb. 1960)
(Genre »Klassik«, Land »Norwegen«)

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Asheim: Høgsongen · Tschaikowski: Serenade
Ensemble Allegria · Petronella Barker: Erzählstimme
(2019, LAWO Classics/New Arts International LWC 1191, Einspielung: August 2017/2019)

Nils Henrik Asheim ist zwar für eine Reihe experimenteller und improvisierter Orgelaufnahmen (und auch für ein paar konventionellere Pianoalben) mit einer Vielzahl norwegischer Musiker bekannt, von Lasse Marhaug über Paal Nilssen-Love und die Free-Improv-Gruppe um das Label Sofa Music bis hin zu Maja S. K. Ratkjes monumentalem Chor- und Noise-Epos »Crepuscular Hour«. In erster Linie ist der 1960 in Oslo Geborene allerdings Komponist, wovon eine Reihe beeindruckender Einspielungen seiner Werke bei verschiedenen renommierten Labels Zeugnis ablegen. Ein Schwerpunkt bei seinem Schaffen als Komponist liegt auf kammermusikalischen Streicherwerken, und in diese Schublade gehört auch das knapp halbstündige »Høgsongen«, eine Vertonung von Texten aus dem »Hohenlied Salomos« im Alten Testament, 2015 vom Ensemble Allegria in Auftrag gegeben und beim Bergen International Festival uraufgeführt. Damals rezitierte die Schauspielerin Ane Dahl Torp den Text, hier gibt ihn Petronella Barker zum Besten – ein wenig erstaunlich, denn die Aufnahme des Texts fand volle zwei Jahre nach der Aufnahme der Streichermusik (Mitte August 2017) und in einem anderen Studio statt.

Barkers Rezitation überzeugt mit Feinheiten, doch sollte man des Norwegischen mächtig sein, um ihm wirklich folgen und ihn erfassen zu können, zumal der Text eine doch recht zentrale Rolle einnimmt. Das Werk trägt den Untertitel »Eg søv, men hjartet vaker«, zu deutsch »Ich schlief, doch mein Herz wachte«, was auf die Doppelbödigkeit des Stücks verweist, doch hilft auch das Lesen von Asheims erläuternden Zeilen und der Übersetzung der Texte im Beiheft, um ein klareres Gefühl dafür zu bekommen, was hinter der erst einmal doch recht kühlen und geordneten musikalischen und rezitativen Sprache steckt. Ähnlich sperrige epische Werke mit Streichern und gesprochener Frauenstimme haben unlängst auch Kim Myhr (»pressing clouds passing crowds«, Hubro, 2018) und Ingar Zach (»floating layer cake«, Sofa Music, 2019), jeweils mit Caroline Bergvall und dem Quatuor Bozzini, komponiert und eingespielt. Während Myhr und Zach mehr in Richtung Ambient und Performance-Kunst gehen, bleibt Asheim stärker in der (Post-)Klassischen bzw. Post-Romantischen Musik verankert. Daher passt der zweite Programmpunkt dieser CD, Tschaikowskis ebenfalls halbstündige Serenade für Streichorchester, ganz wunderbar als Kontrastprogramm, als eine Gegenüberstellung zweier Welten aus vollkommen unterschiedlichen Zeiten. Für einen kurzen Moment ist man irritiert über den radikalen stilistischen Sprung, wenn wir zu Tschaikowski in die Spätromantik des Jahres 1880 springen. Doch die Interpretation der 13 Musikerinnen des Ensemble Allegria ist eine absolut runde Sache und öffnet direkt einen vielsagenden Resonanzraum. (ijb)

Mit folgenden Werken:
1. Nils Henrik Asheim (*1960): »Høgsongen«
2. Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840-1893): Serenade für Streichorchester in C-Dur, Op. 48



Siehe auch:
Maja Solveig Kjelstrup Ratkje
Anne-Lise Berntsen

S/S MotSol

Nils Henrik Asheim & Lasse Marhaug


Nils Henrik Asheim: Asheim: Høgsongen · Tschaikowski: Serenade

Offizielle Website      https://nilshenrikasheim.no



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