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Lange Rezensionen 1 - 20 von 140 im Genre »Folk« und Land »Finnland« (insgesamt 241)

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Saaga Ensemble: Polku
(2014, Sibelius Academy /Forte Distribution SAAGACD 001 )

Das Saaga Ensemble ist eine veritable Folk-Supergroup, alle Mitglieder sind von anderen Bands bekannt oder selbst Stars: Sängerin Soila Sariola ist bei Rajaton, Vilma Timonen (kantele, voc) hat eigene Bands, Milla Viljamaa (p, harmonium, voc) brillierte schon in vielen Konstellationen und solo. Tommi Asplund (vi) spielt bei Frigg, Roope Aarnio (g, mand) bei Johanna Juhola, Bassist Jaakko Kämäräinen bei Samuli Edelmann und Mikko Hassinen trommelt bei Värttinä – natürlich sind alle noch anderswo zugange.

Sariola und Timonen zeichnen für die Stücke verantwortlich, die Arrangements macht die ganze Band. Manchmal klingen sie wie eine weniger karelische Schwester von Värttinä: Auch beim Saaga Ensemble stehen drei kraftvolle Sängerinnen im Vordergrund, allerdings ist Soila Sariola die klare vokale Nummer 1. Die Band ist wunderbar präzise und spielfreudig, da begeistern schon die ersten Takte von »Silloin Laulan«. Allein das grandiose »Ihminen Tottuu Mihin Vaan«, das mit Reggae-Rhythmik spielt und einen unschlagbaren Mitsing-Refrain hat, ist Grund genug diese CD zu erwerben. Genauso faszinierend »Piloinen Piika«, in dem Asplunds Violine fliegt. »Varjele« beweist, dass sie auch Balladen können, auch »Kiitollisuutta« ist allerliebst mit seiner einfachen Melodie. Die Supergroup macht eine super CD! (tjk)



Mehr CDs von Saaga Ensemble



Siehe auch:
Rajaton
Milla Viljamaa

Johanna Juhola

Värttinä


 Saaga Ensemble: Polku

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Aallotar: Ameriikan Laulu
(2018, /Broken Silence NN111 )

Der finnisch-amerikanische Kulturaustausch klappt bestens! Zwar trennt ein Ozean die Fiedlerin Sara Pajunen und die Akkordeonistin Teija Niku. Und ein Jahrhundert! Die Vorfahren der beiden Musikerinnen lebten in Westfinnland. Sprachen dieselbe Sprache und spielten dieselbe Musik. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wanderten die Verwandschaft von Sara Pajunen allerdings in die USA aus. Auch die Familie von Teija Niku emigrierte zwischenzeitlich in die Neue Welt, kehrte aber noch vor dem ersten Weltkrieg wieder nach Finnland zurück. Heute machen sich die beiden Künstlerinnen, die in Helsinki und Minneapolis leben, zusammen auf Spurensuche. Entdecken das gemeinsame Erbe der finnischen Folkmusik auf beiden Seiten des großen Teichs. Und erschaffen anmutige, beschwingte Klänge, welche die beiden unterschiedlichen Kulturen widerspiegeln.

Mit »AMERIIKAN LAULU« (das Lied von Amerika) legen Aallotar ihr zweites Album vor und punkten mit zartem Kammerfolk und wunderbaren Harmoniegesängen. Die Musikerinnen singen auf Finnisch und Englisch. Das Thema Auswanderung nimmt auf großen Raum ein: Der Titeltrack bezieht sich auf ein Lied, das Teijas Urgroßmutter Amanda Jemina Helenius gewidmet ist, die sich als 16jährige ganz allein in die USA einschiffte! In Zeiten, in denen überall neue Zäune zwischen Ländern hochgezogen werden, ist das Album eine kleine Hoffnung darauf, dass uns viel mehr Dinge einen statt trennen! (emv)

 Aallotar: Ameriikan Laulu

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Niiles-Jouni Aikio: Niiles-Jouni Aikio
(2002, Saamen Siida Ky NJA-001 )

Lasst Euch vom Cover nicht abschrecken, einer billig gemachten Verfremdung mit Hilfe eines Relief-Filters. Der finnische Joik-Sänger hat nämlich zumindest musikalisch keine billigen elektronischen Tricks nötig und setzt sie nur mit Bedacht ein. Begleiten lässt sich Niiles-Jouni Aikio oft nur mit dezenten Keyboards, einer Trommel oder maximal beiden zusammen. Ab und an lässt eine Geige von sich hören; meist assistieren aber nur geschrammelte Gitarre und eine abgrundtief wummernde Trommel die manchmal etwas wacklige Stimme des Joikers.

Und damit wären wir beim Problem: Die theatralische Darbietung und die bisweilen in übertriebenen Hall-Wellen versinkende Schamanenmusik wirken bisweilen noch etwas unausgegoren. Manchmal kann man diese holprigen Unsicherheiten als naiven Charme werten, manchmal aber auch schlicht nur als mehr oder weniger liebenswerten Dilettantismus. Sorry, Niiles-Jouni, aber so erzeugen Deine Gesänge keinen hypnotischen Sog. (lha)

Niiles-Jouni Aikio: Niiles-Jouni Aikio

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Aino Ojakoski & Kimmo Mattila: Satumaa
(2010, Eigenverlag FI-MIT-10-00001-0001 )

Bratsche und Akkordeon ist eine eher ungewöhnliche Kombination, aber der im Vergleich zur kleineren Geige vollere und dunklere Klang der Viola passt sehr gut zum Akkordeon. Zumal wenn zwei wahre Meister am Werk sind: Die Bratschistin Aino Ojakoski hat ebenso an der Sibelius-Akademie studiert wie Kimmo Mattila, beide trafen sich dort und treten seit 2007 zusammen auf, unter anderem im Herbst 2010 auf einer von der Deutsch-Finnischen Gesellschaft organisierten Deutschland-Tournee.

Ojakoski und Mattila wählten den Titel »SATUMAA« natürlich nicht zufällig aus – das Stück von Unto Mononen ist der berühmteste Tango Finnlands und auf gefühlten tausend CDs enthalten. Hier ist es das letzte Stück, auf das zu warten lohnt. Doch auch die übrigen Stücke gefallen: »Hurmio« beginnt, wie der Titel verspricht, mit Leidenschaft, »Kehtolaulu« von Armas Järnefelt und »Vuorenpeikkojen Iltasoitto« von Heino Kaski zählen eher zur finnischen klassischen Musik. Eine besonderes Talent haben sie für Potpourris: drei finnische Volkslieder werden ebenso verknüpft wie Filmmelodien und Schlager – jeweils sehr gelungen. Auch der argentinische Tango ist mit drei bekannten Stücken vom Gottvater des neuen Tango Astor Piazzolla vertreten: »Oblivion« gehen sie mit viel Respekt an, in »Libertango« zeigen sie Virtuosität und Energie. Und dann kommt ja noch »Satumaa«, aber da ist der Hörer schon längst im Märchenland des Tango. (tjk)

 Aino Ojakoski & Kimmo Mattila: Satumaa

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Alamaailman Vasarat: Käärmelautakunta
(2003, Silence Records /Bonnier SLC 014 )

»Wir sind eine finnische Band«, schreiben mir Alamaailman Vasarat, »die punkige Brazz-Musik für Geheimagenten spielen. Oder koscheren Kebab-Jazz. Oder von Metal beeinflusste Filmmusiken.« Ach, ich solle doch einfach zu hören, dann würde ich schon sehen. Und dann lassen sie mich damit allein.

Gesagt, getan, und schon verstehe ich die Jungs um den Saxophonisten Jarno Sarkula. Jede Eingrenzung ihres Treibens in eine Schublade wäre in der Tat eine unzulässige Verkürzung. Wenn man auch nicht aufhören kann, irgendwie Bezugspunkte zu dem zu suchen, was man eben kennt und damit im Griff zu haben glaubt. Es ist schlicht die ungeheuere Kraft, die aus den neun Stücken strömt, die einen sprachlos macht (passenderweise wird auch nicht gesungen).
Eben noch agieren die zwei Celli wie schwerste E-Gitarren, dann wieder eröffnen die Blasinstrumente eine tieftraurige Weise, wie man sie von Roma- und Sinti-Beerdigungen erwartet. Im nächsten Moment schleppt sich eine Elegie verstört dahin, worauf eine angejazzte Großstadtmelodie folgt – eindringlichste Momente halt aus dem Leben einer finnischen Band. (frk)



Mehr CDs von Alamaailman Vasarat



Siehe auch:
Charon
Höyry-kone

Verschiedene: Tervetuloa Kioskiin Vol.3


 Alamaailman Vasarat: Käärmelautakunta

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Eva Alkula & Tomoya Nakai: Youkihi
(2009, Texicalli Records TEXCD 097 )

Augen zu und durch? Natürlich verführt die Besetzung, sich zurück zu lehnen und sich dem wunderbaren Flow der sieben Stücke hinzugeben, oder aus anderem Betrachtungswinkel die CD in die Esoterik-Ecke neben Vollenweider zu stellen. Beides hat eine gewisse Berechtigung, wird aber insgesamt dieser Musik nicht gerecht. Deshalb also erst mal: Ohren auf und rein, eintauchen in ein einzigartiges Klanguniversum – Tomoya Nakai spielt 25-saitige Koto, das harfenähnliche japanische Nationalinstrument, hat dies an der Tokyo Universität studiert und entwickelt seither Spielweise und Musik weiter, öffnet sich zeitgenössischer außerjapanischer Musik. Eva Alkula studierte an der Sibelius-Akademie Kantele, lehrt dort inzwischen, ging aber dank Stipendien mehrfach nach Japan und lernte dort Koto spielen und Tomoya Nakai kennen, Folge waren einige Festival-Auftritte und »YOUKIHI«.

Kaum zu glauben, aber Koto und Kantele – das passt! An sich sind sich die Instrumente ähnlich, und doch immer unterscheidbar. Beide tragen Melodien, die sich aus kleinen Sprengseln entwickeln, begleitet vom anderen, die Rollen werden getauscht, verschwimmen, Alkula und Nakai greifen kräftiger zu, türmen Akkorde, ja ganze Wände von Klang zu Gewitterwolken auf, sie lassen Kaskaden von Tönen regnen – insbesondere in den langen Stücken »Izutsu« und »Youkihi« erzählen Alkula und Nakai wundersame, dramatische Geschichten. (tjk)

Eva Alkula: Youkihi

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Ancient Bear Cult: Sounds From The Past
(2008, Presence Records /Nordic Notes KID 953 )

In der Hochtechnologie-Nation Finnland ist das Heidentum erstaunlich populär. Die Hinwendung zu mythisch überhöhten Mittelalter-Sehnsuchtswelten und angeblich so oppressionsfreien Druiden- und Weisen-Frauen-Rückzugsräumen teilt das finnische Folk-Ensemble Ancient Bear Cult mit allen begeisterten Lesern von Marion Zimmer Bradleys »Nebeln von Avalon«. Echt muss es sein, denn das Unverfälschte, das fehlt uns doch so sehr, wenn wir morgens wie die Lämmer zur Schlachtbank der fremdbestimmten Lohnarbeit trotten. Echt müssen deshalb auch die Instrumente sein, die das Ensemble auf seinem zweiten Album »SOUNDS FROM THE PAST« benutzt: Die Wiking-Leier hat folgerichtig mehrere hundert Jahre auf dem Buckel.

Benannt haben sich die vier Musiker plus Unterstützer nach einem nordfinnischen Volksstamm, der dem Kult der Bärenanbetung huldigte. Schon Tacitus hat von diesen Wilden berichtet. Brav, sehr brav kommen diese neuen Heiden hier daher. Die Frauen sind züchtig und edel, die Männer mutig und stark. Instrumental eingespielte Titel wechseln sich mit Saga-Gesängen ab. Im Ergebnis entwickeln die neuen Bärenjünger eine naive Ernsthaftigkeit, eine selbstbewusste Abgeklärtheit, vor der es durchaus den Hut zu ziehen gilt. Eine Sache ernst zu nehmen ist die eine Seite. Ihr aber kreative Interpretationen abzuringen und neue Wege zu gehen, eine andere. Im Blick zurück können die Dinge nicht neu entstehen. (emv)

 Ancient Bear Cult: Sounds From The Past

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Angelin Tytöt: Dolla
(1992, Mipu Records MIPUCD 102 )

Bei der ersten Veröffentlichung der Mädel aus Angeli waren sie noch ein Damentrio: Keine geringere als Ulla Pirttijärvi war noch mit von der Partie; sie hat später eine erfolgreiche Solo-Karriere gestartet. Weitere bekannte Namen finden sich in Produktion und Technik: Sari Kaasinen von Värttinä und Janne Viksten.

Weitgehend »naturbelassen« sind die Lieder auf »DOLLA« (Feuer); die drei Stimmen werden nur von Trommeln begleitet, die Rhythmen muten archaisch an. Ulla Pirttijärvi, Tuuni und Ursula Länsman joiken fast die gesamte CD hindurch mit einer Kraft und Inbrunst, die aus den Boxen strömt und direkt greifbar ist. Bei aller tradionellen Singweise steckt die optimistische Frische mancher Joiks sofort an (»Norma Jovnna«). Gelegentlich kommt sogar eine akustische Gitarre zum Einsatz; bei ihrem Hit »Dana Maija«, aber auch unbegleitet beeindrucken die Sängerinnen auf diesem frühen Meisterwerk. (tjk)



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Angelit
Ulla Pirttijärvi

Värttinä


 Angelin Tytöt: Dolla

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Angelit: Mánnu
(1999, Innovator Series /Warner 3984-25790-2 )

Kaum zu glauben, dass die fest in der Tradition verwurzelten Angelin Tytöt von 1992 die Angelit von 1999 sind! »MÁNNU« ist der Sprung in die Zukunft: Kaum eine Band hat die stilistische Weiterentwicklung innerhalb von vier CDs oder sieben Jahren so konsequent und überzeugend vollbracht wie Angelit. Dazu tragen auch die neuen Bandmitglieder bei: die Percussionisten Samuli Kosminen und Mamba Assefa, hauptsächlich der auch bei RinneRadio aktive Kimmo Kajasto, der aus diversen Computern und Keyboards alle möglichen Sounds heraus holt. Selbstverständlich ist auch noch Alfa Häkkinen (Gitarre, Gesang) dabei.

Freilich wird gejoikt – Tuuni und Ursula Länsman joiken so überzeugend wie eh und je, aber sie joiken über elektronischen, fast futuristischen Sounds: ein wunderbarer Kontrast, obendrein ist MÁNNU teilweise herrlich tanzbar; es groovt ohne Ende (»Iŋguna Gánda«). Aber sie können auch anders: »Reiuue« ist eine atmosphärische Ballade mit feinem Text, ohnehin sind die Texte klar, gut und poetisch, im Booklet lobenswert vielsprachig (Sami, Finnisch, Englisch, Französisch, Deutsch). Angelit schlagen mit »MÁNNU« eine Brücke über Jahrhunderte, und vor allem: So gutes gibt's selten auf den Dancefloors dieser Welt. (tjk)



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Angelin Tytöt

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Ánnámáret Ensemble: Gollehelmmot
(2016, Tuupa Records TREC-036 )

Hinter Ánnámáret verbirgt sich Anna Näkkäläjärvi-Länsman: Sie ist Sängerin, Songschreiberin und Klarinettistin aus Utsjoki in Sápmi, also Samiland. Sie macht seit ihrer Kindheit Musik, studierte an der Sibelius-Akademie klassische Klarinette und gründete 2011 ihr Ánnámáret-Ensemble. »GOLLEHELMMOT« ist die zweite CD der Band. Die ist prominent besetzt: Ilkka Heinonen spielt Kontrabass und Sami Kurppa Piano, Harmonium und programmiert (dezent eingesetzte) elektronische Beats. Ein Veteran aus mehreren Jahrzehnten ist Janne Lappalainen (u.a. Värttinä) an Bouzouki, Sopransaxophon, Gitarre und Banjo, dazu kommt die wunderbare Johanna Juhola am Akkordeon.

Von einem solchen Star-Ensemble kann man viel erwarten, und keineswegs wird man enttäuscht – moderne akustische Musik auf sehr hohem Niveau. Anna Näkkäläjärvi-Länsman schreibt interessante Stücke, sie hat die samische Tradition im Blick aber nicht in jeder Melodielinie – die Songstrukturen sind nordeuropäisch-folkig. Sie joikt hier und da (»Ruoktu«) und singt ansonsten mit klarer, kraftvoller Stimme.

Ihre Themen sind Suchen und Finden, Aufbrechen und Heimkommen, Natur und Veränderung. »Dutnje« (»Für Dich«) ist eine schöne Ballade, »Silbbat Ja Gollit« (»Silber und Gold«) ist hingegen sehr lebhaft. In »Okta Mis« (»Einer von uns«) bekräftigt sie selbstbewusst und aufrecht, dass die Samen auch nach und trotz kultureller Repressionen und Demütigungen weiter leben werden. Auch »Sálbma« ist sehr ergreifend – der Titel bedeutet »Hymne«, es geht um die Hinüberrettung traditioneller Lebensweise in die Zukunft. Das spiegelt vielleicht die Musik generell: In einer globalisierten Welt soll man sich nicht einschließen. Man darf auch Einflüsse zulassen, muss aber seine Identität bewahren. Das Ánnámáret Ensemble macht genau das. (tjk)



Siehe auch:
Johanna Juhola
Värttinä

Ilkka Heinonen

Janne Lappalainen


 Ánnámáret Ensemble: Gollehelmmot

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Band'o: Away
(2006, Akusti-Tuotanto AKUCD 9903 )

Schon nach den ersten Takten von »Different Past« ist klar: Das ist was ganz besonderes! Das Familienunternehmen Sillanpää spielt Bluegrass, manchmal traditionell-authentisch, aber wenn sie wollen, können sie dieser im eigenen Saft schmorenden Gattung richtig Feuer geben! Letzteres geben sie auch live, sie sind vor allem in den USA unterwegs und dort bekannter als in Europa.

Die Schwestern Jemina und Selina Sillanpää, beide Anfang 20, singen und spielen Violine, schreiben zudem fast alle Songs auf der CD. In »Rakkaani sanoi« singen sie sowohl englisch wie finnisch, letzteres ausschließlich in »Siirtolainen«, das aber musikalisch eher Bluegrass-traditionell klingt – sehr reizvolle Kombination! Gelegentlich machen sie Ausflüge in finnische Folklore, bleiben aber ihrem Bandsound treu: Tom Nyman (b) sorgt für den Boden, Vater Seppo Sillanpää begleitet auf der Gitarre die solistischen Ausflüge von Janne Vikstén (bj, mand, mandola) und Olli Haavisto (dobro, slide-g), darüber überzeugen die Schwestern violinistisch wie gesanglich – gelegentlich erinnern sie an die grandiosen Roches, so haarscharf intonieren sie ihre Gesangsharmonien. Diese kommen besonders gut in den Uptempo-Nummern wie »A Lullaby«; ihre Balladen haben Gänsehaut-Potential, »Going Home« und das finnische Traditional »Satarastas« etwa. Die Mädels schreiben packende Songs, die hoffentlich bald Standards im Bluegrass-Songbook werden! (tjk)



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The Birds of Passage: Ruska
(2016, Ice Will Melt Records /Broken Silence IWM002 )

Manchmal finden sie doch auch in der Realität statt, jene wundersamen Begegnungen, die man im Kino üblicherweise als märchenhaften Zufall wertet. Tanja Ingley und Patrik Andersson liefen sich in einem Nachtbus in Helsinki über den Weg und fanden umgehend ihre gemeinsamen Vorlieben für sensiblen Folkpop. Als »ersten« und wichtigen Einfluss nennt Ingley etwa die Einfachheit des Singer-Songwriters William Fitzsimmons; und da der US-Amerikaner noch nicht allzu lange bekannt ist, wird bereits deutlich, dass die als Kind mit ihren Eltern aus dem sonnigen Florida ins weitaus nördlichere Finnland gezogene Sängerin noch ziemlich jung sein muss.

Ihr Duopartner scheint ein wenig älter und vor allem anders geprägt zu sein, denn für ihn war Metallicas »schwarzes Album« die Initialzündung. In The Birds of Passage, zu denen sich die beiden zusammengeschlossen haben, hat allerdings eindeutig der Fitzsimmons-Einfluss die Oberhand. Schon der Titel »RUSKA« verweist auf eine nordamerikanische Spezialität, den Indian Summer. Das Albumdesign greift geschickt, in warmen Herbstfarben diese Brücke zwischen dem Titel und der Stimmung der Musik auf. Und so lässt sich der feingliedrige, fast ausschließlich akustische Pop der beiden rückhaltlos jedem ans Herz legen, der auch nur eines der Alben William Fitzsimmons für sich entdeckt hat. Tanja und Patrik bleiben zwar gefühlt in ähnlicher Weise einfach, doch ihre folkigen Alltagsgeschichten entblättern wieder und wieder etwas andere Schattierungen, eben wie die bunten Blätter im Indian Summer. Auch wenn das Album von einer Grundstimmung zusammengehalten wird, kann doch jedes der 12 Lieder durch individuelle Emotionalität und Instrumentierung punkten.

Mit »RUSKA« veröffentlicht das frisch gegründete, in Darmstadt ansässige Label Ice Will Melt den ersten Longplayer, und das ganz wunderbar altmodisch als Tonträger, für all jene, die das Musik-Album als Kunstform noch lieben und auch als Album der Poesie wertschätzen. Zu beachten ist vielleicht, dass das finnische Duo nicht mit dem (ebenfalls bezaubernden und poetischen) Ambient-Songwriting-Projekt von Alicia Merz verwechselt werden sollte, das bislang vier Alben beim Bochumer Label Denovali veröffentlichte. Jenes heißt Birds of Passage, ohne Artikel. (ijb)

The Birds of Passage: Ruska

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Brelo: Uusikuu
(2009, Ääniä AANIA 10 )

Nein, die Kantele ist kein Instrument aus grauer Vorzeit, das längst vergessen ist! Immer wieder kommen junge Musiker zum Vorschein, die sich dem Saiteninstrument widmen. So auch das Kantele-Ensemble Brelo aus dem kleinen südfinnischen Dorf Laukkoski. Seit 2003 spielen sie mit allen möglichen Varianten der Kantele, und wie das halt so ist im Dorf: Zwei der acht heißen Kohonen, drei Olkanen, sieben sind Frauen, ein Mann. Mehr als Kantele und Stimme brauchen Brelo nicht, außer den Ratschlägen von Vilma Timonen, die die Band als künstlerische Leiterin betreut. »UUSIKUU« ist schon ihre dritte CD.

Laut eigenem Bekunden stehen Brelo in der Tradition, aber was die fast komplett eigenen Kompositionen betrifft, greifen sie eher nach modernen Sternen. Schon »Taggar« ist ein Beispiel dafür, wie man melodisch, akkordisch und sogar perkussiv aus den verschiedenen Kantelen ganz unterschiedliche Klänge zaubern kann. In »Mesimarja« und »Beniä Etsimässä« beweisen sie auch Gesangstalent, ebenso im von Anna-Kaisa Liedes völlig neu arrangierten Standard »Kylä Vuotti«. Natürlich ist das auch manchmal herrlich verträumt: bei »Pohjoinen« meint man fast den Schnee fallen zu hören. Eine feine CD, nicht nur im Winter, bei Pulla und Glögi. (tjk)

 Brelo: Uusikuu

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Burlakat: Magie
(2003, Humppa /Indigo 42302 )

Acht Köpfe zählt die finnisch-karelische Folkrock-Band Burlakat. Acht Arten ergeben sich daraus, mit traditionellem Liedgut umzugehen - mit Liebesliedern, Hochzeitsliedern, Totenliedern. Mit Songs über die Emsigkeit der Bienen und dass es ihr egal ist, wenn die Mutter sie nach der Rückkehr vom Tanzboden schlägt, denn ihr Liebster wird ja an der Brücke auf sie warten.

Burlakat sind dabei im Ergebnis sperriger als es etwa Värttinä je waren - rauer, kantiger und entschieden selbstbewusster gegenüber dem westeuropäischen Geschmack. Das hat umgekehrt den Effekt, dass man zum konzentrierten Hören verführt wird statt nur nebenher der Fuß wippen zu lassen. Sehr schön stets die Gesangspartien, wie überhaupt Pauliina Lerche auch hier wieder für eine satte Grundierung sorgt. Eine CD, die es einem anfangs nicht leicht macht, am Ende aber in der Wirkung anhaltend und aufregend bleibt. (frk)



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