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Lange Rezensionen 21 - 40 von 150 im Genre »Folk« und Land »Finnland« (insgesamt 255)

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Enkel: We Are Enkel
(2018, Nordic Notes /Broken Silence NN112 )

Mädels, vereint Euch und stürmt voran! Mit dem Schlachruf »Traditional Girl Power From Finland!« bringen die vier jungen Musikerinnen von Enkel die traditionelle finnische Volksmusik mit viel Leidenschaft und noch mehr Humor ins Hier und Jetzt. Ausgestattet mit Handorgeln, Kantele und einer Bratsche. Und singen können sie auch noch! Wenn Enkel zum Tanz aufspielen, dann muss man einfach dazu schwofen! Das Motto des Quartetts lautet übrigens »Tradition Forever!« Jawoll, die Damen!

Mit »WE ARE ENKEL« legen Leija Lautamaja, Miia Palomäki, Maija Pokela und Iida Savolainen ihr zweites Album vor.Dass diese temperamentvollen Musikerinnen in den 90er Jahren aufgewachsen sind, hat übrigens Spuren in ihrer Musik hinterlassen. Wir erinnern uns: Das war das Jahrzehnt der Spice Girls! Das Erbe der flotten Engländerinnen ist besonders im beschwingten Track »Tipitii« (Liebesvögel) zu erkennen, das mit frechem Sprechgesang startet. »I'll tell you what I want, what I really, really want!« Enkel punkten aber auch mit ihrer Polka-Verliebtheit! Dass sie auch die zarten Töne beherrschen, zeigen die Musikerinnen in der innigen Ballade »Mermiehen Muija« (eine Seemannsfrau), das erst am Ende gewaltig Fahrt aufnimmt. Ganz klar: Enkel sind eine Folkband, die Hits von vor hundert Jahren mit Schmackes in die Neuzeit bringen! Produziert wurde das Album übrigens von keiner Geringeren als der bekannten finnischen Kantele-Virtuosin Maija Kauhanen. (emv)



Mehr CDs von Enkel



Siehe auch:
Maija Kauhanen

 Enkel: We Are Enkel

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Senni Eskelinen: String Purée Band
(2008, Texicalli Records TEXCD 087 )

Die Kantele ist ein Instrument, das für archaische finnische Volksmusik aus dunklen Wäldern zu gebrauchen ist, ansonsten für nichts? Ganz arg falsch – Senni Eskelinen beweist es: Klar, sie spielt Kantele, aber eine elektrische Variante, und scheut sich auch nicht vor diversen Effekten. Doch was diese CD und Senni Eskelinens String Purée Band so außergewöhnlich macht, ist das Was und das Wie. Und die Kantele-Könnerin selbst, war sie doch zum Zeitpunkt der Aufnahmen gerade 21 Jahre alt.

Über weite Strecken klingt diese Band nach einer Mischung aus sanfterem Prog Rock und Jazz, mit ein paar folkigen Inspirationen durchweht. Kalle Ylitalo am E-Bass und Niko Votkin am Schlagzeug sind ihre Partner, sie legen einen mal geradlinigen, mal vertrackteren Rhythmus unter die Kantele-Exkursionen der Chefin und gönnen sich auch hier und da ein Solo – die Kompositionen teilen sich alle drei. Als Gäste sind noch Otto Eskelinen am Bandoneon und Emilia Lajunen an der Violine zu hören – beide im langen und sehr guten »Dead Man’s Dance / Kuolleen Miehen Tanssi« aus der Feder des Drummers. Produziert hat Pekka Lehti, mit einem geschickten Händchen für Sounds und Stimmungen. Richtig jazzig und fast wild wird es in Ylitalos »Anxious Man / Ruvattu Mies«, auch Eskelinens »Nightmare /Painajainen« hält, was der Titel verspricht. (tjk)



Siehe auch:
Riikka & Senni
Pekka Lehti

Lajunen & Oskala


Senni Eskelinen: String Purée Band

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Eva-Trio: Ensimmäiset Seikkailut
(2013, Sibelius Academy /Bandcamp 133 / 6417698114980 )

Mit erfrischender Leichtigkeit beginnen »DIE ERSTEN ABENTEUER«, so die Übersetzung des Albumtitels, des Eva-Trio: Bei »Herrojen Kanssa Pellon Laidalla« spielt auch Percussionist Mikko Hassinen mit – der bürgt immer für Qualität. Aber das Trio ist auch allein beachtlich. Essi Wuorela singt auch bei Rajaton, selbstverständlich haben alle die Sibelius Akademie in Helsinki absolviert. Vesa Norilo brilliert in »Kaksi Maljaa« auf dem Cello, Anna-Karin Korhonen setzt ihre Kantele sehr differenziert ein. Das Klangbild Gesang-Kantele-Cello jedenfalls ist neu, und klingt erstaunlich frisch!

Die Stücke wählen sie ohne allzu viel Rücksicht auf Stil und Alter. Traditionelle Lieder sind ebenso dabei wie Jazziges. Der wunderschöne alte Schlager-Klassiker »Juokse Sinä Humma« von Tapio Rautavaara kommt dank Percussion direkt mit Pferdegetrappel daher! Ganz fein ist Iiro Rantalas »Maalaja«: Norilo spielt sein Cello wie ein Bass, Hassinen ist auch dabei, die jazzigen Harmonien kommen von der Kantele, Essi Wuorelas Stimme darüber: heraus kommt ein hitverdächtiger Song zwischen Folk und Pop. Noch eingängiger das folgende »Hiljainen Laulu«, das gar nicht so ruhig ist – es wogt wunderschön hin und her. Auch klassikähnliche Klänge sind ihnen nicht fremd. Norilos Komposition »Menuetti« klingt auch so: er selbst spielt Flöte, die Kantele fungiert als Klavier. Die übrigen eigenen Stücke stammen von Anna-Karin Korhonen, besonders »Niin Kauan Minä Tramppaan« ragt heraus. Erstaunlich reifes Debut also! (tjk)



Siehe auch:
Rajaton

 Eva-Trio: Ensimmäiset Seikkailut

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Fractal Cauliflowers: Fractal Cauliflowers
( EP, 2013, Eigenverlag /Kioski )

Da haben sich aber zwei gefunden! Mit viel, nein: mit ganz viel Liebe zu schräger Musik egal welcher Stilistik kreiert dieses Duo ein sehr eigenes Universum aus Americana, LoFi und skurrilem Schwurbel. Das beginnt schon bei »Bad Brownie #14«, das plötzlich von sägenden Gitarren überfallen wird. Ganz famos auch die Idee, für einen Song, dessen Text mit »Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz« beginnt und auch entsprechend klingt, das Thema der Cello-Sonate 1 in E-moll von Johannes Brahms zu verwenden (das wurde natürlich anhand einer Aufnahme mit Sol Gabetta und Hélène Grimaud vom Rezensenten nachgeprüft).

Katri Antikainen lotet viele Klangmöglichkeiten aus, sie spielt ihr E-Cello mal als Bass, mal streicht sie konventionell, mal verzerrt sie es wie eine Rock-Gitarre. Don Lupo ist der passende Counterpart, er ist so tief im amerikanischen Folk verwurzelt, dass er am anderen Ende der Erde wieder rauskommt – gut für Banjo und Gitarre, die entsprechend multimusikalisch daherkommen. Außerdem hat er, der US-Südstaatler, 24 Jahre in der Frankfurter Gegend gelebt: das prägt so sehr, dass sich die Fractal Cauliflowers als „trinational“ beschreiben, ein Lied hat auch deutschen Text. Diese haben’s eh in sich, auch Timo Soini bekommt eine Breitseite, wenn auch nicht auf dieser EP. Mit Gästen an Drums und Percussion wird ein kleines feines Wunder daraus, sehr liebenswert und so eben wie eine Skisprungschanze. Anders gesagt: Wenn die Coen-Brüder mit den Kaurismäki-Brüdern einen Film machen würden: die Caulis sorgen für den passenden Soundtrack! (tjk)

 Fractal Cauliflowers: Fractal Cauliflowers

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Frigg: Economy Class
(2009, Eigenverlag 00004 )

Eine Maultrommel eröffnet »Jalla Jalla«, aber steht da nicht bei den Namen öfters »Järvelä«? Das bedeutet Violine, und sofort ertönt nicht eine, sonder vier! Dieser Anfangswalzer verblüfft noch mit verrücktem Gesang, genau so lebhaft geht die CD weiter. »Polka International De Louisiane« hat US-Südstaaten-Einfluß, »When The Time Comes I’ll Be Ready« ist eine schöne Ballade. Ganz toll das fröhliche »Viinalaulu«, ein Trinklied mit den vier singenden Kardemimmit-Mädels – hoch die Tassen, im nächsten »Kind Of Polka« kann man sich auf der Tanzfläche wieder austoben.

Vier Violinen, Gitarre (sogar Slide, Topi Korhonen), Mandoline, Kontrabass, ab und zu auch Bläser oder Piano, und Alina, Antti und Esko heißen Järvelä: Das liest sich verdächtig nach JPP, klingt aber deutlich moderner und stilistisch offener. Ähnlich virtuos freilich spielen Frigg, sie haben allerdings Verstärkung aus Norwegen (Gjermund Larsen ist auch bei Majorstuen), was sich auch in den Stücken, in den Arrangements spiegelt. Frigg pfeifen auf Traditionsverwaltung, machen geradeaus frische akustische Musik, die sie selber schreiben und mit tonnenweise Power spielen. »ECONOMY CLASS«? Nicht mehr lange, dann winken ihnen Ehrenplätze im Doppeldecker. Schade nur, dass der Rundflug schon nach 36 Minuten vorbei ist. (tjk)



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Siehe auch:
JPP
Majorstuen

Ruuti


 Frigg: Economy Class

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Garmarna: 6
(2016, Westpark 87319 )

Gut 15 Jahre nach der letzten CD hatten nur unbeirrbare Optimisten mit einer neuen CD der einstmals stilbildenden Folk-Mittelalter-Rock-(Elektro)-Band Garmarna gerechnet, obwohl sie seit 2013 gelegentlich auf Festivals spielten und eine Neubelebung sich andeutete. In kompletter Urbesetzung startet das schwedische Quintett nun durch. Und man sollte kaum glauben, dass sie so lange Pause hinter sich haben.

Weg sind Nyckelharpa und andere traditionelle Instrumente, auch die akustische Gitarre liest man eher im Booklet als dass man sie mit den Ohren wahrnimmt. Stefan Bristand-Ferners Violine kommt besser durch, insgesamt bestimmen jedoch Samples, Synthies und diverse elektronische Soundelemente den Klang – und natürlich Emma Härdelin, deren Stimme nichts an Strahlkraft eingebüßt hat. Hart und rockig waren sie schon früher, jetzt drängen sie auf den Dancefloor mit knackigen Grooves und eingängigen Melodien, beispielsweise mit »Nåden«. Textlich sind sie aktuell und kritisch, ziemlich düster obendrein. Im grandiosen Opener »Över Grånsen« hilft die Rapperin Maxida Märak, in »Öppet Hav« singt Thåström mit. Die lange Pause tat der Band offensichtlich gut, sie haben in der Zwischenzeit ihren Sound in dieses Jahrzehnt katapultiert. Ein großer Wurf! (tjk)



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Sällskapet

 Garmarna: 6

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Gjallarhorn: Grimborg
(2003, Vindauga /Contraire VDMCD802 )

Nach ihrem 1998er Debüt »RANAROP: CALL OF THE SEA WITCH« kam der Aufstieg schnell für das finnische, doch schwedischsprachige Quartett. Das dritte Album »GRIMBORG« klingt am düstersten, aber auch weltoffensten mit seiner Synthese von Hardangerfiedel und afrikanischer Didgderidoo, von Mandola und afrikanischer Djembe. Und über allem steht diese Stimme, mit der Jenny Wilhelms Glas schneiden und Stürme übertosen könnte.

Ähnlich wie Garmarna und Hedingarna singen auch Gjallarhorn mittelalterliche Balladen über nordische Sagen und Mythen, nur klarer und asketischer, vielleicht auch eisig härter. Und sie kitzeln noch mehr Klangfarben aus ihren Instrumenten, spielen virtuos mit Dynamik und lassen die Schlachtrufe von Stimme und Geige sich lustvoll aneinander reiben. Hier sind aller guten Dinge - nämlich die Zahl der Alben - wirklich drei. (peb)



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Siehe auch:
Garmarna
Hedningarna


 Gjallarhorn: Grimborg

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Hilja Grönfors & Latso Džinta: Katta Ame Aavaa?
(2018, Global Music Centre GMCD 1831 )

Die glockenklare Stimme von Hilja Grönfors und die wunderbaren musikalischen Arrangements machen die dritte gemeinsame CD der finnischen Roma-Sängerin und ihrer Band Latso Džinta zu einem Ereignis. Auf die im CD-Titel selbst gestellte Frage »Woher kommen wir?« geben Grönfors & Latso Džinta mit der neuesten Sammlung traditioneller Roma-Lieder aus Finnland gleich mehrere Antworten: Hier swingt und seufzt die mit dem Kaustinen-Folksänger-Preis ausgezeichnete Stimme der Roma-Kultur. Lateinamerikanische Beguine und Rumba, finnische Tango- und Jenkka-Rhythmen lassen in den bisherigen Alben auf die vielfältigen musikalischen Einflüsse schließen.

Hilja Grönfors, im nordkarelischen Juuka geboren, verortet ihre Vorfahren indes im indischen Rajastan. Über 120 Lieder ihres Volkes hat sich Grönfors vorsingen lassen, hat die Texte notiert, hat sich die Melodien eingeprägt – sonst würden die Lieder in Vergessenheit geraten! Sie singt den Blues der Roma: Lieder von Sehnsucht, Trauer, Missetaten, Freude und Liebe. Ursprünglich wurden diese Lieder ohne instrumentale Begleitung unterwegs gesungen, auf »KATTA AME AAVAA? / MISTÄ TULEMME? / WHERE DO WE COME FROM?«, so der komplette Titel, blühen diese Lieder auf. Dank der Arrangements mit Violine, Gitarre, Mandoline, Akkordeon, Klavier, Bass, Schlagzeug, Perkussion, Beatboxing oder einer singende Säge geraten die Songs zu musikalischen Delikatessen und zu emotionalen Erlebnissen. Die treibenden Kräfte der Band (und auch Begleiter als Trio in Konzerten) sind Kiureli Sammallahti (Akkordeon) und Valtteri Bruun (Gitarre, Mandoline). (aha)



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Hilja Grönfors: Katta Ame Aavaa?

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Haaga Folk Machine: Ignition!
(2015, Lusti Music LUSTICD 012 )

Drei Könner und viele Ideen, vor allem ein Konzept: Mehr braucht es zumindest im Fall der Haaga Folk Machine nicht, um ein außergewöhnlich frisches Folk-Trio zu starten. Tero Hyväluoma hat sich in die erste Liga der Folk-Violinisten gespielt, nicht zuletzt durch häufiges Sprengen von Genregrenzen. Solche sind dem Gitarristen Anssi Salminen schon durch sein Instrument fremd, er war u.a. mit dem Instrumenten-Kollegen Juha Savela auf Deutschland-Tournee, organisiert von der Deutsch-Finnischen Gesellschaft – welche die Haaga Folk Machine ebenso veranstaltete. Diese wird vervollständigt durch Sami Kurppa, der meistens Harmonium und gelegentlich Klarinette spielt.

Das Komponieren teilen sie sich, wobei das Pendel in Richtung Hyväluoma zeigt. die anderen Aufgaben in der Band sind klar verteilt: Kurppa sorgt mit dem Harmonium für den harmonischen Unterbau, die Gitarre setzt viele rhythmische und sogar perkussive Akzente, die Melodien und Improvisationen kommen von der Violine. Dennoch tragen alle drei gleich viel zum eigenständigen Bandsound bei. Zu diesem gesellt sich gelegentlich Tapani Varis am Kontrabass oder Kalle Ylitalo an der elektrischen Variante. Ganz wichtig sind die Gastsänger: Jarkko Martikainen veredelt »Tie Paratiisiin«, den Weg ins Paradies, zum absoluten Ohrwurm! Auch »Kellot«, Glocken, gehört zu den Höhepunkten – diese Songs beweisen, dass die HFM den Begriff »Folk« sehr weit ausdehnt und auch vor Einflüssen der amerikanischen Variante nicht zurückschreckt. Das von Jarkko Viinamäki gesungene »Suurimmat Laivat« ist auch richtig gut, Anssi Salminen erweist sich in Konsta Jylhäs Klassiker »Penttilän Sillalla« eher als rustikaler Barde – muss man auch erstmal machen. Der Haaga Folk Machine ist jedenfalls eine herausragende CD gelungen! (tjk)



Siehe auch:
Tero Hyväluoma
Tapani Varis

Konsta Jylhä


 Haaga Folk Machine: Ignition!

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Petri Hakala & Markku Lepistö: Nordic Route
(2020, Rapusaari Records RAPU 004 )

15 Jahre nach dem grandiosen Erstling machen Petri Hakala und Markku Lepistö mal wieder eine Duo-CD, wer hätte das gedacht - oder aber bezweifelt? Seit 1997 spielen der Mandolinist und der Akkordeonist zusammen, da konnte man mit einer neuerlichen Duo-CD durchaus rechnen. Die beiden Großmeister der akustischen Musik haben in der Zwischenzeit natürlich mit unterschiedlichsten Kollegen unterschiedlichste Musik gemacht, wobei Lepistö etwas auffälliger unterwegs war als Hakala. Beiden ging es als Duo immer darum, Klang und Tradition ihrer Instrumente mit den Freiheiten des Duo-Spiels zu verknüpfen, dabei streckten sie ihre Fühler in die ganze Welt aus, ohne die nordische, die finnische Variante zu vergessen.

»NORDIC ROUTE« versammelt Einflüsse aus aller Welt: Es finden sich Reels, Schottische und Walzer, dazu jeweils ein Tango, Hambo und Milonga. Doch alle elf Stücke sind Originalkompositionen von Hakala respektive Lepistö. Deren Meisterschaft zeigt sich im Schreiben von knackigen und lyrischen Kompositionen, im Ausarbeiten von detailliertem Arrangement und natürlich im instrumentellen Können – wobei es hier keineswegs um virtuoses Muskelspiel geht. Hakalas »Hetken Epäröinti« und Lepistös »Kilsanmäki« ragen aus einer herausragenden Folk-CD heraus, und nur deswegen erlauben wir uns dieses Wortspiel. Hakala und Lepistö – selten war kleines Kino so groß! (tjk)



Mehr CDs von Petri Hakala & Markku Lepistö



Siehe auch:
Lepistö & Lehti
Markku Lepistö Trio


Petri Hakala: Nordic Route

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Halogeeni: Loistava Perimä
(2006, Pelimannit Musiikki PELI-003 )

»LOISTAVA PERIMÄ«, leuchtendes Erbe, nennen Halogeeni ihre erste CD: scheint gewagt, aber die Drei kommen schließlich aus Pohjanmaa bzw. Ostbottnien an der finnischen Westküste, einer Gegend, die schon lange für abwechslungsreiche Folklore bekannt ist.

In Kokkola haben sich 2003 drei junge Musiker gefunden: Anne-Mari Hanhisalo (inzwischen Hakamäki) spielt ein lebhaftes Harmonium und singt mit anmutiger, glasklarer Stimme. Matti Hakamäki übernimmt mit Mandoline hauptsächlich rhythmische Aufgaben; für virtuose Parts ist der starke Akkordeonist Juha Virtanen zuständig. Glücklicherweise verstehen sich Halogeeni nicht als reine »Erbeverwalter« – neben wenigen traditionellen Stücken und Liedern wie »Pommaripoika« finden sich auf der CD Eigenkompositionen von Hakamäki und Virtanen, wobei besonders letzterer den Tellerrand der Volksmusik überschreitet und spannende Momente schafft. Halogeeni sind um das musikalische Erbe Ostbottniens zu beneiden, Ostbottnien wiederum um junge Musiker wie Halogeeni – und sie durften sogar schon Värttinä supporten! (tjk)

 Halogeeni: Loistava Perimä

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Ilkka Heinonen Trio: Savu
(2015, Rockadillo Records /Sibelius Academy Rec. 149 | ZENCD2160 )

Wenn Ihnen diese CD in die Hände fallen sollte, werden Sie sich mit einiger Sicherheit fragen: Was in aller Welt in eine Jouhikko? Diese Frage beantwortet der Neo-Folkmusiker Ilkka Heinonen praktischerweise auf seiner Homepage: Die Jouhikko ist eine altertümliche gestrichene Leier, die man in Finnland und Estland finden kann. Ihre traditionelle Spielweise sieht so aus, dass der Musiker die drei Saiten des Instruments in einer schräg zwischen den Knien gehaltenen Position mit einem Bogen streicht. In den Regionen Savo und Karelien kam die Jouhikko als Tanzinstrument zum Einsatz. Auf Ilkka Heinonens CD »SAVU« (»Rauch«) kann man das gut erleben, allerdings in einer ziemlich zeitgenössischen Inkarnation.

Heinonen spielte acht Stücke mit Nathan Riki Thomson (kb) und Mikko Hassinen (dr, electr) ein. Mit dem spröden, ungeschminkten Klang seines Instruments bildet er das Zentrum dieses »etwas anderen« Jazztrios, das volksmusikalische Tradition, Jazz und Avantgarde zu einer rauen nordischen Poesie verbindet. Da gibt es zum einem flotte Melodien mit Tanzbarkeit (»Erlkönig«), Heinonen selbst nennt das Ergebnis gar »nature clubbing«: rhythmische Naturmystik trifft auf Dancefloor 2015 (»Saimaa«); oder dunkel-kantige Moritaten mit Geschrei und extrem dissonanten Tönen, durchsetzt mit rauer Elektronik und perkussivem Kontrabass (»Rutto«/»Plague«); um in den nächsten Stücken schräg-verspielt und oder melancholisch (eine Hommage an Esbjörn Svensson) zu werden. Eis, Schnee, ein »arktisches Paradies« und eine epische Erzählung vom Ural gehören ebenfalls zum Inventar von »SAVU«. So gibt es ungemein viel zu entdecken in Heinones Universum. Ganz neue alte Klänge, eine echte Bereicherung im weiten Feld Nordischer Musik. (ijb)



Siehe auch:
Jouhiorkesteri
Vilma Timonen Quartet

Ruuti

Riitta Paakki Trio


Ilkka Heinonen: Savu

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Helsingin Kaksrivisnaiset: EP
(1995, Kansanmusiiki-instituuti /Sibelius Academy KICD 39 )

»Helsinki Melodeon Ladies« – so lässt sich der Bandname übersetzen, den sich fünf Akkordeonistinnen gaben, als sie sich zu einem kurzzeitigen Projekt zusammen schlossen. Als da wären: Pia Rask, Riitta Potinoja, Sirkka Kosonen, Maija Karhinen und – federführend – Maria Kalaniemi. Sie spielen das Akkordeon jeweils rau und ruppig und bleiben dennoch dessen traditionellen Ausdrucksformen treu. Sie lassen es wimmern und lassen den Tanzboden vibrieren, erwecken Sehnsucht und blasen jede Trübsal hinweg.

Deutlich herauszuhören ist aber schon hier ist die Experimentierfreude, die besonders Kalaniemi in neue Gefilde führen sollte – hin zu ernsteren Kompositionen, die immer weiter wegführten von der Gebrauchsmusik hin zum Kammerstück – und nicht zuletzt die finnische Akkordeonmusik rundum erneuerte. (frk)



Siehe auch:
Maria Kalaniemi

 Helsingin Kaksrivisnaiset: EP

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Päivi Hirvonen: Alku – The Beginning
(2018, Nordic Notes /Broken Silence NN102 )

Hier sind archaische Kräfte am Werk! Päivi Hirvonen bewegt sich auf ihrem Debütalbum »ALKU – THE BEGINNING« mutig zwischen Tradition und Moderne. Sie raunt, sie flüstert, sie schreit und sie säuselt. Alle Hexen, Trolle und anderen Naturgeister scheinen mit ihr aus der Dämmerung der dichten finnischen Wälder zu treten und selbstbewusst ihren Platz im Hier und Heute einzufordern. So entsteht ein intensiver Dialog zwischen Violine, Stimme und der uralten finnischen Leier Jouhikko. Moderne Loop-Gerätschaften sind der Musikerin nicht fremd, die übrigens gerade ihre Doktorarbeit an der renommierten Sibelius-Akademie in Helsinki schreibt.

Wer sanfte, heitere Folkmusik bevorzugt, der wird hier vor Herausforderungen gestellt: Denn anmutig sind diese kraftvollen Töne mitnichten, sondern mitunter spröde und kantig. Sie bürsten unsere Hörgewohnheiten ganz gehörig gegen den Strich! Päivi Hirvonen reißt uns aus der Bequemlichkeit. Folkmusik ist nicht immer so leicht verdaulich wie im Privatsender-Mittelalterepos! Was nicht heißt, dass die Musikerin keine leisen und zarten Töne anschlagen kann! (emv)