Nordische Musik » CD-Rezensionen » Nach Land » Folk » Norwegen
Zur Hauptseite
Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Zur ersten Rezension

Zurück

Lange Rezensionen 11 - 20 von 133 im Genre »Folk« und Land »Norwegen« (insgesamt 218)

Weiter

Zur letzten Rezension

Zeige   5 | 10 | 20 | alle   Rezensionen auf einer Seite

Nach oben

BNB: Ein Song Frå Dei Utsungne Stunder
(2005, 2L 2L24 )

Hinter dem phantasielosen Kürzel BNB verstecken sich drei wohlbekannte und hochqualifizierte Musiker aus Norwegen: Berit Opheim ist in erster Linie Sängerin, beherrscht aber auch einige Instrumente, Nils Økland gehört zu den profiliertesten Violinisten und Hardanger-Fele-Interpreten des Landes und somit eindeutig in die Schublade Folklore, schließlich Bjørn Kjellemyr: der Kontrabassist erfreut sich in Jazzkreisen großer Wertschätzung, nicht nur als Sideman von Terje Rypdal.

Ihre Musik ist jedoch alles andere als phantasielos. Kaum zu glauben, was man mit Stimme, Geige und Bass (gelgegentlich etwas Percussion und Basslaute) alles anstellen kann: Sie schürfen tief in der Folklore und in der Renaissance, in kammermusikalischer Vergangenheit, greifen aber auch in Avantgarde-Gefilde - sind doch weite Teile der Aufnahme improvisiert. Berit Opheims Stimme brilliert ohne zu nerven, Kjellemyrs Bass ist nicht nur Basis, sondern allein das Zuhören wert, die Violine verbindet und macht weite Ausflüge. Und so gelingt ihnen eine Musik quer durch bzw. erhaben über alle Stilgrenzen, immer spannend, immer ästhetisch, immer außergewöhnlich. Die Aufnahmen entstanden live in der Ullensvang-Kirche. (tjk)



Siehe auch:
Nils Økland
Terje Rypdal

Berit Opheim Versto


 BNB: Ein Song Frå Dei Utsungne Stunder

Nach oben

Mari Boine: See The Woman
(2017, MPS/Lean /Edel 0211704MS1 )

Unlängst sechzig Jahre alt geworden erfindet sich die große nordnorwegische Sängerin mit »SEE THE WOMAN« ein weiteres mal neu. Angefangen hatte Mari Boine Persen in den Achtzigern mit Mainstream-Pop, dann fand sie ihren eigenen Stil mit folkloristisch gefärbten Liedern, die sie oft aus der Kultur der Samen heraus entwickelte und die über Peter Gabriels Label Real World international auf diese besondere nordische Musik aufmerksam machten. Wie nebenbei erschloss sie mit elektronischen Alben sogar ein Club-Publikum, sang auf ECM-Jazzplatten von Jan Garbarek. Und nun, acht Jahre nach ihrem letzten Album, produzierte sie mit Thomas Frøberg ein astreines Popalbum, das sie als souveräne, in sich ruhende Interpretin eigener und fremder Songs – in englischer Sprache – zeigt. Es sei ihr »Jugendtraum« gewesen, eine solche Platte aufzunehmen, sagte sie in verschiedenen Interviews.

Doch auch wenn die Porträtfotos im Beiheft mit billigen Effekten ungelenk auf flippig gemacht wurden, Mari Boines prägnante Stimme bleibt glücklicherweise unverfälscht und prägnant im Zentrum dieser luftigen, gleichwohl teils recht melancholischen zwölf Songs. Sie selbst nennt sie »Sami Blues«, und das trifft ziemlich gut, worum es ihr geht: ein reifes Album der Selbstvergewisserung und des Rückblicks, eine Einladung zu Reflektion und zugleich zu einer Spiegelung der eigenen Herkunft in Geschichten anderer Erzähler. Eine bewegende Scheibe von Songwriting und Storytelling. (ijb)



Mehr CDs von Mari Boine



Siehe auch:
Johan Norberg
Linnea Olsson

Jan Garbarek

Lars Skoglund



Zum Artikel über Mari Boine

Mari Boine: See The Woman

Nach oben

Erlend Bolmen: Reindeer Rain
(2004, Eigenverlag)

Die Legende besagt, dass der aus einer südnorwegischen Familie stammende Erlend Bolmen als Waisenkind bei den Sami aufwuchs und so die Kultur kennenlernte, in die er doch eigentlich gar nicht hinein geboren wurde. Ob diese doch eher unglaubwürdige Story nun stimmt oder nicht – der Norweger macht seine Sache eigentlich recht gut. Er joikt mit rechtschaffener Inbrunst und beruft sich dabei auf traditionelle Vorbilder wie Nils Aslak Valkeapää oder Wimme Saari – freilich ohne deren textliche Tiefe und musikalische Weitsicht zu erreichen.

Seine in Kautokeino, im Heimstudio aufgenommene und dementsprechend klangtechnisch eher matte Aufnahme zeigt jedoch: Folkloristische Wurzeln haben weniger mit Genen als vielmehr mit der Umgebung zu tun, in der man aufwächst. Nicht sehr innovativ instrumentiert, aber doch immerhin mit solidem Pop-Verständnis ausgestattet, das bisweilen eine fast gefährliche Nähe zum Schlager aufweist, singt Erlend Bolmen über die Herbstfarben im Fjäll, den Zug der Rentiere und – tatsächlich – die Liebe eines Schneehunhs! Seine Aufnahmen haben sicher keinen bleibenden historischen Wert, aber sie leisten immerhin einen kleinen Beitrag zur Modernisierung der samischen Volksmusik. (lha)



Siehe auch:
Nils Aslak Valkeapää
Wimme Saari


Erlend Bolmen: Reindeer Rain

Nach oben

Anders P. Bongo: Dolin
(2003, DAT DATCD-35 )

Anders P. Bongos zweite CD »DOLIN« tradiert den Joik-Gesang so, wie er eigentlich immer war: a-cappella, bei manchen der 50 Stücke unterstützt von Bonggu Antes Stimme. Kein Yoik länger als zwei Minuten, alle – wie sich das gehört – Personen, Landschaften oder Tieren gewidmet; im speziellen Falle von Bongo sogar oftmals Verstorbene thematisierend. »Days Of Yore – Classical Sami Yoik« lautet der Untertitel der CD und verweist ebenfalls auf den absolut traditionsbewussten Ansatz des Rentierzüchters und Sängers aus Kautokeino.

Zugegeben: Für untrainierte Ohren wirkt die CD in einem Rutsch gehört ermüdend und eintönig. Wer sich jedoch dafür interessiert, wo Joik-Erneuerer wie Wimme, Mari Boine oder Orbina eigentlich herkommen, sollte Anders zuhören. Was ich mich allerdings seither immer wieder frage: War die alte Madame Bongo, bei der ich im Laufe einer Wanderung nahe Kautokeino einmal gegen Bezahlung nächtigte und Rentierbraten aß, seine Frau? (lha)



Siehe auch:
Wimme
Mari Boine

Orbina


Anders P. Bongo: Dolin

Nach oben

Bridges: Live In China
(2006, Heilo /Galileo HCD 7201 )

Bridges: Brücken. Diese kulturelle Brücke – gebaut von Meistersängerin Unni Løvlid, »Eis-Perkussionist« Terje Isungset, Akkordeonist Frode Haltli und Wu Chuan Ping, Lu Yingmei, Pan Xin Zhi (alle Gesang) sowie Wu Anhua Dongliang (Flöten) – ist eine der schönsten überhaupt, hier den Weg zwischen Norwegen und der bettelarmen chinesischen Provinz Guizhou verbindend. Dort lebt das Volk der Dong als eine von 13 ethnischen Gruppen, mit einer ungewöhnlich reichen Musikkultur.

Das Zusammenspiel der nordwest-/südöstlichen Combo entwickelte sich aus gegenseitigen Besuchen und gemeinsamen Konzerten, beim Folkmusik Festival Førde ebenso wie in Beijing. Und siehe da: Es fügt alles trefflich zusammen: die reicht verzierten, näselnden Dong-Texte mit Unnis aus Telemark, Hornindal, Sogn og Fordane oder bei Karin Krog gesammelten Stückchen ebenso wie Isungsets vielfältig rasselnd-klingelnd-schepperndes Instrumentarium mit Dongliangs zarten Flöten. Vielleicht sind die Unterschieden eben doch nicht so groß wie vermutet: wildromantisch-raue Täler und tief gelebte musikalische Spiritualität hier wie dort. (peb)



Siehe auch:
Unni Løvlid
Terje Isungset

Karin Krog


 Bridges: Live In China

Offizielle Website

Nach oben

Aslak O. Brimi & Erlend Viken: Ho Venta På Rock
(2011, ta:lik /Musikkoperatørene TA90CD )

Mit Rock hat das nichts zu tun! Bitte nicht nur den CD-Titel lesen, sondern sich das Cover anschauen, dann weiß man, was hier gespielt wird. Astreine norwegische Folklore, mit zwei Hardanger-Fiedeln und sonst nichts, gar nichts. Aber Aslak O. Brimi und Erlend Viken brauchen auch nicht mehr, um eine blitzsaubere, gescheite und ziemlich feurige CD einzuspielen.

Die traditionellen Stücke aus den Regionen Lom und Oppdal sind beiden eine nie versiegende Quelle an aufregender Musik, wie sie im Booklet schreiben. Freilich bearbeiten sie die Songs in eigener Weise, und so klingt alte Musik neu und frisch. Tänze, Polkas, Walzer haben Brimi und Viken auch von ihren Vätern gelernt – wohl dem, der solch musikalische Vorfahren hat. Im Booklet sind neben den Erläuterungen in Norwegisch und Englisch viele Fotos von Musikern und Tanzveranstaltungen früherer Tage. (tjk)



Siehe auch:
W. – Musikk Av Hans W. Brimi

Aslak O. Brimi: Ho Venta På Rock

Offizielle Website

Nach oben

Tore Bruvoll & Jon Anders Halvorsen: Trillar For Two
(2007, Heilo HCD7217 )

Ein Thriller für zwei: Wer nun bei »TRILLAR FOR TO« nervenzerfetzende Verfolgungsjagden im James-Bond-Stil erwartet, wird enttäuscht sein. Das ist norwegische Folkmusik, Dummy! Langeweile kommt hier trotzdem nicht auf, denn der Sänger Jon Anders Halvorsen und der Gitarrist Tore Bruvoll zeigen sich auf ihrem zweiten Album traditionsbewusst, aber trotzdem experimentierfreudig: Volkslieder können sie mit beseelter Ernsthaftigkeit ebenso gut interpretieren wie rauflustige Trinkweisen! Sogar ein Ausflug in Richtung Blues ist hier möglich! »Wir balancieren zwischen der Verantwortung, das Kulturerbe zu bewahren, und dem Drang danach, die eigenen Ideen und den eigenen Stil zu verwirklichen. Dies ist sehr anspruchsvoll und zugleich sehr fruchtbar«, sagt Tore Bruvoll. Genau!

Das Duo hat sich für den Zweitling mit Sondre Meisfjord (Kontrabass), Christian Svensson (Perkussion), Jorun Marie Kvernberg (Fiddle) und dem Oslo Fagottkor (Oslos Schwulen-Chor) zusammengetan. Wenn das mal nicht aufregend ist! Mittelalterliche Balladen, neu arrangiert, stehen immer noch im Fokus: Es geht um verlorene Königstöchter, einen phantastischen Gürtel und einen jungen Mann, der in arge Seenot gerät, nachdem er dummerweise ein holde Maid schnöde verlassen hat. Das ist alles hochlebendig! Vielleicht sollten die Macher von »GAME OF THRONES« zur musikalischen Untermalung der Serie mal in Norwegen vorbeischauen! (emv)



Mehr CDs von Tore Bruvoll & Jon Anders Halvorsen

Tore Bruvoll: Trillar For Two

Nach oben

Kirsten Bråten Berg: Songen
(2011, Heilo /Galileo HCD7257 )

Wer mit Volksmusik aufwächst, dem wachsen unweigerlich einige Lieder besonders ans Herz, diese werden dann zu lebenslangen Begleitern. Zu schade wäre es allerdings, gingen diese Lieder mit der Zeit verloren! Der norwegischen Jugend z.B. – hat diese doch statt Kveding-Gesang und Hardanger Fiedel eher Chatroom und Gangbang im Sinn. Aber zum Glück ist da ja noch Kirsten Bråten Berg: Die 1950 in Arendal geborene Sängerin gehört in die erste Liga der norwegischen Folk-Szene; seit sie in den 70ern in Erscheinung trat, sie hat in vielen bedeutenden Formationen gewirkt.

15 Lieder hat Berg ausgewählt, abwechslungsreich melancholisch wie fröhlich und teilweise schon ziemlich alt. Allerdings klingen sie durchaus frisch und munter, wozu eine erlesene Musikerschar beiträgt: mit dem Jazzer Arild Andersen (b) verbindet sie eine jahrzehntelange Zusammenarbeit, Stian Carstensen (bj, pedal steel, acc) und Leiv Solberg ( mandola, acc, g) kennt man aus vielen anderen Bands. Auch die Folk-Stars Annbjørg Lien (hardanger fiddle) und Bjørn Ole Rasch (harmonium) fügen sich uneigennützig ein. »Bendik Og Årolilja« berührt durch strenge, fast bedrohliche Ruhe, »Pål På Haugen / Tor Persens Hamber« im Gegensatz sprüht vor Fröhlichkeit, »Anne Knutsdotter« fügt Rodeo-Einflüsse hinzu. Ein ansprechender Reigen älterer Volkslieder: vielleicht nicht in neuem, aber zumindest in frisch gewaschenem Gewand. (tjk)



Mehr CDs von Kirsten Bråten Berg



Siehe auch:
Arild Andersen
Annbjørg Lien

Bukkene Bruse

Sondre Bratland


Kirsten Bråten Berg: Songen

Nach oben

Lajla Renate Buer Storli: Møya Som Drøymde
(2013, Heilo /Galileo HCD 7278 )

Mittelalter ist immer schwierig: erstens gibt es wenig konkret Überliefertes, die Weitergabe des Liedgutes wurde gelegentlich unterbrochen und schon ist das Lied komplett perdu oder nur fragmentarisch erhalten. Lajla Renate Buer Storli ist eine der wenigen Musiker, die sich explizit mit der Erforschung und Rekonstruktion alten und verschollenen Liedguts befasst. Als sie auf eine Balladensammlung ihres ehemaligen Lehrers Olav Sande stieß, war das für sie eine Goldgrube: Texte aus den Regionen Hardanger und Voss.

Buer Storli bereitete die Texte auf und vertonte sie in historischen Räumen in Hardanger, viele a capella allein oder mit ähnlich kompetenten Sängern wie Kirsten Bråten Berg und Kim André Rysstad. Buer Storli singt und spielt Hardanger Fiedel, ebenso Knut Hamre, selbstredend auch er eine Koryphäe. Stein Villa steuert Harfenklänge bei. Das Ergebnis ist beeindruckend, die Lieder strahlen eine ganz eigene Stimmung aus, manchmal mystisch und manchmal voller Lebensfreude und Kraft. Vor allem der mehrstimmige Gesang ist beeindruckend. Vor allem umgehen sie die zweite Schwierigkeit mit Mittelaltermusik: was Lajla Renate Buer Storli und ihre Kompagnons schaffen, nervt keineswegs – es fasziniert und macht neugierig auf mehr! (tjk)



Siehe auch:
Kirsten Bråten Berg

Lajla Renate Buer Storli: Møya Som Drøymde

Nach oben

Bukkene Bruse: Den Fagrasta Rosa
(2005, Heilo)

Schlicht und feierlich: Diese lieblichste Rose verströmt einen wunderbar weihnachtlichen Duft! Mit »DEN FAGRASTA ROSA« legt das hochkarätig besetzte norwegische Folkensenemble Bukkene Bruse einen stimmungsvollen Soundtrack für die dunklen Tage rund um das Christfest vor. Garantiert kitschfrei! Ursprünglich entstanden aus einem Weihnachtskonzert, zelebrieren Annbjørg Lien an der Hardangerfiddel und ihre musikalischen Mitstreiter die hohe Kunst der stillen Schönheit. Das Ensemble hat sich übrigens nach einem beliebten norwegischen Volksmärchen um drei mutige Ziegenböcke, die einen bösen Troll austricksen!

Bukkene Bruse haben hier traditionelle norwegische Weihnachtshymnen neu bearbeitet -sie sozusagen entschlackt und auf ihren Kern reduziert. Weniger ist hier unbedingt mehr! Die Hardangerfiddel harmoniert bestens mit Flöte und Orgel. Zu Weihnachten zur Ruhe kommen, wie es früher vielleicht einmal war: Diese feine Einspielung erinnert uns daran! (emv)



Mehr CDs von Bukkene Bruse



Siehe auch:
Annbjørg Lien

 Bukkene Bruse: Den Fagrasta Rosa

Zur ersten Rezension

Zurück

Lange Rezensionen 11 - 20 von 133 im Genre »Folk« und Land »Norwegen« (insgesamt 218)

Weiter

Zur letzten Rezension



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

                     

© 2000 - 2018, Design & Programmierung: Polarpixel