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Lange Rezensionen 1 - 133 von 133 im Genre »Folk« und Land »Norwegen« (insgesamt 218)

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Sturla | Andreas: Glimmer
(2003, 2L /Musikkoperatørene 2L17 )

Im Januar 2003 zog sich der in der Kunst des Hardanger-Stils bewanderte Violinist Sturla Eide Sundli mit Gitarrist und Bouzouki-Spieler Andreas Aase in die Osloer Sofienberg Kirche zurück, um dort elf zum Zerschmelzen schöne Folk-Tunes aufzunehmen. Man höre nur den glückstrunkenen Hochzeitsmarsch »Gilde« oder das euphorische, von Sundli im alten Stil komponierte »Polska 56401«!

Hier sind zwei Traditionsbewahrer am Werk, die mit viel Liebe und Leidenschaft bei der Sache sind. Sturla | Andreas scheinen gar regelrecht in ihre Instrumente hineinzukriechen, um aus ihnen auch noch das letzte Quentchen Emotion herauszuquetschen und die Volkslieder noch prächtiger vor unseren Ohren auszubreiten. Wer Hardanger-Fiddletunes zu schätzen weiß, wird nicht mehr von dieser CD lassen können. Oder übergehen zu Flukt, einem weiteren Projekt von Sturla. (peb)



Siehe auch:
Flukt

 Sturla | Andreas: Glimmer

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Adjágas: Adjágas
(2005, Trust No One TMR027 )

Mari Boine gehört zu den Fans des Duos, und das setzt die Messlatte hoch. Lawra Somby und seine Kollegin Sara Marielle Gaup gehören jedenfalls zu einer jungen Joik-Generation, die direkt von ihren Eltern gelernt haben, und das lässt hoffen, dass die Traditionen nicht aussterben, sondern eine zeitgemäße Weiterentwicklung erfahren. Ihre Herangehensweise zeugt von Unvoreingnommenheit und Frische: Mal vermittelt ein vorwitziges Banjo samt schleppenden Stomp-Drums etwas Blues-Flair, dann wieder lassen Tremolo-Gitarren sechsminütige Balladen à la »Rievdadeapmi« (Veränderung) wie im Flug vergehen.

Die Texte? Das Übliche: emotionaler Überschwang, Natur-Meditationen und Freiheitsdrang oder einfach die Gedanken eines geistig verwirrten Sami, der sein Lávvu im Wald statt wie sonst üblich auf einer Anhöhe mit guter Aussicht aufgestellt hat: »How in the world did I get here, how mysterious that I got here?«, so die englische Übersetzung. Auch wenn die Stimmen von Lawra und Sara noch nicht ihre volle Souveränität erlangt haben: Die guten Songs und die durchweg hervorragende Instrumentierung zeigen, wie Joiks modern klingen könnten unter Bewahrung ihrer Glaubwürdigkeit. (peb)



Siehe auch:
Mari Boine

 Adjágas: Adjágas

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Erlend Apneseth: Blikkspor
(2013, Heilo /Grappa / Galileo HCD7283 )

Mit beiden Beinen steht Erlend Apneseth in der norwegischen traditionellen Folklore – aber er blickt weit über den Tellerrand hinaus. Das ist sicher auch ein Verdienst seiner Lehrer Håkon Høgemo und Nils Økland. Natürlich liebt Apneseth, mit seiner Hardanger Fiedel alte Lieder zu spielen, aber ebenso gerne improvisiert er über diese. Oder er fängt einfach frei an, aus Tönen werden Melodien, aus Melodien werden Geschichten, bis diese irgendwann ein Ende finden.

Gelegentlich hat er Unterstützung von Produzent Arve Henriksen an der Trompete, bei zwei Stücken auch von Gitarrist Stephan Meidell und Drummer Øyvind Hegg-Lunde. Über weite Strecken hört man jedoch nur Erlend Apneseth und seine Hardanger Fiedel - aber man vermisst nichts, absolut gar nichts. »Gjennom« ist so ein faszinierendes Kleinod aus wenigen Tönen, die wiederholt werden und sich verändern: man bekommt gar nicht genug von diesem Stück. (tjk)



Siehe auch:
Nils Økland
Stephan Meidell

Erlend Apneseth Trio

Arve Henriksen


Erlend Apneseth: Blikkspor

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Erlend Apneseth Trio: Det Andre Rommet
(2016, Hubro /Grappa HUBROCD2570 / LP3570 )

Erlend Apneseths Debütalbum »BLIKKSPOR«, eine starke Solo-CD, auf der gelegentlich Produzent Arve Henriksens Trompete als Duostimme in Erscheinung trat, vermochte bereits durch einen eigenen Blickwinkel auf die Traditionen der Hardanger-Volksmusik zu faszinieren. Doch der Zweitling des jungen Künstlers, der bereits als einer der herausragenden Fiedler des Landes bezeichnet wird, kann nun noch einmal mehr beeindrucken. »DET ANDRE ROMMET« (»Das andere Zimmer«) erscheint, erst einmal überraschend für einen Folkmusiker, bei Hubro, der norwegischen Ein-Mann-Firma, die uns seit der Katalognummer 1 (Splashgirl) zuverlässig mit innovativen und fast durchweg hinreißenden Platten versorgt wie im laufenden Jahrzehnt vielleicht kein anderes Label.

Immer wieder für Überraschungen gut, produzierte Labelgründer Andreas Meland »DET ANDRE ROMMET« gleich selbst. Die Aufnahmen fanden über vier Tage, vor genau einem Jahr (März 2015) im kleinen, rustikalen Hallibakken-Studio in Nesbyen (Hallingdal) statt, das schon vielen lokalen Folkaufnahmen wertvolle Inspiration schenkte, wie mir unlängst unter anderem der derzeitige Leiter der Ole-Bull-Akademie, der renommierten Volksmusik-Uni in Voss, Jo Asgeir Lie, am Vorabend einer eigenen Duoaufnahme erläuterte und mich nachdrücklich zu ebendieser einlud, um die Vorzüge des Raums zu vermitteln.

Für Apneseth erweist sich all dies als exzellente Basis, um seinen progressiven Ideen Nachdruck zu verleihen und das traditionsverhaftete Genre einer eindrucksvollen Frischzellenkur zu unterziehen. Wesentlich tragen dazu seine Triopartner Øyvind Hegg-Lunde (dr, perc) und Stephan Meidell (el g, electr.) bei, die auf »Blikkspor« zwei Kurzauftritte hatten und mit jeweils eigenen (und radikal unterschiedlichen) progressiven Bands bereits auf Hubro vertreten sind. Weit mehr als Erlends Debüt setzt diese Trioscheibe auf gemeinsame Improvisation, zugleich auf eine Skelettierung der Hardangermusik. Mal sehr karg und spröde (»Nattkatt«), mal schillernd, postrockig und treibend (»Magma«), dann auf einfachste Weise emotional (ein komplett gezupfter »Dialog«), anderswo mit gesampelten Aufnahmen in eine ferne Vergangenheit reisend (»St Thomas-klokkene«), doch in jedem Stück die Möglichkeiten des Instruments auslotend und Klangwelten herauskitzelnd, die man in dieser Form mit Sicherheit noch nicht gehört hat. »DET ANDRE ROMMET« ist für Hubro und für die norwegische Folkszene ein kaum hoch genug zu schätzender Gewinn, der viele offene Ohren verdient hat. (ijb)



Mehr CDs von Erlend Apneseth & Trio



Siehe auch:
Erlend Apneseth
Øyvind Hegg-Lunde / Building Instrument

Stephan Meidell

Jo Asgeir Lie


Erlend Apneseth: Det Andre Rommet

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Arvvas: Remembrance
(2016, Nordic Notes /Broken Silence NN075 )

Von wegen, das geht nicht! Joik, Bluegrass und Michael Jackson ergänzen sich bestens! Das norwegische Duo Arvvas feiert auf seinem Debütalbum »REMEMBRANCE« musikalische Grenzüberschreitungen de luxe! Sara Marielle Gaup hat sich als Mitglied des Frauen-Folk-Ensembles Adjágas bereits einen Namen gemacht und gehört zur jungen Joik-Generation, die sehr offen für neue Einflüsse ist. Bassist und Sänger Steinar Raknes hat in Norwegen als Nachwuchs-Jazzmusiker auf sich aufmerksam gemacht. Gemeinsam bürsten Arvvas alle Klischees von »die Schöne und das Biest« energisch gegen den Strich. Live haben die eigenwilligen Zwei ein Cover des Michael-Jackson-Superhits »Billy Jean« im Repertoire haben!

Arvvas bieten auf ihrem Erstling ein aufregendes Crossover-Projekt zwischen rauchigem Blues, fetten Bass-Sounds, raubeinigen Americana-Tönen und dem traditionellen Joik-Gesang der Samen. Und wer hätte gedacht, dass in Songs wie der reduzierten Bar-Ballade »Drench My Soul« die existenzielle Einsamkeit der Prärie so gut zur archaischen Joik-Tradition passt! Meister Tom Waits würde wohl zustimmend dazu nicken"
(emv)



Siehe auch:
Adjágas

 Arvvas: Remembrance

Video-Link Offizielle Website

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Kristin Asbjørnsen: Traces of you
(2018, Øra Fonogram /Rough Trade Global Sonics 001/18 )

Wenige Künstler bleiben sich so treu und entwickeln sich dennoch weiter so wie Kristin Asbjørnsen. Fünf Jahre hat sie sich für »TRACES OF YOU« Zeit gelassen, wobei sie dieses Konzept schon länger im Kopf hatte und die Klangästhetik ändern wollte – zu ihrer Melange aus Gospel, Jazz und Soul Folk kommen nun starke Einflüsse aus Westafrika.

Sehr reduziert ist das Instrumentarium: Olav Torget spielt Gitarre, gelegentlich ein wenig Bass, als Gäste sind Anders Engen (Percussion, Stimme und Dobro) und die Sängerin Monica Ifejilika zu hören. Das neben Torgets Gitarre bestimmende Instrument ist allerdings die Kora von Suntou Susso – der Griot aus Gambia gibt den Songs eine ganz andere Farbe. E-Gitarre und Kora bilden eine sehr reizvolle Kombination, keiner macht zu viel, alles ist wohldosiert und songdienlich gespielt.
Geblieben ist die Klarheit und die im positiven Sinne Einfachheit der Songs. Vor allem natürlich die grandiose Stimme von Kristin Asbjørnsen – wobei sie hier nicht ganz so rau klingt wie bisher. Sehr gut passen auch die beiden weiblichen Stimmen zusammen, die sich mal umspielen, mal überlagern. Die Songs sind unendlich beseelt und ergreifend - »TRACES OF YOU« ist über weite Teile wunderschön. (tjk)



Mehr CDs von Kristin Asbjørnsen



Siehe auch:
Olav Torget
Kvitretten

Dadafon


Kristin Asbjørnsen: Traces of you

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BandaCuito: Epew
(2013, Gigger Music /Musikkoperatørene GGM332 )

Es heißt, im südlichsten Chile gibt es ähnliche Landschaften wie im Norden Norwegens, mit kargen Fjorden und viel Schnee und Eis. Ob es auch Ähnlichkeiten zwischen der traditionellen Musik Nordnorwegens und Südamerikas gibt, versucht das Trio BandaCuito auszuloten. Zwei recht junge Norweger, ein Saxofonist und ein Schlagzeuger, gründeten die Band im April 2012 in Tromsø mit dem bereits etwas ältereren Chilenen Carlos »Cuito« Jeldes Ramirez, der E-Bass spielt und singt. Alle drei musizieren zudem auf traditionellen Instrumenten der Mapuche, einem indigenen südamerikanischen Volk, dem »Cuito« Ramirez entstammt.

Selbstredend verbinden die drei diese volkstümliche Musik mit Elementen gegenwärtiger Jazz-, Rock- und Latin-Stile. Der Rhythmus ist die vorherrschende Kraft dieser fünf Kompositionen, und Ramirez‘ Stimme sorgt mit exzessiver Wiederholung einzelner Worte und Phrasen für eine streckenweise fast tranceartige Qualität. Fürs erste eine interessante, Ohren und Geist öffnende kleine Platte. Ob BandaCuito den Atem für längere Strecken besitzen, muss sich noch erweisen. Es spricht jedoch einiges dafür. (ijb)

 BandaCuito: Epew

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Rim Banna: The Mirrors Of My Soul
(2005, Strange Ways /Indigo 6316-2 )

Schon als der Osloer Produzent Erik Hillestad arabische Sängerinnen für sein politisch motiviertes Projekt »LULLABIES FROM THE AXIS OF EVIL« suchte, war er zu Tränen gerührt, als er die palästinensische Sängerin Rim Banna A-cappella hörte. Daraus entstand dann letztlich ein bezauberndes Duett mit Kari Bremnes. Und nun also »THE MIRRORS OF MY SOUL«: Die Araberin ist keine Newcomerin; sie hat schon zahlreiche Alben veröffentlicht, aber dieses könnte ihr auch international die Tore öffnen. Denn die traumhaft transparent produzierte und klangtechnisch exquisite CD erschließt sich auch weltmusikalisch wenig erfahrenen Hörern.

Begleitet u.a. von Gitarrist Eivind Aarset, Trommler Rune Arnesen, Keyboarder David Wallumrød oder ihrem ukrainischen Mann Leonid Alexeienko arbeitet sich die Araberin durch hitzigen Wüstenfunk wie »The Grandma With A Limp«, aber auch durch berührende Tragödien wie »Sarah« – ein Lied über ein im Nahost-Konflikt durch Heckenschützen getötetes, nur 16 Monate altes Kind. Rim Banna klagt nicht an, aber ihre Lieder sind politisch gefärbt; ein zum Beispiel Yasser Arafat gewidmeter Text kann eben nicht unpolitisch sein. Genauso wenig wie ein Mensch, der in Nazareth geboren wurde und dort weiterhin lebt. (peb)



Siehe auch:
Verschiedene: Lullabies From The Axis Of Evil
Kari Bremnes

Eivind Aarset


Rim Banna: The Mirrors Of My Soul

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Ingebjørg Loe Bjørnstad: Hæm
(2013, Øra Fonogram OF 045 )

Wenngleich auf dem Cover allein der Name Ingebjørg Loe Bjørnstad genannt wird, so ist »HÆM« ganz klar ein Duoalbum zwischen der jungen Sängerin und Songwriterin und dem Akkordeonisten Frode Haltli - nicht mehr, aber eben ganz klar auch nicht weniger. Und ein überaus intimes dazu. Aufgenommen im Studio in Trondheim im März 2013, doch entstanden sind die zehn Lieder größtenteils zwischen 2010 und 2012, als Bjørnstad nach einigen Jahren an der Westküste und in Oslo (wo sie bis 2008 Jazz und Improvisation studierte) wieder in ihre Heimatkommune Surndal zurück ging, gute hundert Kilometer westlich von Trondheim gelegen.

Sie wollte die Sprache ihrer Heimat wiederfinden und schrieb daher Lieder im Surnadal-Dialekt, was sie als sehr befreiend und eine große Freude beschreibt. Und das hört man zweifellos, selbst ohne der Sprache mächtig zu sein: Ihr Debütalbum »HÆM« (=Zuhause) wurde eine Sammlung sehr persönlicher Lieder. Sie singt unprätentiös von Freundschaft, von Sehnsucht nach Gemeinschaft und vom Vergehen der Zeit, oft mit einer gewissen Melancholie; doch die Musik, das allein als Begleitung und Gesprächspartner auftretende Akkordeon konterkariert dies oft mit einer warmherzigen, zugleich rauen und vielgestaltig schimmernden Einfachheit, die dem ganzen Album eine starke Folk-Stimmung verleiht. Man spürt fast die Natur und die Landschaft von Ingebjørgs Heimat. (ijb)



Siehe auch:
Frode Haltli Folkalben
Frode Haltli Avantgarde/Klassik-Alben

Poing + Maja Ratkje

Rusk


Ingebjørg Loe Bjørnstad: Hæm

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Kerstin Blodig: Nordisk Sjel
(2008, Westpark /Indigo 87160 )

Die Ähnlichkeiten zwischen gälischer und skandinavischer Musik waren ihr schon immer geläufig, erzählte die Berlinerin im Interview. Als Halbnorwegerin versteht sie skandinavisch perfekt, aber auch gälisch singt sie fließend. Letzteres kommt bei ihren Gruppen Talking Water, Touchwood und Norland Wind zum Einsatz, die norwegischen Lieder jedoch eher auf den Solo-Alben. Mit »Nordisk Sjel« präsentiert sie nun eine Song-Zusammenstellung aller Projekte, aber auch sechs neue Songs, die zusammen mit dem Schotten Ian Melrose entstanden sind.

Man findet bei »Seagulls« stimmige Fernweh-Träumerein, mit »Liti Kersti og Elvekongjen« eine feine Neufassung dieser alten Troll-Ballade, und die balladesken Pop-Nummern von Talking Water bringen dank der Drums zwischendurch etwas Druck ins Repertoire: für alle Liebhaber entspannter Musik à la Kari Bremnes und Friedemann ein Muss. Und stets setzt der von Tonmeister Jörg Surrey klangtechnisch hervorragend eingefangene Acoustic-Sound noch das Sahnehäubchen auf. Sympathisch auch der Hinweis im Booklet: »Kerstin Blodig spielt eine Gibson L-60, eine Martin D-28 und singt mit der Stimme einer Nichtraucherin.« (peb)



Mehr CDs von Kerstin Blodig



Siehe auch:
Wolfgang Meyering & Malbrook
Kelpie



Zum Artikel über Kerstin Blodig

Kerstin Blodig: Nordisk Sjel

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BNB: Ein Song Frå Dei Utsungne Stunder
(2005, 2L 2L24 )

Hinter dem phantasielosen Kürzel BNB verstecken sich drei wohlbekannte und hochqualifizierte Musiker aus Norwegen: Berit Opheim ist in erster Linie Sängerin, beherrscht aber auch einige Instrumente, Nils Økland gehört zu den profiliertesten Violinisten und Hardanger-Fele-Interpreten des Landes und somit eindeutig in die Schublade Folklore, schließlich Bjørn Kjellemyr: der Kontrabassist erfreut sich in Jazzkreisen großer Wertschätzung, nicht nur als Sideman von Terje Rypdal.

Ihre Musik ist jedoch alles andere als phantasielos. Kaum zu glauben, was man mit Stimme, Geige und Bass (gelgegentlich etwas Percussion und Basslaute) alles anstellen kann: Sie schürfen tief in der Folklore und in der Renaissance, in kammermusikalischer Vergangenheit, greifen aber auch in Avantgarde-Gefilde - sind doch weite Teile der Aufnahme improvisiert. Berit Opheims Stimme brilliert ohne zu nerven, Kjellemyrs Bass ist nicht nur Basis, sondern allein das Zuhören wert, die Violine verbindet und macht weite Ausflüge. Und so gelingt ihnen eine Musik quer durch bzw. erhaben über alle Stilgrenzen, immer spannend, immer ästhetisch, immer außergewöhnlich. Die Aufnahmen entstanden live in der Ullensvang-Kirche. (tjk)



Siehe auch:
Nils Økland
Terje Rypdal

Berit Opheim Versto


 BNB: Ein Song Frå Dei Utsungne Stunder

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Mari Boine: See The Woman
(2017, MPS/Lean /Edel 0211704MS1 )

Unlängst sechzig Jahre alt geworden erfindet sich die große nordnorwegische Sängerin mit »SEE THE WOMAN« ein weiteres mal neu. Angefangen hatte Mari Boine Persen in den Achtzigern mit Mainstream-Pop, dann fand sie ihren eigenen Stil mit folkloristisch gefärbten Liedern, die sie oft aus der Kultur der Samen heraus entwickelte und die über Peter Gabriels Label Real World international auf diese besondere nordische Musik aufmerksam machten. Wie nebenbei erschloss sie mit elektronischen Alben sogar ein Club-Publikum, sang auf ECM-Jazzplatten von Jan Garbarek. Und nun, acht Jahre nach ihrem letzten Album, produzierte sie mit Thomas Frøberg ein astreines Popalbum, das sie als souveräne, in sich ruhende Interpretin eigener und fremder Songs – in englischer Sprache – zeigt. Es sei ihr »Jugendtraum« gewesen, eine solche Platte aufzunehmen, sagte sie in verschiedenen Interviews.

Doch auch wenn die Porträtfotos im Beiheft mit billigen Effekten ungelenk auf flippig gemacht wurden, Mari Boines prägnante Stimme bleibt glücklicherweise unverfälscht und prägnant im Zentrum dieser luftigen, gleichwohl teils recht melancholischen zwölf Songs. Sie selbst nennt sie »Sami Blues«, und das trifft ziemlich gut, worum es ihr geht: ein reifes Album der Selbstvergewisserung und des Rückblicks, eine Einladung zu Reflektion und zugleich zu einer Spiegelung der eigenen Herkunft in Geschichten anderer Erzähler. Eine bewegende Scheibe von Songwriting und Storytelling. (ijb)



Mehr CDs von Mari Boine



Siehe auch:
Johan Norberg
Linnea Olsson

Jan Garbarek

Lars Skoglund



Zum Artikel über Mari Boine

Mari Boine: See The Woman

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Erlend Bolmen: Reindeer Rain
(2004, Eigenverlag)

Die Legende besagt, dass der aus einer südnorwegischen Familie stammende Erlend Bolmen als Waisenkind bei den Sami aufwuchs und so die Kultur kennenlernte, in die er doch eigentlich gar nicht hinein geboren wurde. Ob diese doch eher unglaubwürdige Story nun stimmt oder nicht – der Norweger macht seine Sache eigentlich recht gut. Er joikt mit rechtschaffener Inbrunst und beruft sich dabei auf traditionelle Vorbilder wie Nils Aslak Valkeapää oder Wimme Saari – freilich ohne deren textliche Tiefe und musikalische Weitsicht zu erreichen.

Seine in Kautokeino, im Heimstudio aufgenommene und dementsprechend klangtechnisch eher matte Aufnahme zeigt jedoch: Folkloristische Wurzeln haben weniger mit Genen als vielmehr mit der Umgebung zu tun, in der man aufwächst. Nicht sehr innovativ instrumentiert, aber doch immerhin mit solidem Pop-Verständnis ausgestattet, das bisweilen eine fast gefährliche Nähe zum Schlager aufweist, singt Erlend Bolmen über die Herbstfarben im Fjäll, den Zug der Rentiere und – tatsächlich – die Liebe eines Schneehunhs! Seine Aufnahmen haben sicher keinen bleibenden historischen Wert, aber sie leisten immerhin einen kleinen Beitrag zur Modernisierung der samischen Volksmusik. (lha)



Siehe auch:
Nils Aslak Valkeapää
Wimme Saari


Erlend Bolmen: Reindeer Rain

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Anders P. Bongo: Dolin
(2003, DAT DATCD-35 )

Anders P. Bongos zweite CD »DOLIN« tradiert den Joik-Gesang so, wie er eigentlich immer war: a-cappella, bei manchen der 50 Stücke unterstützt von Bonggu Antes Stimme. Kein Yoik länger als zwei Minuten, alle – wie sich das gehört – Personen, Landschaften oder Tieren gewidmet; im speziellen Falle von Bongo sogar oftmals Verstorbene thematisierend. »Days Of Yore – Classical Sami Yoik« lautet der Untertitel der CD und verweist ebenfalls auf den absolut traditionsbewussten Ansatz des Rentierzüchters und Sängers aus Kautokeino.

Zugegeben: Für untrainierte Ohren wirkt die CD in einem Rutsch gehört ermüdend und eintönig. Wer sich jedoch dafür interessiert, wo Joik-Erneuerer wie Wimme, Mari Boine oder Orbina eigentlich herkommen, sollte Anders zuhören. Was ich mich allerdings seither immer wieder frage: War die alte Madame Bongo, bei der ich im Laufe einer Wanderung nahe Kautokeino einmal gegen Bezahlung nächtigte und Rentierbraten aß, seine Frau? (lha)