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Lange Rezensionen 1 - 5 von 60 im Genre »Klassik« und Land »Dänemark« (insgesamt 60)

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Hans Abrahamsen:
Danish String Quartet: Thomas Adès / Per Nørgård / Hans Abrahamsen
(2016, ECM New Series 2453 )

Das junge Danish String Quartet hat sich über die letzten paar Jahre international einen Namen gemacht und eine Reihe hörenswerter CDs bei verschiedenen Labels veröffentlicht; darunter skandinavische Volksmusik und eine zweiteilige Kompletteinspielung der Quartette von Carl Nielsen (dacapo) sowie Klassiker von Brahms und Haydn. Nicht zu verwechseln ist das Ensemble mit dem Danish Quartet, das in den Neunzigerjahren unter anderem hervorragende Einspielungen von Gubaidulina und Hindemith bei cpo vorgelegt hat.

Für ihr ECM-Debüt, das im Mai 2015 mit Manfred Eicher in Neumarkt in der Oberpfalz eingespielt wurde, entschieden sie sich für ein spannendes Programm dreier zeitgenössischer Komponisten unterschiedlicher Generationen. Und allen dreien wurde nicht lange vor Veröffentlichung der CD besondere Aufmerksamkeit durch renommierte internationale Preise zuteil.

Die das Album bildenden Werke sind gewissermaßen, also dem Datum nach, nicht ganz so zeitgenössisch wie ihre jeweiligen Urheber. Was die drei indes verbindet, ist dass es sich um jeweils die erste Arbeit für Streichquartett des zum Entstehungszeitpunkt eines 20-jährigen Komponisten vor dem Durchbruch handelt. Das jüngste Werk – das erste auf der CD – stammt zugleich vom jüngsten Künstler: »Arcadiana« in acht Sätzen schrieb der 1971 in London geborene Thomas Adès im Jahr 1994. Er zählt zu den herausragenden Komponisten der britischen Inseln, nicht zuletzt seit sein Werk von Simon Rattle gefördert wurde, etwa beim Antrittskonzert bei den Berliner Philharmonikern im Jahr 2002. Adès wurde unlängst der dänische Léonie-Sonning-Musikpreis zugesprochen, was eine von mehreren Verbindungen mit den beiden dänischen Kollegen dieses Programms bildet. In den lesenswerten und erhellenden Liner Notes erläutert Paul Griffiths die Bezüge des Titels, wie Adès' Musik nationale Grenzen obsolet macht und mit welchen kompositorischen Stilmitteln er sich mit den beiden Dänen verbindet.

Von diesen überaus faszinierenden, aber keineswegs unmittelbar einnehmenden, an Schatten und Schattierungen, Verweisen und Verwandlungen reichen zwanzig Minuten geht der Weg zum 1932 geborenen Per Nørgård, der 2016 mit dem Ernst-von-Siemens-Musikpreis ausgezeichnet wurde (den Léonie-Sonning-Musikpreis erhielt er zwanzig Jahre zuvor, und den Musikpreis des Nordischen Rats bereits 1974). Sein kontrapunktisches »Quartetto Breve« (1952) besteht aus nur zwei Sätzen und erzählt alles in gerade mal sieben Minuten, was ein wenig an Schostakowitschs kürzeste (und heiterste) Werke des Genres denken lässt. Nørgård, der später einen Platz als einer großer Sinfoniker des Jahrhunderts einnehmen sollte, knüpft hier zarte Bande mit dem damaligen Modernismus, teils unter dem Einfluss seines damaligen Lehrers Vagn Holmboe, teils wahrscheinlich auch vom wenige Jahre zuvor verstorbenen Bartók fasziniert. Wer Nørgård heute vor allem für seine Großwerke kennt und schätzt, sollte unbedingt diesem eher unbekannten, feinen Jugendstück besondere Aufmerksamkeit schenken.

Ein Schüler Nørgårds war der 1952 in Kopenhagen geborene Hans Abrahamsen, der häufig zur »Neuen Einfachheit« gezählt wird, was sich in seinen schlicht und fast minimialistisch anmutenden »10 Preludes« aus dem Jahr 1973 widerspiegelt. Ihm wurde wurde 2016 der renommierte amerikanische Grawemeyer Award verliehen (den Adès bereits im Jahr 2000 erhielt), im besonderen für seinen Liedzyklus »let me tell you«, der auf Paul Griffiths' Novelle basiert und beim Online-Klassikmagazin Musicweb International zum Album des Jahres gekürt wurde. Auch hier, in dem kaleidoskopartig schillernden Streichquartett, lässt sich in zehn lebhaften Miniaturen die Neugier eines jungen Talents erleben, das in Skandinavien längst hoch geschätzt (siehe z.B. die ebenfalls 2016 veröffentlichte CD »AIR« von Frode Haltli), hierzulande jedoch noch zu wenig beachtet wird.

Im Meer der laufend den Markt schwemmenden Streichquartett-CDs besticht dieses kraftvoll dichte und mit einer Dreiviertelstunde erfrischend kompakte Album mit höchster Individualität und lädt leidenschaftlich ein, Horizonte zu erweitern, statt immer nur auf die üblichen und bekannten alten und neuen Klassiker zu bauen. Hoffentlich folgen noch weitere Einspielungen von solch konkurrenzlosem Format. (ijb)



Siehe auch:
Frode Haltli: Sørensen / Abrahamsen
Danish String Quartet: »Last Leaf«


Hans Abrahamsen: Danish String Quartet: Thomas Adès / Per Nørgård / Hans Abrahamsen

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Joachim Andersen:
Joachim Andersen: Works For Flute & Orchestra
(2004, Danacord DACOCD 604 )

Gestatten, Joachim Andersen! Ich war nicht nur Soloflötist und stellvertretender Dirigent der Berliner Philharmoniker, sondern seit 1898 auch Chefdirigent des Tivoli-Sinfonieorchesters. Als Komponist kennen mich alle Querflöten-Schüler wegen meiner 188 Etüden, mit denen sie seit hundert Jahren gemartet werden. Aber hier hören Sie den Effekt: Wie bei einem heiteren Sommer-Konzert im Tivoli muss das »Allegro Militaire« klingen – übrigens das einzige Orchesterstück für zwei Soloflöten. Federleichte Salonmusik wie »Deuxième Morceau de Concert«, die Ungarische Fantasie oder die beliebten »Variations Drolatiques«, die auf einer gotländischen Volksweise basieren.

Erst 95 Jahre nach meinem Tod wurden diese Stücke nun auf einer CD eingespielt, von meinem exzellenten Kollegen und Landsmann Thomas Jensen, der meine flinken Finger und die Atemtechnik geerbt zu haben scheint.
Ihr Andersen. (mls)

Joachim Andersen: Joachim Andersen: Works For Flute & Orchestra

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Frans Bak:
Frans Bak: Natsange
(2000, Stunt /Sundance STUCD 19917 )

Bei diesen Nachtgesängen schläft niemand so schnell ein! Frans Bak hat sich in der dänischen Musikszene viele Lorbeeren verdient, vor allem als Komponist von Filmmusik und als Arrangeur, natürlich ist er auch als Pianist und Keyboarder geschätzt. Mit »NATSANGE« versammelt er meist ruhige Stücke, die teilweise an Volkslieder erinnern, aber auch Raum für Improvisationen lassen.

Hauptgrund für die Faszination, die von dieser CD ausgeht, ist die Sängerin Josefine Cronholm, die mit ihrer Stimme Blech zu Gold verwandeln kann – was hier allerdings nicht nötig ist. Extra für sie wurden die Texte von Gerz Feigenberg ins Schwedische übersetzt; sie drehen sich um Leben, Tod und große Liebeserklärungen. Hans Ulrik (sax, cl) ist brilliant wie immer, ebenso die quirlige Percussionistin Marilyn Mazur, und auch Klavs Hovman (b) trägt zum Sound bei – mehr hingegen Frans Bak selbst, der neben Klavier und diversen Keyboards auch Harmonium spielt und so die Stimmung der Songs trägt. »Du«, gleich das erste Stück, startet sehr fein, »Kil-ma-nin-jae« kommt leicht afrikanisch angehaucht; auch »Elddans« und »Natten« erwärmen das Herz.

Empfohlenes Getränk: Glögg, im Winter zumindest. (tjk)



Siehe auch:
Josefine Cronholm
Marilyn Mazur

Hans Ulrik

Klavs Hovman, Marilyn Mazur & Makiko Hirabayashi


Frans Bak: Frans Bak: Natsange

Offizielle Website

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Axel Borup-Jørgensen:
Axel Borup-Jørgensen: Organ Music
( SACD, 2016, Our Recordings /Naxos 6.220617 )

Wie schon bei der kurz zuvor veröffentlichten »PIANO MUSIC« konnten OUR Recordings auch für die Kollektion von Borup-Jørgensens Orgelmusik einen mit dem Komponisten seit vielen Jahrzehnten persönlichen vertrauten Musiker für die Aufnahmen gewinnen. Jens E. Christensen schreibt in seinen Liner Notes mit dem Titel »Ziemlich außergewöhnlich – als Komponist und als Mensch« darüber, wie sich der ausgebildete Pianist Axel Borup-Jørgensen in den 1970ern aktiv mit der Orgel auseinandergesetzt hat, und nachdem er, Christensen, als junger Organist mit einem von »Axel's favourites«, György Ligetis »Volumina« aufgetreten war, die gemeinsame Beschäftigung mit dem Instrument pflegte.

Ziemlich außergewöhnlich sind auch die neun Werke, aus denen das mit 75 Minuten Laufzeit üppig ausgestattete Programm aufwartet: Stücke in verschiedener Besetzung aus den Jahren 1961 bis 2009 sind hier zu finden. Was keineswegs heißen soll, dass Borup-Jørgensens Orgelwerk schwer zugänglich oder ob seiner Instrumentenwahl nur für Spezialisten zu genießen wäre. Es ist wahrlich eine Entdeckung. Das erste, kaum mehr als anderthalb Minuten lange »Portal« für Perkussion und Orgel des damals 85-jährigen Komponisten legt eine hervorragende Startmarke hin, auf die das letzte (und mit über 15 Minuten längste) Stück, »winter music« (1986/87) für die gleiche Besetzung dann direkten Bezug nimmt. Im Zusammenspiel mit dem Schlagzeuger Mathias Reumert entsteht aus dieser selten zu erlebenden Kombination eine klanglich spannende und komplexe Nordische Musik, die hochgradig faszinierend bewegt, die abwechslungsreiche »Dunkelheit und Gewalt des [nordischen] Winters« aufgreifend, wie in den Erläuterungen nachzulesen ist.

Auch die anderen Solo- und Duowerke, im Zusammenspiel mit Cembalo oder mit verschiedenen Sänger/innen und einem zweiten Organisten, bieten musikalische Zwiegespräche, wie man sie bislang so wahrscheinlich noch nie gehört hat. Die reinen Orgelwerke dürften gerade auch Liebhaber von neuen Tendenzen im Genrebereich »Drone« und »Dark Ambient« begeistern; wer etwa Lasse Marhaugs und Nils Henrik Asheims Kollaboration »GRAND MUTATION« mochte. Wie das ausführliche und bereichernde Beiheft erläutert, lassen sich gerade auch die Lieder nach Rilke, Nietzsche und Karlfeldt hervorragend genießen, wenn man sonst wenig Affinität zum zeitgenössischen Kunstlied hat. Jedes Werk dieser Zeit eröffnet einen eigenen, hörenswerten Blick auf den Kosmos Borup-Jørgensens und der Orgelmusik im 20. Jahrhundert. Exzellente, superb interpretierte CD. (ijb)



Siehe auch:
Lasse Marhaug & Nils Henrik Asheim

Axel Borup-Jørgensen: Axel Borup-Jørgensen: Organ Music

Offizielle Website

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Axel Borup-Jørgensen:
Axel Borup-Jørgensen: Piano Music
( SACD, 2016, Our Recordings /Naxos 6.220616 )

Vier Alben wurden dem Komponisten bereits bei DaCapo, dem dänischen Klassiklabel schlechthin, gewidmet, zwei Mitte der Neunziger und zwei weitere erst 2014/15. Erst jetzt, nach seinem Tod im Oktober 2012, wird Axel Borup-Jørgensen langsam auch außerhalb Dänemarks ein wenig bekannter. Das Kleinlabel OUR Recordings befasst sich nun mit einer neuen CD-Serie mit seinem Œuvre.

Der Pianist Erik Kaltoft gehört mit seinem Geburtsjahr 1943 ebenfalls schon einer älteren Generation an. Über fast 45 Jahre pflegte er eine Freundschaft und Zusammenarbeit mit dem 1924 geborenen Borup-Jørgensen. Mehr als 200 zeitgenössische Klavierwerke soll er uraufgeführt haben, darunter von Schülern Borup-Jørgensens wie dem gleichermaßen jüngst weit bekannter gewordenen Per Nørgård. Entsprechend darf Kaltofts Aufnahme des – insgesamt eher wenig umfangreichen und wenig dramatischen – Klavierschaffens unumwunden als Referenzeinspielung verbucht werden; er erweckt das breit gefächerte, mehr als einstündige Programm präzise zum Leben.

Axel Borup-Jørgensen lebte unweit von Kopenhagen recht zurückgezogen als Komponist und Klavierlehrer, trat nie einen Posten in der Öffentlichkeit oder eine Karriere als Interpret an. So konnte er seinen sehr eigenen künstlerischen Stil pflegen. Dieser lässt ihn als akribischen Modernisten, mit konzentrierter Klarheit und subtilem, intuitiv und impressionistisch scheinendem Ausdruck erscheinen. Die Auswahl seiner »PIANO MUSIC« auf dieser CD umspannt knapp fünfzig Jahre, von 1948 bis 1994, doch in den Händen des Interpreten fügt sich alles zu einer schlüssigen eigenen Geschichte, denn glücklicherweise wurden die zehn Werke nicht chronologisch angeordnet. Die Kompositionen sind nicht unmittelbar einnehmend mit ihrem auf den ersten Blick unterkühlten Charakter, doch ist spannend zu erleben, wie jedes Werk dazu geführt wird, dass es sich mit seinen Eigenheiten entfalten kann und so letztlich sehr viel über die Persönlichkeit Borup-Jørgensens, der sich mit dem Instrument zeitlebens tiefgreifend auseinandergesetzt hat, zu erzählen vermag. Hier lassen sich für Pianisten, die nach wenig Gehörtem in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts Ausschau halten, einige Entdeckungen machen, und Erik Kaltoft bietet sie vorzüglich dar. (ijb)



Siehe auch:
Per Nørgård

Axel Borup-Jørgensen: Axel Borup-Jørgensen: Piano Music

Video-Link Offizielle Website

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Lange Rezensionen 1 - 5 von 60 im Genre »Klassik« und Land »Dänemark« (insgesamt 60)

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