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Lange Rezensionen 1 - 10 von 35 im Genre »Klassik« und Land »Island« (insgesamt 35)

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Ólafur Arnalds & Alice Sara Ott:
The Chopin Project
(2015, Mercury /Universal )

Auf Pianosuche in Reykjavík: Der isländische Neoklassik-Grenzgänger Ólafur Arnalds und die deutsch-japanische Pianistin Alice Sara Ott wollen auf ihrem gemeinsamen »CHOPIN PROJECT« gerade nicht den hochkulturigen, perfekten Wohlklang erzeugen, sondern den polnischen Komponisten in einen ungewohnten Kontext stellen. So finden die beiden musikalischen Kollaborateure schließlich Instrumtente mit Charakter: Alte, ungewöhnliche Klaviere, deren Saiten zum Teil noch mit Filz umwickelt werden, um einen Klang zarter Entfremdung zu erzeugen. Chopin nicht makellos auf dem teuren Bechstein-Flügel, sondern Chopin in der Kneipe, auf einem leicht verstimmten Instrument. Chopin, mit leisen elektronischen Störgeräuschen kontrastiert und mit von gefühligen Synthies eingerahmt. Geht das? Und wie!

Denn Arnalds und Ott holen Chopin von seinem hohen Sockel herunter, auf den die etablierte Klassikszene den sensiblen Musiker gestellt hat. So klingen das »Regentropfen-Prélude« oder der langsame Walzer des »Nocturne« hier vertraut und trotzdem anders. Vergangenheit und Gegenwart berühren sich hier dann, wenn Arnalds die Chopin´schen Klänge mit seinen eigenen, eigenwilligen neoklassischen Gefühlswelten kontrastiert. Der junge Isländer hat eigens für das Projekt Intermezzi für Streicherquintett, Klavier und Synthesizer komponiert, die in ihrer tastenden Sensibilität dem Chopin´schen Geist doch sehr nahe stehen. Einen charmant unvollkommenen Sound wollen Arnalds und Ott entwickeln: Und wenn hier vernehmbares Quietschen, Atemgeräusche oder Papierrascheln zu hören sind, dann bringt uns das nur zum aufmerksameren Lauschen. (emv)



Siehe auch:
Ólafur Arnalds
Ólafur Arnalds & Nils Frahm


Ólafur Arnalds: The Chopin Project

Offizielle Website

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Duo Harpverk:
The Greenhouse Sessions
(2012, /Bandcamp / iTunes Eigenverlag&Download )

Als Mitglieder des Iceland Symphony Orchestra verspürten Harfenistin Katie Buckley und Schlagwerker Frank Aarnink das Bedürfnis, in einem intimen Rahmen zu musizieren und gezielt für ihre beiden Instrumente Aufträge an bestimmte, vorwiegend isländische, Komponisten zu vergeben. So war mit Beginn des Jahres 2007 das Duo Harpverk geboren, und gleich als erstes Auftragswerk schuf Óliver Kentish im Januar jenen Jahres das großartig intime, fein ausgefeilte und mysteriöse »Leyndir Dansar« (»Hidden Dances«), eine Art Kreuzung aus Nocturne und Poesie.

Auch alle weiteren hier vertretenen Stücke gehen in solch fragile, schattenreiche Richtung, genannt seien Jenny Hettnes »verformte Schlaflieder« oder Úlfar Ingi Haraldssons »Schatten und Silhouetten«. So fragmentarisch, dass man beim nicht voll aufmerksamen Hören kaum mitbekommt, was man gehört hat, sind Anna S. Þorvaldsdóttirs vier »Particles«. Trotz der Vielzahl und Vielseitigkeit der hierfür aufgenommenen Komponisten erscheint die CD »THE GREENHOUSE SESSIONS« aus einem Guss, ergeben die Werke ein reichhaltiges, in seiner verhaltenen Stimmung gleichwohl eindringliches Gesamtbild. Und doch bietet die Zusammenstellung allenfalls einen kleinen, aber ungemein starken und faszinierenden Eindruck in das Schaffen des Duo Harpverk, aufgenommen während der Jahre 2009 bis 2012. (ijb)



Siehe auch:
Anna S. Þorvaldsdóttir
Valgeir Sigurðsson

Daníel Bjarnason


 Duo Harpverk: The Greenhouse Sessions

Offizielle Website

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Ensemble Adapter:
Sarah Nemtsov: A Long Way Away. Passagen
(2012, Wergo /Note1 WER 6582 2 )

Adapter ist ein junges und tatkräfties Ensemble für Neue Musik, dessen Kern ein zu drei Vierteln isländisches Quartett bildet: Gunnhildur Einarsdóttir (Harfe), Kristjana Helgadóttir (Flöte), Ingólfur Vilhjálmsson (Klarinette) und Matthias Engler (Schlagzeug). Je nach Werk und Konzert erweitern die vier ihre Gruppe entsprechend zu Besetzungen mit bis zu 10 Spielern. Die Wahl der Instrumente deutet es schon stark an: Leichtverdauliche und klassische Musik dürfen Sie hier nicht erwarten. Adapter ergänzt den Kreis ihrer Aktivitäten zudem über Uraufführungen und CD-Einspielungen zeitgenössischer Werke bis hin zu internationalen Workshops, gattungsübergreifenden Projekten und Koproduktionen und engagiert sich so intensiv in der Gegenwartsmusik.

Mit Komponistin Sarah Nemtsov pflegt das Ensemble bereits eine längere Beziehung, und so kam der Wunsch auf, endlich mal einen ganzen Abend zusammen zu bestreiten. Für alle Beteiligten war es daher ein großes Glück, dass Wergo und der Deutsche Musikrat dieses einstündige Werk, »A LONG WAY AWAY. PASSAGEN«, direkt in ihrer viel gerühmten Reihe mit Werken junger Komponisten veröffentlichte. Fast jede/r dort präsentierte Komponist/in kann ohne große Vorbehalte als Entdeckung verbucht werden - und der gewünschte Effekte stellt sich zuverlässig ein: Man möchte sofort mehr hören und erfahren.

Nun bleibt bei dieser CD einzuschränken, dass der »Inszenierte Zyklus für Ensemble«, über den Nemtsov in ambitionierten, aber auch etwas unspezifischen und banalisierenden Worten verkündet: »jede Note ist sehr, sehr persönlich für mich", ohne die visuell-szenische Seite, von der man im Promo-Video einen kleinen Eindruck bekommen kann, nicht recht in die Gänge kommt. Sicher, es soll nicht ungerecht verallgemeinert werden, und bestimmt gibt es Liebhaber, die diese komplexen Geflechte gut zu durchdringen vermögen, doch der Einstieg in Nemtsovs durchaus entdeckungswürdiges Schaffen wird einem durch diesen einstündigen Zyklus mehr erschwert als erleichtert.

Was schade ist, denn ihr Ziel, einige Spannung zwischen dem, was wir erinnern und was wir vergessen, auszuloten, hat für die 1980 geborene Komponistin eine existenzielle Bedeutung; sie verweist explizit auf ihre jüdische Herkunft. Dabei bezieht sie sich auf Texte und andere Referenzen, gestaltet zudem mit viel Geräuschmaterial in ihrer Musik. Unmittelbarer, ohne anbiedernder zu sein, überzeugt, auch auf CD, ihr 2011 in Donaueschingen uraufgeführtes »Hoqueti« für 6 Solo-Stimmen. (ijb)

 Ensemble Adapter: Sarah Nemtsov: A Long Way Away. Passagen

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

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Davíð Brynjar Franzson:
Davíð Brynjar Franzson: The Negotiation of Context
(2014, Wergo /Note1 WER 7313 2 )

Diplom in Reyjavík, Master in Stanford, dann auch noch einen Doktortitel unter Brian Ferneyhough, Auftragswerke fürs Arditti Quartet, die Internationalen Ferienkurse Darmstadt und das Ensemble Adapter... der 1978 geborene Isländer Davíð Brynjar Franzson lebt mittlerweile in New York — und startet durch auf dem internationalen Parkett der kompositorischen Avantgarde. Nun auch auf dem Qualitätslabel Wergo, das seiner sperrigen Trilogie »The Negotiation of Context« (2009-2011) eine eigene CD widmet. Das New Yorker Quartett Yarn|Wire hat sich der Erweiterung des Repertoires für Percussion und Piano verschrieben und soll für »fesselnde Virtuosität« und »rastlos eigentümliche Programmgestaltung« (TimeOut NY) bekannt sein. Vor allem letzteres kann man anhand dieser zweifellos eigentümlichen kleinen Werkreihe wunderbar überprüfen.

Inwieweit Franzsons Musik noch Verbindungen zu Island pflegt, darf —wertfrei— in Frage gestellt werden. An Sigur Rós oder Amiina scheint sich der Komponist jedenfalls nicht zu orientieren. Eher schon an Herlmut Lachenmann. Gleichwohl frappiert eine gewisse schwebende Atmosphäre, die man landläufig mit isländischer Klangmalerei assoziiert; nur dass Franzson diesen Eindruck durch nahezu ausschließlich perkussive Elemente erzielt, wenngleich er dazu nahezu keine im Schlaginstrumente im gewohnten Sinn einsetzt. Zum größten Teil übernehmen die Flügel diese Rolle. Die Geräusche wandern anfangs, im kontrastreichen ersten Teil, zwischen Piano und Harmonium hin und her, im zweiten Teil dann entsteht trotz Ausweitung der Besetzung auf zwei Pianos und zwei Basstrommeln ein karges, impressionistisches, oft rohes, sogar grobes Aktionsquartett, fast befreit von assoziativen Qualitäten jenseits der Instrumente. Im dritten Teil schließlich müssen zwei Musiker einen Flügel bedienen, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.

Eine bizarre Faszination geht von Franzsons radikaler, blutleerer Tonsprache aus. Grundsätzlich jedoch ist »The Negotiation of Context«, wie der Titel bereits andeutet, eine recht intellektuelle Angelegenheit, und in dieser spröden, aufgesplitterten Klanginstallation kommt jedem Einzelton eine riesige Bedeutung zu, die man als Zuhörer erst einmal »füllen« bzw. finden muss. (ijb)



Siehe auch:
Ensemble Adapter
Kallio Slaaki

Sigur Rós

Amiina


Davíð Brynjar Franzson: Davíð Brynjar Franzson: The Negotiation of Context

Audio-Link Offizielle Website

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Hildur Guðnadóttir:
Hildur Guðnadóttir: Leyfðu Ljósinu
(2012, Touch TO:90 / TO:90USB )

Kann die Meinung von einem, der schon die bisherigen (Solo-)Alben von Hildur Guðnadóttir als zu simpel und überschätzt beurteilt, wohl rechtes Gewicht haben, wenn es nun um ihr neues, noch viel einfacher angelegtes Werk geht? Dieses schlägt, das ist schon mal positiv, einen neuen Weg ein, und die Überraschung kommt gleich zu Beginn: Guðnadóttir hat György Ligetis irrlichterndes »Lux Aeterna« neu aufgenommen, als Interpretation mit Cello und Drones. (Für die Nicht-Spezialisten sei erläutert: »Lux Aeterna« erlangte große popularkulturelle Berühmtheit in der Szene in Stanley Kubricks »2001«, wenn der Moon Bus geräuschlos dahinschwebt.) Und in der Tat: »LEYFÐU LJÓSINU« heißt übersetzt so viel wie »Lass das Licht zu«; der Bezug zu Ligeti kommt also nicht von ungefähr.

Die mittlerweile Dreißigjährige wagt weitere Schritte ins »ernste neoklassische Fach«. In dieser Hinsicht schreibt ihr neues Album, das nicht nur als Stereo-CD, sondern auch als Multikanal-Version auf einem 2GB-USB-Stick in von der Künstlerin handgefertigem Papiercover erhältlich ist, das Duo mit Hauschka fort. Doch »LEYFÐU LJÓSINU« ist sperriger, ein vierzigminütiges Avantgarde-Stück für Cello, Stimme und Elektronik, das Guðnadóttir im Januar 2012 im Music Research Centre der Universität New York aufgenommen hat; allein und ohne Overdubs, muss betont werden. In ihrem Minimalismus und der Melodieführung näher an Ambient als an »Neoklassik«, erinnert das Werk an Akustik&Drone-Musik von Nico Muhly oder Machinefabriek mit Aaron Martin. Oder aber an den ebenfalls eher dronig ambienten Impro-Minimalismus des Trios »Microtub«.

Hildur Guðnadóttir will es offenbar niemandem recht machen, sondern Music Research betreiben. Wem soll man »LEYFÐU LJÓSINU« also empfehlen? Sicher weniger jenen, die bei »MOUNT A«, »WITHOUT SINKING« oder bei Wohlfühlambient leuchtende Augen bekommen, als Freunden anspruchsvoller Grenzgänge. (ijb)



Siehe auch:
Angel
Hildur Guðnadóttir & Hauschka

Jana Winderen


Hildur Guðnadóttir: Hildur Guðnadóttir: Leyfðu Ljósinu

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Hildur Guðnadóttir:
Hildur Guðnadóttir: Without Sinking
(2010, Touch /Morr Music / Anost TO:70CD )

Man muss nur zum Beispiel das frühe Album »MOUNT A« gehört haben und ein bisschen über Hildur Ingveldardóttir Guðnadóttir lesen – dann wird klar, dass auch »WITHOUT SINKING« wohl kein lichtdurchflutetes Sommeralbum sein wird. Mit Jóhann Jóhansson hat die Cellistin schon zusammengearbeitet – mit dessen ganz ähnlichem Faible für melancholisch wuchernde Streichersymphonik. Oder mit Throbbing Gristle, den britischen Industrial-Veteranen – daher der Wille zur Avantgarde. Eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis »Fountain«-Regisseur Darren Aronofsky für den nächsten tiefschwarzen Soundtrack das Kronos-Quartett gegen Hildur tauscht.

Denn »WITHOUT SINKING« ist, im Vergleich zu »MOUNT A«, noch fokussierter, noch präziser dunkel getüncht – gleichzeitig sind die Trennlinien zwischen den Dunkel-Stufen noch schärfer gezogen. Über rauen Flächen im Bassregister schichtet die Musikerin schluchzende Melodien und manisch pochende Pulse – harmonisch ausgesucht, blitzsauber intoniert und mit einem untrüglichen Gefühl für Dramaturgie und Timing. Konnte man in »MOUNT A« noch grübelnd abtauchen, so muss man hier zuhören und sich sehenden Auges runterziehen lassen. Sicherlich kein Album für laue Sommernächte, wie gesagt, und zu häufiges Hören wäre für die seelische Balance sicher auch nicht ratsam. Aber solche dunklen Alben-Perlen warten geduldig im CD-Regal – irgendwann braucht man sie. (sep)



Siehe auch:
Jóhann Jóhannsson
Nordic Affect


Hildur Guðnadóttir: Hildur Guðnadóttir: Without Sinking

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Hafliði Hallgrímsson:
Truls Mørk plays Hallgrímsson – Cello Concerto · Herma
(2010, Ondine /Naxos 1133-2 )

Hallgrímsson begann selbst als Cellist, und so geht man sicher nicht zu weit, wenn man seine beiden Cellokonzerte (auch) autobiografisch liest. Die lebenslange Kenntnis des Instruments ist in diesen Werken exzellent herauszuhören. In den dreißig Minuten des Truls Mørk gewidmeten und 2003 beim Ultima Festival in Oslo uraufgeführten Cellokonzerts schöpft der Komponist effektvoll den gesamten Orchesterkörper aus, während er, angeregt von Griegs »Berceuse«, ein Wiegenlied in sinfonischer Form schrieb. Eine surreale Qualität, vom Melancholischen ins Düstere wandelnd, reich an komplexen Stimmungen und sensiblen Schattierungen, immer wieder alptraumhaft und beruhigend im Wechsel. Schlagzeug und Percussion sind ein wesentliches Element in diesem grandios detailreichen Klangrausch.

»Herma« dagegen, eine knappe halbe Stunde lang und 1994/95 entstanden, ist ruhiger, introspektiver, das Cello viel mehr in den Vordergrund gestellt als im verschlungenen Dialog zwischen Solist und Orchester des neuen Werks. Cello und Ensemble bleiben vorwiegend im lyrischen Tonfall. In beiden Fällen handelt es sich um erstklassige Referenzeinspielungen mit Musikern in Bestform und um wertvolle Beiträge zur zeitgenössichen Celloliteratur, die man sehr gerne häufiger auf den Spielplänen der Konzerthäuser wiederfinden dürfte. (ijb)



Siehe auch:
John Storgårds, Lapland-Kammerorchester: Nordgren u.a.
Storgårds dirigiert Nørgård

Storgårds & Avanti!: Hämeenniemi


Hafliði Hallgrímsson: Truls Mørk plays Hallgrímsson – Cello Concerto · Herma

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Guðrún Ingimars:
Norðúrljus - Lieder aus dem Norden
(2008, Eigenverlag ITM 911 )

»Lieder aus dem Norden«, das sagt eigentlich in schlichter Weise alles über dieses Album der isländischen Sopranistin Guðrún Ingimars. In 22 Tracks singt sie sich durch alle skandinavischen Länder - mit einem Schwerpunkt auf Island, versteht sich. Das könnte man abhaken, allzu oft schon dagewesen. Wären da nicht die Stimme und die Arrangements, die aufhorchen lassen.

Zwar hat Guðrún Ingimars eine klassische Ausbildung, die sie quer durch Europa und auch nach Deutschland führte. Trotzdem ist ihre Stimme nicht verbildet wie bei vielen Bühnen-Diven. Der schlanke, glatte, aber doch so ungeheuer energiereiche Klang nordischer Naturstimmen schimmert immer wieder durch, besonders, wenn sie in ihrer Muttersprache singt, und noch mehr bei Volksliedern wie dem schwermütigen »Sofðu unga Ástin mín«. Doch auch dem klassischen, oft durchgenudelten Repertoire wie zwei Solveig-Nummern aus Edvard Griegs »Peer Gynt« vermag sie interessante, erfrischende Tönungen zu geben.

Zweitens die Arrangements. Schon die ersten Töne des Albums machen stutzig – hier klingt zwar der klassische Konzertflügel, aber auch eine Solo-Querflöte. Mal lässt sich Guðrún Ingimars nur von einem betrübt-rauchigen Cello begleiten, mal von einer Gitarre. Und auch das ist ein erfreulich ungewohnter Musik-Zugang, den sich viele andere Opern-Soprane durch interpretatorische Fantasielosigkeit verbauen. Ein schönes Album ist so entstanden – kein Meilenstein, aber eine Wegmarke. Und das ist schon nicht wenig. (sep)

Guðrún Ingimars: Norðúrljus - Lieder aus dem Norden

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Ísafold Kammersveit (Chamber Orchestra):
all sounds to silence come
( SACD, 2008, 12 Tonar 12tk003 )

Die Musiker des hinreißenden Ísafold Kammerorchesters haben sich neben der Arbeit im Ensemble größtenteils auch als Solisten oder zumindest in anderen kleineren Gruppen ein Renommee erspielt. Ihr zweites gemeinsames Album (und das bislang wohl letzte) macht es dem Publikum nur unwesentlich leichter als das Debüt. Während die Auswahl der Komponisten diesmal einen Schwerpunkt auf Russland bzw. den sowjetischen Staatenbund im weiteren Sinne (Schnittke, Denisov, Pärt, Smirnov, Strawinsky) legt, entschieden sich Ísafold (wie sie sich hier auf dem Cover nennen) vorwiegend für eher kürzere Werke. Dazu gibt es einen Höhepunkt ausgerechnet mit einem gerade mal vier Minuten kurzen Stück eines deutschen Komponisten: Wolfgang Rihms »Cantus firmus - in memoriam Luigi Nono« aus dem Jahre 1990 wird eingerahmt von Schnittkes angemessen sperrigem »Canon in memoriam Igor Stravinsky« (1971) und Edison Denisovs »Epitaph« (1983), ebenfalls ein »in memoriam«, hier zum zehnten Jahrestag des Mords an dem chilenischen Präsidenten Allende.

Ein weiteres Werk, das Zeit thematisiert, Arvo Pärts »Fratres« aus dem Jahre 1977, ist von allen hier vertretenen Stücken sicherlich das allseits bekannteste und dürfte am ehesten als Attraktionspunkt der CD fungieren. Die Interpretation ist ein wenig verhuscht und vielleicht zu romantisch, schenkt dem bis dahin düsteren Programm allerdings eine schöne beruhigende Note. Die Stimmung bleibt getragen, wird indes wieder ein wenig spröder mit Denisovs Schüler Dimitri Smirnov und dessen geisterhafter »Elegy in memory of Edison Denisov« (1997), bevor Ísafold-Mitgründer und -Leiter Daníel Bjarnason seine eigene, der CD den Titel gebende Komposition »all sounds to silence come« dirigiert, welche rund ein Drittel der Gesamtspielzeit füllt und sichtlich als Kulminationspunkt anlgelegt ist. Bjarnason pflegt hier seinen etwas epigonalen postmodernen Stil, und so gelingt es dieser an sich recht interessanten Arbeit nicht wirklich, aus dem großen Schatten der Russen (und Wolfgang Rihms) zu treten. Weitaus stärker wurde Bjarnasons Œuvre mit seinem etwa später ebenfalls mit dem Ísafold Kammerorchester entstandenen Porträtalbum »Processions«.

Das Ensemble ist hervorragend und ihre beiden ambitionierten CDs auch nach Jahren noch eine (Wieder-)Entdeckung wert. (ijb)

 Ísafold Kammersveit (Chamber Orchestra): all sounds to silence come

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Ísafold Kammersveit (Chamber Orchestra):
Sørensen, Takemitsu, Schönberg, Tómasson
( SACD, 2006, 12 Tonar 12tk002 )

Keine Überraschung, dass das junge isländische Kammerorchester für seine erste CD eine alles andere als gewöhnliche Auswahl getroffen hat, als deren verbindendes Element sich etwas getrübte, zwielichtige Stimmungsbilder, teils mit Naturbezug, ausmachen lässt. Die beiden skandinavischen Komponisten, Bent Sørensen aus Dänemark und Haukur Tómasson aus Island, sind jeweils bereits Träger des Musikpreises des Nordischen Rates (Nordic Council Music Prize). Wenn Sørensens »Weeping White Room«, das hier seine Ersteinspielung erlebt wie nahtlos in »Tree line« des berühmten, früh verstorbenen Japaners Toru Takemitsu gleitet, lässt sich das kulturverbindende Moment von (auch) zeitgenössischer Musik unmittelbar erfahren.

Diese raffinierte Verbindung der beiden je rund zehnminütigen Kompositionen setzt sich dann sogar im rätselhaft dahinschwebenden von Schönbergs »sechs kleinen Klavierstücken« fort, obgleich diese aus dem Jahre 1911 rühren. Bernhard Wulffs Kammermusik-Arrangement dieser sechs Vignetten findet hier ebenfalls seine Ersteinspielung. Schrittweise wird das Programm so aus dem Ungreifbaren und Abstrakten über japanisch-exotische Naturmystik und dann zum mit heutigen Ohren fast konventionellen Ursprung der Modernen Musik geführt. Den Abschluss bildet dann das rund 25-minütige »Par« (»Paar«) schrieb Tómasson auf Anfrage des Ensembles. Es besteht aus den beiden Sätzen »Ort« und »Reise« und scheint wiederum inspiriert von isländischen Landschaften. Ein wahrlich anspruchsvolles Werk, schon allein für die Interpreten, doch bedauerlicherweise nicht ganz so schillernd und faszinierend wie die vorigen drei. (ijb)



Siehe auch:
Elfa Rún Kristinsdottír
Daníel Bjarnason

Anna Thorvaldsdóttir

Bent Sørsensen Chorwerke


 Ísafold Kammersveit (Chamber Orchestra): Sørensen, Takemitsu, Schönberg, Tómasson

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Lange Rezensionen 1 - 10 von 35 im Genre »Klassik« und Land »Island« (insgesamt 35)

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