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Lange Rezensionen 11 - 20 von 297 im Genre »Rock« und Land »Finnland« (insgesamt 587)

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Anssi 8000: Kyklops Vs. Svesse
( 2 CDs, 2007, Bone Voyage BONE-0092 )

Reduzieren auf das Wesentliche: Eine dreiseitige Gitarre, zwei mit den Füßen gespielte Drums und eine Stimme, die so klingt, als sei Kurt Cobain im westfinnischen Sahalahti als Reinkarnation wieder aufgetaucht. Anssi Kasitonni aka Anssi 8000 ist ein Ein-Mann-Orchester, das er den Rock'n'Roll in all seiner Rauheit in einer aberwitzigen Einzelkämpferaktion retten will. In all seiner Wut, seiner unbedingten Direktheit, in Schweiß, Verzweiflung und schmerzhaften Empfindsamkeit. Zeit für Schnörkel gibt es auf dem Doppelalbum »KYKLOPS VS. SVESSE« keine. Das ist nicht immer schön, aber unbedingt notwendig und so intensiv, dass man beim Hören unwillkürlich schneller atmet.

Die Unterstützung von Miss Hot Coke, die ab und zu Backup singt und ansatzweise einen Hauch Electronics hereinbringt, ist nur ein kurzes Aufflackern. Der nächste Drei-Minuten-Song drängelt schon vor der Tür, mit der Traurigkeit des Blues und der aggressiven Energie des Rock und mit einer selbstbewussten Kampfansage an all das, was man uns heutzutage als »Normalität« verkaufen will. Puuuh. Atemholen können wir später. (emv)

 Anssi 8000: Kyklops Vs. Svesse

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Apples Of Idun: While The Night Is A Shade
(2011, Eigenverlag)

Mythologisch verbrämte Männerphantasien im schick verdüsterten Industrial-Stil: Apples Of Idun inzenieren sich auf ihrer EP »WHILE THE NIGHT IS A SHADE« als martialische Dunkelmänner zwischen Dämmerung und Alptraum. Unter massivem Synthieeinsatz versucht sich das Quintett an der Inszenierung einer gewalttätigen Form der schwarzen Romantik unter gelegentlichem Screamo-Einsatz. Hier muss der Trockennebel einfach wabern und werden überlebensgroße Gefühle kreiert. Im Track »On And On And On And On« geh es eigentlich nur darum, bedeutungsbeladene Spannungsbögen zu erzeugen, die in orgiastischem Geschrei enden. Uff!

Iðunn ist in der nordischen Mythologie übrigens die Göttin der Jugend und Fruchtbarkeit, die nie ohne Äpfel daherkommt. Ahaa! Aber bei den wilden Heiden wollen sich Apples Of Idun aber partout nicht verorten lassen und streben mit »The Falling Man« entschieden zurück zum Dancefloor. Wobei sich Trent Reznor von Nine Inch Nails keine Sorgen machen muss, dass sein Thron als Prinz der Düsternis wackeln könnte. Nein, bei aller gewalttätigen Inszenierung wollen die Finnen doch nur gefallen und brav den Massengeschmack treffen. (emv)

 Apples Of Idun: While The Night Is A Shade

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Apulanta: Hiekka
(2002, Levy Yhtiö LY 099 )

Apulanta gewöhnen sich an ihre Auszeichnungen: Fast schon selbstverständlich ging »HIEKKA« (Sand) auf Platz eins der finnischen Charts, die Band heimste dafür Gold und Platin ein – bis jetzt. Die nach einem Düngemittel(!) benannte Combo ist mit ihren spektakulären Bühnenshows eine der beliebtesten Bands in ihrer Heimat. Ihre Musik geistert zwischen rührenden Balladen, Grunge und Metal umher, sporadisch mit einem Schuss Industrial versehen.

Treibende Rhythmen mit leichtem Elektro-Anflug kennzeichnen den gold-dekorierten Titelsong, balladesk-nachdenklich widerhallt »Onttosydän« (etwa: leeres Herz), »Hippo« oder »Saasta« (Schmutz) siedeln zwischen Rock und Metal. Bassist Tuukka, Schlagzeuger Sipe sowie Sänger und Gitarrist Toni gehören zum Urgestein der finnischen Rockszene. Obwohl sie – bis auf ein englisches Album – finnisch singen, stammen ihre Fans sogar aus Deutschland, Frankreich, Slowenien oder Ungarn: Die Sprache ist kein Hindernis, nur die Verfügbarkeit der Alben... (nat)



Mehr CDs von Apulanta



Siehe auch:
Ismo Alanko

 Apulanta: Hiekka

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Atom Notes: Spare Parts
(2011, Combat Rock Industry /Flight 13 )

Hauptsache abgefeiert, das T-Shirt durchgeschwitzt und gehörig revoluzzigen Spaßpunk in den heruntergewirtschafteten Rockerclub am falschen Ende der Stadt gebracht! Die guten alten Werte Rotzigkeit und Stinkefinger-Zeigen hochhalten, auch wenn wir damit die Welt nicht mehr aus den Angeln heben. Atom Notes lassen es sich auf ihrem Debüt »SPARE PARTS« nicht nehmen, mitunter ironisch über sich selbst zu grinsen. Die fünf Veteranen, die in der Tampere-Szene mit Kapellen wie Endstand und Manifesto Jukebox reichlich Street Credibility gesammelt haben, wollen es hier auf ihre leicht älteren Tage nochmal wissen.

Der völlig reinen Punkrock-Lehre haben die Fünf längst abgeschworen und wecheln mit Gusto hinüber in benachbarte musikalische Territorien wie den dreckigen Rock´n´Roll, das croonige Two-Tone-Universum mit dem Borsalino-Hütchen und nicht zuletzt: die trashige Tex-Mex-Extravaganza, die im rein instrumental eingespielten »Money Well Spent« so übercool daherkommt, dass selbst Quentin Tarrantino seine Freude daran hätte. Gesellschaftsfähig werden Atom Notes in diesem Leben nicht mehr. Und das ist gut so. (emv)



Siehe auch:
Endstand
Manifesto Jukebox


 Atom Notes: Spare Parts

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Auri: Auri
(2018, Nuclear Blast)

Falls die wundervolle Fantasy-Buchreihe »Die Königsmörder-Trilogie« von Patrick Rothfuss jemals verfilmt werden sollte, kann man sich keinen anderen Soundtrack vorstellen als »AURI«. Auri ist eine feengleiche Figur aus der Romanserie. Hinter dem musikalischen Projekt Auri verbirgt sich kein Geringerer als Tuomas Holopainen, der künstlerische Kopf der finnischen Symphonic-Metal-Band Nightwish. Holopainen nutzt eine selbstgewählte Schaffenspause seines Hauptprojektes, um ein ganz neues Genre aus der Taufe zu heben: Himmlischen Metal! Martialische Gitarrensoli gibt es nicht zu hören, sondern eine überzeugende Mischung aus keltischem Folk, gehobener Filmmusik und schwärmerischer Romantik. Bei der Wahl seiner musikalischen Mitstreiter beweist Holopainen ein feines Händchen: Es ist vor allem die elfenhaft klare Stimme der hierzulande völlig unbekannten finnischen Popsängerin Johanna Kurkela, die es hier zu entdecken gilt. Was die Verdienste von Troy Donockley, dem Nightwish-Bandkollegen, an Gitarre, Bouzuki und Flöten nicht schmälern soll!

Wer nicht an magische Gegenwelten glaubt, wird hier eines Besseren belehrt: Mit Auri verlässt man auf Drachenflügeln die Grenzen des Hier und Jetzt, und bricht in lichte Klangwelten auf. Beim episch ausuferndem Album-Highlight »Aphrodite Rising« entstehen Gänsehaut-Momente der euphorischen Art! Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: Dass Holopainen nach dem weltweiten Erfolg von Nightwish hier nochmals in ganz neue, sanfte Gefilde aufbricht, ist besonders schön! (emv)



Siehe auch:
Nightwish
Johanna Kurkela


 Auri: Auri

Video-Link Offizielle Website

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Automatic Eye: Don't Let The Past Come Between You And Your Happiness
(2008, Johanna Kustannus Oy RAMCD 3158 )

»We have to set this record straight« – gedacht, getan, gesungen. Mit diesen Zeilen startet das Langspieldebüt von Automatic Eye, alias Sänger/Gitarrist Pete Murto und Basser Heikki Hiekkasalmi. »DON'T LET THE PAST COME BETWEEN YOU AND YOUR HAPPINESS« ist ein selbstbewusster, melodischer elf-Song-Indie-Rocker, der frisch klingt, gute Laune bringt – aber nie ins Triviale abdriftet. Als Eckpfeiler des Automatic-Eye-Sounds bezeichnen die Finnen »Away From Sunshine«, das erste gemeinsam geschriebene Stück: Es ist treibend, packend mit einem winzigen Hauch Melancholie, klug arrangiert und hat Ohrwurmcharakter.

Für die 44-minütige Scheibe mit dem sperrigen Titel holte sich das Duo Verstärkung: Schlagzeuger Tommy Gun und Heikki Yrjölä (Klavier/Keyboard) – beide Teil der Liveband – sowie Jonas Olsson (Programming, Perkussion) und Mikrohelfer Rick Rovio unterstützen die 2005 erweckte Kapelle. Die Inspiration für die Texte holen sie sich aus dem wahren Leben, und so transportiert jedes Stück eine andere Stimmung, denn: »We still believe this is what music is all about: Emotions.« (nat)

 Automatic Eye: Don

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Bad Machine: Motörfreakout
(2005, Punk 'N Drunk Recordings /Rough Trade PND 10009-2 )

Bad Machines erste Takte in vier Worten: »Finnische Punkversion von Motörhead«. Wem diese Erklärung ausreicht, kann seinen Allerwertesten schon mal in den näxten Plattenladen bewegen, reinhören lohnt sich. Der krachige Titeltrack huldigt Wodka-Warzen-Weiber-Lemmy, doch die Nachfolger schreiben groß und deutlich Rock'n'roll auf die Flagge, deuten mitunter mit dem Finger in Richtung Blues. Gegen Ende des Longplayers blitzen die Engländer erneut durch: »Cenobites« klingt sehr nach »Ace Of Spades«.

Durch beträchtliche Spielfreude macht das Quartett die mangelnde Selbständigkeit aber wieder wett. Der Zweitling der seit 1999 bestehenden Truppe groovt, wenn die Stücke meist unter der Dreiminutenmarke über die Zielgerade rasen. Aki, Masa, Make eilen Sänger Ana zu Hilfe und grölen nicht nur die Refrains. Fazit: »MOTÖRFREAKOUT« ist ein cooles, spaßiges Album, dem zwar der letzte Kick fehlt, aber für gute Stimmung sorgt. (nat)



Mehr CDs von Bad Machine



Siehe auch:
The Accidents
Verschiedene: Punk N Roll A Licious Vol. 2


 Bad Machine: Motörfreakout

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Balls: Skinny Dipping
(2001, Rocktops RockCD6 )

Die Stimme Marjo Leinonens klingt beinahe schwarz: bluesig, soulig, mit einer Idee Janis Joplin. Der Whitfield/Strong-Klassiker »I Can't Get Next to You« eröffnet die fünfte Scheibe der Finnen gebührend: Bassist Jari Paulamäki und Schlagzeuger Sami Vettenranta geben kraftvoll groovend den Takt an, durch ein paar eingestreute Congas pointiert. Gleichzeitig sausen des Gitarrenduos Petri Peevo/Tipi Järvinen Finger über die Saiten; jedoch lassen die Musiker Marjo immer genug Freiraum für ihren Gesang.

Beim zweiten (und letzten) Cover »Taxi Driver« taucht zusätzlich ein anregendes Piano auf, doch ab jetzt folgen nur Eigenkompositionen, zehn an der Zahl, eine gelungener als die andere. Die Balls-Frontfrau besitzt eine unwiderlegbar packende (Blues)Röhre, die das komplette Album prägt, dominiert – und problemlos alleine einen Saal a cappella füllen könnte. Janis Joplins »Mercedes Benz« lässt grüßen. (nat)



Siehe auch:
Agents

 Balls: Skinny Dipping

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Big Wave Riders: Life Less Ordinary
(2012, Soliti)

Von der enspannten Straßenköter-Attitüde der Big Wave Riders sollte man sich nicht täuschen lassen. Über den grauen Großstadt-Hinterhöfen strahlt die Sonne in durchdringenden Comicbook-Farben. Mit dem Song »Sunny Season« haben die Fünf aus Helsinki genau dieser Attitüde auf ihrem Debütalbum »LIFE LESS ORDINARY« Tribut gezollt. Die Nachwuchskräfte lieben das Spiel mit den Zitaten nicht nur in Bezug auf die schnodderige Seite des 80er-Indierock: Der Albumtitel zwinkert dem gleichnamigen Film mit Ewan McGregor zu. Dem Helden aller leicht aus der Bahn katapultierten Loser, der sich mit einem frechen Grinsen noch aus jeder Bredouille befreit hat! So geht das! Big Wave Riders jonglieren hier wie bereits auf ihrer ersten EP mit vielen Bällen: Flirrenden Strandgitarren, coolen Synthies oder lärmigem und aufbegehrendem Klampfengeschrammel. Ein Hauch von psychedelischen Patschulidüften hängt gleichmütig über den Mülltonnen hinter dem Haus. Groovy, Jungs!

Dass Schöngesang auch den mittelharten Jungs durchaus gut zu Gesicht steht, beweisen die Riders in Lebenslust-Stückchen »Castle In The Air«. Und wer hier ganz genau hinhört, der könnte vielleicht vermuten, dass das Quintett um Schnodderschnauze-Sänger Teppo dem umfangreichen Schaffen ihrer finnischen Landsleute The Rollstons von anno damals (also zu Beginn des Jahrtausends!) aufmerksam gelauscht haben. Der anarchisch-föhliche Grundton und die insgeheime Popverliebtheit finden sich hier wie dort. Und das unverschämte Glitzern in den Augen sowieso. (emv)



Mehr CDs von Big Wave Riders



Siehe auch:
The Rollstons

 Big Wave Riders: Life Less Ordinary

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Micke Bjorklof & Blue Strip: Twentyfive Live At Blues Baltica
( 2 CDs, 2018, Hokahey! Records HHR 1801 )

Blues ist langweilig? Blues ist schon seit Jahrzehnten tot? Von wegen! Zum 25. Geburtstag bescherte eine der besten Blues- oder auch Blues-Rock-Bands sich und dem Publikum die lang ersehnte Live-CD. Es sind sogar deren zwei, aufgenommen beim Blues Baltica-Festival in Eutin im Mai 2017 vor 1200 enthusiastischen Menschen. Deren Begeisterung ist beim Hören sofort ansteckend, denn der eingefangene Gig ist grandios.

Die Band ist in Höchstform, sie besteht unverändert seit gut 15 Jahren: Die Rhythmusgruppe um Seppo Nuolikoski (Bass), Teemu Vuorela (Drums) und Percussionist Timo Roiko-Jokela rockt, shuffelt und groovt so stark, da bleibt kein Auge trocken. Dazu haben sie mit Ville »Lefty« Leppänen einen Gitarristen, der tolle Soli spielt, diese aber nie so weit ausdehnt, dass es zu einer One Man-Saitenshow ausartet. Auch an der Slide Guitar ist er ein Meister. Bjorklof selbst ist bei großer Stimme, obendrein brilliert er an der Mundharmonika. Einen Teil des Konzerts bestreitet die Band unplugged, nur mit akustischer Gitarre, Mundharmonika und Sänger Bjorklof – auch das richtig gut.

21 abwechslungsreiche Songs von einer Band, die mit unbändiger Spielfreude agiert, für die der Blues mehr als die berühmten 3 Akkorde in 12 Takten bedeutet – bei diesem Konzert wäre man gerne dabei gewesen. Nicht zu vergessen: Die CDs klingen auch noch richtig gut. (tjk)



Mehr CDs von Micke Bjorklof & Blue Strip

Micke Bjorklof: Twentyfive Live At Blues Baltica

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