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Alle Rezensionen zu Sväng
(Genre »Folk«, Land »Finnland«)

 

Plays Tango
(2018, Galileo GMCD 081)

In der Ecke stehen die vier Gestalten, um die Tänzer nicht zu behindern – zum Tanzen geeignet ist der Tango von Sväng nämlich sehr! Es ist immer wieder faszinierend, was man doch mit vier Mundharmonikas alles machen kann. Jetzt eben Tango: Sväng schaffen es mühelos, sämtliche Instrumente zu ersetzen, die man normalerweise mit dieser Musik – egal ob finnisch oder argentinisch – in Verbindung bringt. Keines davon vermisst man als Hörer. Das liegt natürlich an den Arrangements, die das übliche Instrumentarium aus Violine, Bandoneon (oder Akkordeon), Gitarre und Kontrabass in den Klangkosmos von Sväng übertragen und verdichten.

Das Repertoire ist zweigeteilt. Die ersten sechs Tangos sind Fremdkompositionen aus früheren Zeiten: Schon »Syyspihlajan Alla« von Arvo Koskimaa macht klar, dass die vier Finnen auf dem ihnen eigenen Höchstniveau agieren. Toivo Kärkis »Liljankukka« sowie Unto Mononens »Sateen Tango« gehören zu den Klassikern und sind wohlbedacht ausgewählt. Die vier anschließenden Eigenkompositionen stehen den Hits absolut nicht nach, Sväng spielen so akzentuiert, dass sich die Gemächlichkeit des finnischen Tango weit hinüber zur sportlichen argentinischen Variante neigt. Mit Arto Järveläs fröhlichem »Siltatanssit« beenden Sväng ihre Reise durch den Tango und eine ihrer besten CDs. (tjk)

 Sväng: Plays Tango

Offizielle Website

Der »Senf« unserer Autoren ...
Nicht immer sind wir alle einer Meinung. Zur »CD des Monats« wählen wir deshalb gern eine CD, die Meinungen polarisiert.
Dazu geben - neben dem Rezensenten selbst - immer vier unserer Autoren ihren Senf dazu ab.

Lass mal rechnen: 11 Tangos zu je 4 Mundharmonikas... macht zusammen 44 Stück! Und das, obwohl ich es bisher recht erfolgreich geschafft habe, schon der einen von Toots Thielemans auszuweichen so gut es nur ging... Aber dennoch: sehr originell, hoch virtuos und wie Du sagst: Eine ganze Kapelle in der Größe von vier Zigarettenschachteln.
Stefan Vinaricky


Eva-Maria Vochazer


Ingo J. Biermann


Peter Bickel

Offizielle Website      www.svang.fi

   

Hauptbahnhof
(2017, Galileo GMCD 073)

Diesmal fahren die vier Gestalten auf einer Draisine auf schneebedeckten Gleisen in den Hauptbahnhof – sicher ein Zeichen, dass Sväng auch in Deutschland sehr beliebt sind. Der »HAUPTBAHNHOF« beinhaltet 16 Stücke, von denen nur vier neu sind, die anderen sind Neuaufnahmen von Favoriten sowohl der Band als auch der Konzertbesucher.

Insofern kann diese CD gut und gerne als »Best Of« durchgehen, wenn auch ohne Stücke aus den Chopin- und Sibelius-CDs. Die unfassbare Virtuosität der vier Mundharmonika-Cracks kommt genauso zum Tragen wie ihr Talent, die unterschiedlichsten Einflüsse in ihre Musik zu integrieren: Roma-Songs finden ebenso in ihr Repertoire wie japanische Traditionals, amerikanische Folk-Songs und russische Lieder. Die Arrangements sind teilweise auch neu, und immer brilliant – die vier Finnen verstehen es meisterhaft, auch komplexe Harmonien und vertrackte Melodien in mitreißende Stücke zu verpacken. Ergebnis: Wie in den Konzerten ist auch auf dem »HAUPTBAHNHOF« immer was los und keine Sekunde langweilig. Als Einstiegsdroge ins Svängiversum wärmstens zu empfehlen. (tjk)

   

Plays Sibelius
(2016, Jumi 009)

Was vor Jahren schon ziemlich gut gelang mit der Chopin-CD, treiben Sväng hier auf die Spitze: die Beschäftigung mit klassischer Musik. Pünktlich zum 150. Geburtstag des finnischen »Nationalkomponisten« Jean Sibelius spielten sie diese CD ein. Und sie lieben ihren Sibelius, das wird nicht erst bei den ersten Takten klar: Schon das Cover ist eine Reminiszenz an Akseli Gallén-Kallelas berühmtes Gemälde »Symposion«, auf dem neben dem Künstler selbst Oskar Merikanto, Robert Kajanus und rechts Jean Sibelius zu sehen sind. Diese Pose stellen Sväng nach; im Innencover ersetzen sie die Mundharmonikas noch durch dicke Zigarren – nach getaner Aufnahme haben sie diese redlich verdient.

Sie beginnen mit der »Karelia-Suite«, insbesondere der dritte Teil »Alla Marcia« ist ein weiterer Beweis für die herausragenden Fähigkeiten des finnischen Mundharmonika-Vierers. Die Arrangements sämtlicher Stücke teilen sich Eero Grundström und Jouko Kyhälä, und man ist immer wieder erstaunt, wie sie einerseits die Melodien und vielschichtigen Linien der großorchestralen Kompositionen auf vier Mundharmonikas herunterbrechen, andererseits in typischer Sväng-Manier ein vielfarbiges ganz eigenes Klanguniversum daraus entwickeln. Sehr ergreifend »Andante Festivo«, bei der »Venematka« (Ruderbootfahrt) möchte man fast mitrudern, so dynamisch gehen Sväng hier zu Werke. Feurig ebenfalls der abschließende »Jääkärien Marssi« (Jägermarsch), noch trauriger als die Orchesterversion beginnt die »Valse Triste«, einer der bekanntesten Sibelius-Klassiker. Herausragend auch »Lemminkäisen Kotiinpaluu«, der letzte Teil der Lemminkäinen-Suite – hier brennen Sväng nochmals ein wahres Feuerwerk an Spielwitz, Virtuosität und meisterhafter Arrangierkunst ab. Fazit: Dem besten Mundharmonika-Quartett der Welt gelingt hier ein Geniestreich. (tjk)

   

Karja-La
(2014, Galileo GMCD 061)

Wieder diese vier Gestalten – nun ist es ein Motorrad mit Seitenwagen, den das finnische Mundharmonika-Quartett auf dem Cover bevölkert. Ansonsten drängt sich aufs erste Hören der Eindruck auf, dass sich Sväng zwar kaum verändert, aber auf höchstem Niveau gehalten haben.

Langsam: Sväng erfinden sich nicht neu, das geht bei der Besetzung auch gar nicht. Aber sie entwickeln sich stetig weiter, erweitern ihren Horizont, wagen immer mehr: das hypnotische »Naskon Rakija« ist dafür ein Beispiel mit schrägen Harmonien gegen Ende. »Niilon Polska« besticht auch klanglich mit extrem tiefer Bassharmonika und vielschichtigen Arrangements. Diese sind ohnehin das Sahnehäubchen in den Stücken: manchmal mäandern die Stimmen so weit auseinander und kreisen um die Melodie herum, dass man als Hörer wirklich zuhören muss! Ein weiterer Höhepunkt ist auch das 9-minütige Titelstück. (tjk)

   

Schladtzshe!
(2010, Aito/Galileo AICD016)

Immer wieder frappierend, diese Virtuosität, mit der der Mundharmonika-Vierer zu Werke geht. Gleich im Titelstück zeigen sie, wozu sie in höherem Tempo imstande sind. Allerdings steht diese instrumentale Kunst nicht mehr so im Vordergrund wie bisher.

Sväng entpuppen sich eher als Geschichtenerzähler, zu jedem Stück liest man im Booklet Erläuterungen. »Menneet« (die Ge-/Vergangenen) erzählt von alten Briefen, Kindheitserinnerungen und wandelt sich vom traurigen Marsch in einen Walzer. »Tango Tauko« vertont einen jungen Mann, der erstmals und ziemlich schüchtern auf dem Tanzboden steht. Auch mit weniger Tempo können die fast durchweg selbst komponierten Stücke also begeistern. Ach ja: die vier Gestalten sieht man diesmal erst innen, in einem Ballon fliegend. (tjk)

   

Plays Chopin
(2010, Jumi 004)

Auf gänzlich ungewohnte Pfade begeben sich die vier Svänger und arrangieren einige der bekanntesten und wichtigsten Werke des polnischen Piano-Kompositeurs Frédéric Chopin eben für vier Mundharmonikas – mehr nicht, versteht sich. Eero Grundström und Jouko Kyhälä sind die Masterminds, die den Etuden, Preludien, Mazurkas und Polonaisen nicht nur neues Leben einhauchen, sondern auch einige neue Facetten abgewinnen können. Dies ist umso deutlicher, wenn man vor den Sväng-Interpretationen jeweils eine originale Klavier-Version hört (Horowitz, Ashkenazy, Harasiewicz seien für die o.g. Stücke empfohlen).

Mehrfach werden zwei Stücke kombiniert: nicht nur zwei gleichartige wie »Mazurka No. 24 & Mazurka No. 23«, sondern auch »Etude op. 10 No. 12 & Mazurka No. 49« - das irritiert zunächst, passt aber mehrfach sehr gut. Ganz grandios ist Grundströms Arrangement des »Marche Funèbre« - wie vielschichtig dieser tieftraurige Geniestreich klingt! Das »Nocturne #20« wird zum Tango umgedeutet – sehr gut. Sogar die »Polonaise No. 6«, ein durch Ballett, Rhythmische Sportgymnastik etc. zu Tode gedudeltes Evergreen, wirkt frisch. Ein ebenso frecher wie gelungener Versuch, angestaubte Klassiker des romantischen Piano aufzufrischen. (tjk)

   

Jarruta
(2008, Aito/Just Records Babelsberg AICD013)

Diesmal sitzen die vier Gestalten in einem roten Auto, ansonsten hat sich nicht viel geändert? Von wegen: Eero Turkka, Eero Grundström, Jouko Kyhälä und Pasi Leino legen fast noch eine Schippe drauf in Sachen Virtuosität, Variation und Witz. Womit nach Accordion Tribe endgültig der Beweis erbracht ist, dass vier oder fünf gleichartige ungewöhnliche Instrumente spannende Musik hervorbringen können.

Stilistisch geht es wieder quer durch den Gemüsegarten, von der »Tajukankaan Polkka« über den »Tango De La Abuelita«, der zwar melodisch an »La Paloma« erinnert, dann aber doch in andere Gefilde abweicht, bis zum Gypsy-Swing »Phennela Menge Phurane Kaale«, in dem die Harmonika-Virtuosen das Akkorde-Schrubben der Zigeunerjazz-Gitarristen imitieren. Umwerfend. (tjk)



Siehe auch:
Accordion Tribe

   

Sväng
(2005, Aito/Just Records Babelsberg AICD005)

Vier Gestalten sitzen auf einer Bank, stieren ins Leere und blasen recht ausgefallene Mundharmonikas. Das Quartett Sväng – bestehend aus Eero Turkka, Eero Grundström, Jouko Kyhälä und Pasi Leini – hat es auf diesen für Finnland zwar typischen, nicht jedoch häufig genutzten Instrumenten zu solcher Meisterschaft gebracht, dass man ihren Polkas und Tangos nur ebenso gebannt wie verzückt lauschen kann.

Obwohl die meist traditionellen Motive tief in der finnischen Kultur verwurzelt liegen, drängeln sich doch auch beständig slawischer Frohsinn, schwedischer Hambo, Ragtime und – freilich auch das – amerikanischer Blues nach vorne. Dieses Debüt macht Lust auf mehr und lässt vermuten, dass live bei Sväng die Post abgeht. Denn der vierkehlige Chor aus tiefer Bass-, Akkord- und zwei Sopran-Mundharmonikas (diatonische ebenso wie chromatische Modelle) swingt zauberhaft und spieltechnisch höchst kompetent: ein Hör-Erlebnis der besonderen Art. (peb)



Siehe auch:
Verschiedene: Tervetuloa Kioskiin Vol.3
Kip Peltoniemi



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