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Alle Rezensionen zu Jolly Jumpers
(Genre »Rock«, Land »Finnland«)

 

Hometown Hi-Fi
(2004, Hot Igloo HI-005)

Ein alter Mann sitzt allein am Tresen. Sein Körper: vollkommen in sich gesackt. Das Gesicht aufgequollen. Die Augen leblos. Er selbst stumm wie ein Fisch. Tag für Tag kommt er vorbei, seit nunmehr 25 Jahren. Er hat sie alle gekannt. Junge Bands, dynamische, ungestüme erste Gehversuche. Die Illusion des schnellen Rockstar-Lebens, der Ausbruch aus der sonoren Monotonie Tyrnäväs.

Eine Band spielt einst wie heute. Eine Band, die all ihre Energie verloren zu haben scheint und all ihre Ideale. Wie Dead Moon wollten sie sein. Wie Velvet Underground und Johnny Cash. Müde stampfen sie durch triste Americana-Landschaften, tanken mit jeder Flasche billig importierten Wodkas neue Lethargie. Verzerrte Redundanzen, düsterer Blues. Wie oft haben sie schon hier gespielt?

Für einen Moment, als Marikka Inkala die Bühne betritt, durchschweift der hängende Blick mit einem Leuchten den Raum. Und richtet sich letztens doch in Niedergeschlagenheit träge auf die schwere, knarrende Holztür. Der alte Mann wankt trunken heraus. Er muss sich ausruhen. Um für den nächsten Tag neuen Mut zu sammeln. Er schläft unruhig. (maw)

 Jolly Jumpers: Hometown Hi-Fi

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.jollyjumpers.fi

   

Fantom Zone
(2008, Tug Rec/Indigo TUG 123)

Die Mannen von Jolly Jumpers klingen so, als glaubten sie ganz ernsthaft an die Existenz eines strafenden Gottes. Der streng von oben darüber wacht, dass keiner vom schmalen Weg der Tugend abweicht. Das ist harte Arbeit, das ist Kampf. Denn dass die Gelegenheit zum Sündigen bei jedem Schritt lauert, ist den Jolly Jumpers auf ihrem mittlerweile achten Album »FANTOM ZONE« nur zu bewusst. Die traditionelle Düsternis amerikanischen Außenseitertums lastet wie ein schwerer schwarzer Mantel über dem Schaffen der vier Nordfinnen. Igendwie irrlichtert die Angst vorm Einbruch des Übernatürlichen in bester beängstigender Poe'scher Tradition durch diese absonderlich eigenbrötlerischen Alternative-Gothic-Countryklänge.

Wärmen kann man sich am Lagerfeuer dieser Landburschen nicht. Im Gegenteil: Durch ihre Geschichten werden sie uns das Gruseln lehren. Wogegen nur hartes Getränk und festes Gebet helfen dürften. Dass im Dunkel am Rande der Runde bekannte Haudegen wie Howe Gelb, Tom Waits und der Schatten von Townes van Zandt als Inspirationsquellen sitzen, würden die Jolly Jumpers nie bestreiten. Eher würden sie vor den Brüdern im Geiste die breiten Hüte ziehen. (emv)

   

Mobile Babylon
(2006, Tug Rec/Indigo TUG 118)

Tyrnävä, Mittel-Finnland. Hier in diesem Nest, oder nennen wir es respektvoller »Landgemeinde«, wohnen Jolly Jumpers. Nur ein paar Kilometer entfernt von Utajärvi, der Heimat von 22 Pistepirkko. Beiden Bands gemeinsam ist die gitarristische Schlurfigkeit und der geniale Dilettantismus, mit dem »einfach Musik gemacht wird«. Schließlich ist man ja im Hauptberuf Kartoffelbauer – einer der wesentlichen Gründe, warum Jolly Jumpers ungern im Ausland touren.

Die Unterschiede zu 22 Pistepirkko fallen erst bei genauerem Hinhören auf: Jolly Jumpers – das Trio hat sich mittlerweile mit dem ehemaligen Flaming Sideburns-Gitarristen Arimatti Jutila zum Quartett verstärkt – haben sich eine Art Tundra-Swamp-Blues oder auf die Fahne geschrieben. Giant Sand, Ryan Adams oder Green On Red könnten durchaus herhalten als Markierungspfosten, doch eben mit einer nordischen Note. (peb)



Siehe auch:
22 Pistepirkko
The Flaming Sideburns



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