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Alle Rezensionen zu Lina Nyberg
(Genre »Jazz«, Land »Schweden«)

 

The Sirenades
(2 CDs, 2014, Hoob Records HOOBCD 042)

Schon am Format kann man erkennen, dass Lina Nyberg hier ein sehr ambitioniertes Werk geschaffen hat, bei dem man zunächst den Titel klären muss: »SIRENADES« ist eine Wortschöpfung der Schwedin, das sich aus den Sirenen der griechischen Mythologie, den Sirenen als akustische Warntöne zu Kriegszeiten und der Serenade als Liebeslied zusammensetzt.

Nyberg hat sehr anspruchsvolle Kompositionen geschrieben: Verspielt, kraftvoll, sentimental und vor allem sehr persönlich klingen die Stücke, und sie hat diese außerordentlich farbig arrangiert. Nyberg hat sich einen eigenständigen, fast sogar eigenartigen Klangkosmos geschaffen aus Kunstmusik, Big Band-Jazz und Einflüssen aus freier Improvisation und Minimal Music. Ihren eigenen Worten zufolge sind manche »metamusikalisch«, also über Musik an sich, manche vertonen, wie Angst die Wahrnehmung der Welt stört und manche wandeln auf dem schmalen Grat zwischen Realität und Traum. Die Sängerin hat auch einen Großteil der Texte geschrieben, das auf beiden CDs erscheinende »Who Shall Measure« basiert auf einem Gedicht von Virginia Woolf. Auch Mozart hat ein Motiv aus der Hochzeit des Figaro beigesteuert, natürlich stark bearbeitet von Nyberg.

Die erste CD, »SIRENS«, hat sie mit der Norrbotten Big Band aufgenommen, entsprechend phantasievoll sind die Bläser ins Klangbild eingebunden. Die zweite CD ist mit »MONSTERS« überschrieben, sie wird hier nur von ihrer Band begleitet: Die Rhythmusgruppe aus Cecilia Persson (Piano), Josef Kallerdahl (Bass) und Drummer Peter Danemo führt prächtig durch die Stücke, Gitarrist David Stackenäs spielt gleich im ersten Song ein grandioses Solo. Auch die Bläser der NBB kommen zu selbigen, hervorzuheben sind Håkon Broström (Altsax) und Karl-Martin Almqvist. Lina Nyberg selbst überzeugt wie immer mit ihrer Stimme, das die CDs beschließende Cover von Caetano Veloso, »London London« ist geradezu herzergreifend. (tjk)



Siehe auch:
Norbotten Big Band
Peter Danemo
Cecilia Persson
David Stackenäs

Lina Nyberg: The Sirenades

Offizielle Website

Offizielle Website      www.linanyberg.nu

   

Tellus
(2006, Moserobie Music MMPCD 046)

Auf was für eine Reise nimmt uns Lina Nyberg auf »TELLUS« mit? Die Stücke sind nach Orten benannt; die entsprechenden Klänge lassen sich daraus jedoch nicht ableiten. Und auch nach 20-maligem Anhören über ein halbes Jahr bleiben mehr Fragen als Antworten. An den beteiligten Musikern liegt's nicht: Mathias Landæus (p), Torbjörn Zetterberg (b) und Jan Fält (dr) agieren ohne Fehl und Tadel, dazu als Gäste Per »Texas« Johansson (ts), Magnus Broo (tp), Fredrik Ljungqvist (cl) und David Stackenäs (g).

»TELLUS« ist schon die elfte CD von Lina Nyberg, und sie beweist einmal mehr, dass sie zu den führenden Sängerinnen Nordeuropas zählt » obwohl sie ihren Gesangsstil hier arg reduziert und sich eher als Erzählerin inszeniert (Tell us?). Von Jazz im herkömmlichen Sinne freilich weit entfernt kommen die Stücke mal sperrig (»Yokohama«) und nur selten mit richtig packendem Groove (»Itaparica«). Spannend ist das allemal, aber Liebe auf den ersten Blick ist »TELLUS« nicht. (tjk)



Siehe auch:
Torbjörn Zetterberg
Jon Fält
IPA / Magnus Broo
Circadia / David Stackenäs

   

Saragasso
(2004, Moserobie Music MMPCD 025)

Großartig! Lina Nyberg, seit einem knappen Jahrzehnt zur Crème de la crème der nordeuropäischen Jazz-Sängerinnen gehörend (wenn auch der Boom der letzten Jahre sie irgendwie vergessen hat), hat sich von der »reinen Lehre« des Jazz verabschiedet und eine CD veröffentlicht, die sich (verdammte Schubladen!) irgendwo zwischen Rebekka Bakken und Stina Nordenstam verortet.

Trip-Hop-Jazz mit viel Trip und wenig Jazz: Lina Nyberg hat alle Stücke selbst geschrieben und arrangiert, mit viel Fortune und dem Gespür fürs Wesentliche: unverschämt coole Grooves, teilweise recht einfach, aber zündend inszeniert von Sebastian Notini (dr, perc, pandeiro), Torbjörn Zetterberg (el-b) und Mathias Landaeus (el-p, electronics), die sich gelegentlich im »So-wenig-wie-möglich-spielen-und-trotzdem-grooven« duellieren. Lina Nyberg ist schlichtweg toll. Von Scat bis Kindergegreine und Haarscharf-an-der-Intonation-schrammen: Sie hat's! Und ihre Version von »Old Devil Moon« (dem einzigen Standard): unglaublich cool, wie sich der Song fast nur um eine Bassfigur dreht, wie passend dieser Shuffle-Rhythmus, wie charmant ihr Gesang! Herrje, das ist genial. (tjk)



Siehe auch:
Rebekka Bakken
Stina Nordenstam
Fredrik Ljungkvist
Esben Brandt Kvartet feat. Fredrik Ljungkvist

   

So Many Stars
(1996, Prophone Records PCD 030)

Lina Nyberg ist schwer zu fassen, sie hat Eigenheiten, die aufs erste Hören befremden. Ihr übertriebenes Vibrato auf »I’ll Be Seeing You« beweist schrägen Humor, sie scheint auch intonationsmäßig manchmal absichtlich haarscharf daneben. Ein paar Standards wie »For All We Know« oder das knackige »On The Street Where You Live« platziert sie zwischen eigene Stücke, die aufs erste Hören deutlich weniger zugänglich sind.

Viele Musiker hat sie um sich geschart, auf jedem Stück darf sich ein Solist hervortun: Anders Persson (p), Christian Spering (b), Magnus Broo (tp) und Fredrik Ljungkvist (ts, ss) ragen heraus, auch ein Streichquartett hat seine klangliche Berechtigung (»Suddenly«). Wie immer bei Lina Nyberg wird man für mehrmaliges und aufmerksames Zuhören belohnt. (tjk)



Siehe auch:
Atomic / Magnus Broo & Fredrik Ljungkvist
Fredrik Ljungkvist & Mats Eilertsen
Christian Spering



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