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Alle Rezensionen zu Apparat Organ Quartet
(Genre »Beats«, Land »Island«)

 

Pólýfónía
(2011, Crunchy Frog/Soulfood 14020)

Das Schöne an Geisterbahnen ist, dass sie nicht nur billigen Trash-Grusel erzeugen, sondern gleichzeitig auch noch quietschbunt und superartifiziell sind und einen geheimen Zugang in die Sphären anarchischer Kindsköpfigkeit gewähren. Fast zehn Jahre haben sie sich Zeit gelassen, aber mit ihrem Zweitling »PÓLÝFÓNÍA« starten die fünf Herren vom Apparat Organ Quartet (vier Keyboards, ein Schlagzeug!) einen Trip durch Kirmes-Geisterbahnwelten, wobei sie die Tanzbude nicht auslassen. Wir wollen hier schließlich kindischen Spaß auf hohem Niveau haben!

Die neun Songs schreien vor allem eines: Retro! Siebziger! Sie rufen laut nach der mystischen Vereinigung von Vangelis mit John Carpenter, von Kraftwerk mit Goblin, von Horror mit Disco, von Kunstkino mit Lovecraft-Novellen. Über allem kreist die große Glitzerkugel und grinst hinreißend hinterhältig. Schlager und Melodram werden hier von anarchischen Elektroniknerds auf die Bühne gezerrt: Songs wie »Síríus Alfa« verführen gar zu hemmungslosem Abtanzen, während bei »Söngur Geimunglingsins« wieder dräuende Nebel des Grauens aufziehen und wir uns liebend gerne in starke Arme flüchten. Dass die finnischen Gesinnungsgenossen von Desert Planet über Aavikko bis zuletzt Nightsatan mit ähnlichen Stilmitteln arbeiten, wollen wir mal nicht mäkelnd anführen. Lieber uns mit dem Kopf voran in bonbonbunt-bedrohliche Parallelwelten stürzen. (emv)



Siehe auch:
Desert Planet
Nightsatan
Aavikko

 Apparat Organ Quartet: Pólýfónía

   

Apparat Organ Quartet
(2005, TMT Entertainment B0001NB5OG)

Merkwürdigkeiten über Merkwürdigkeiten. Erstens: Das Apparat Organ Quartet ist eigentlich ein Quintett, bestehend aus vier Organisten und einem Drummer. Zweitens: Sie selbst bezeichnen ihre Musik als »Machine Rock'n'Roll«, sehen aber auch u.a. Einflüsse von Kraftwerk, Wagner, Steve Reich, The Glitter Band und Stereolab. Drittens: Der Rezensent kann diese Verdrahtungen nur bedingt nachvollziehen, muss aber gleichwohl zugeben, dass auch die eigenen Assoziationen – blubbernde Sounds mit Jean Michel Jarre, krumme Wendungen mit Can, Vocodereffekte mit Eighties-Pop und rockig gerotzte Lausbubenstreiche mit Gitarren-Independent – nicht recht zutreffen wollen.

»Wir mussten den Orgelquartett-Sound erst erfinden, denn das gab es bisher noch nicht«, erzählen die Isländer, die aus diesem Grund für ihr Debüt drei Jahre brauchten. Vielleicht waren aber auch die zahlreichen Nebenbeschäftigungen schuld: Musikvatur etwa spielt bei Múm, Ulfur Eldjarn kommt von Trabant und Kanada, und Jóhann Jóhannson ist sowieso einer der umtriebigsten Musiker Islands. Schade, dass wir keine Notenskala für Skurrilität haben – da könnte die Truppe voll punkten, die ein krudes Instrumentarium aus antiken Synthesizern, Farfisas, Hammonds, Heimorgeln, und billigen Keyboards auffährt. (lha)



Siehe auch:
Jóhann Jóhannsson
Múm



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