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Alle Rezensionen zu Kippi Kaninus
(Genre »Avantgarde«, Land »Island«)

 

Temperaments
(LP, 2014, Mengi MENGI02LP)

Neun Jahre sind eine lange Zeit, in der sich die Musikwelt sehr verändert hat. So erscheint, neun Jahre nach »Happens Secretly«, Guðmundur Vignir Karlssons drittes Album »TEMPERAMENTS« nun direkt, zeitgemäß auf Vinyl, beim engagierten Kunstmusik- und Jazzlabel Mengi. Kunst auch deshalb, weil schon die Covers bei Mengi den Kauf wert sind. Dass Kippi Kaninus' nach zwei Solo-CDs sein höchst eigenwilliges Ensemblewerk mit Gitarre, Bass, Schlagzeug, Percussions und Posaune/Thranophon eingespielt hat, geht bei der verrückt-extravaganten, computerisierten Soundästhetik fast ein wenig unter.

Doch da passt der LP-Titel wiederum hervorragend: Temperamentvoll sind diese polyrhythmischen, überaus charmant ambitionierten Avant-Popjazz-Nummern ohne Frage. Kippis Musik wird beschrieben als: schnell, langsam, theatralisch, absurd, schön und fröhlich. Warum verkomplizierten? Überhaupt steht Kippi die Band hervorragend; ihre Mitglieder sind in Island verdiente Jungs aus scheinbar grundverschiedenen Kontexten, darunter der Gitarrist Pétur Þór Ben(ediktsson), der jüngst mit dem Alvaret Ensemble in Erscheinung getretene Blasmusiker Ingi Garðar Erlendsson und Sugarcubes-Percussionist Sigtryggur Baldursson. Und die hyperaktive Musik dieser ausgeflippt kontrollierten Band hat es in sich: Verrückte Anti-Popmusik zwischen Animal Collective, ihrem finnischen Pendant Kemialliset Ystävät oder den nicht weniger abgedrehten Evil Madness, versetzt mit einer feinen Krautrocknote. Tolle Scheibe. (ijb)



Siehe auch:
Pétur Ben
Alvaret Ensemble + Ingi Garðar Erlendsson
Kemialliset Ystävät
Sugarcubes

Kippi Kaninus: Temperaments

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.kippikaninus.com

   

Happens Secretly
(2005, Painful Lust kipp4)

Guðmundur Vignir Karlsson aka Kippi Kaninus könnte man schnell der derzeit aufstrebenden isländischen Elektroszene zu ordnen und dann die Schublade wieder schließen. Lässt er doch in seinem möglicherweise programmatischen Eröffnungsstück »The Comfort Of My Eyes« kleine rhythmische Schnipsel aufmarschieren und legt dann einen leicht auf- und abschwellenden Basslauf darunter, während auf einer dritten Spur eine verfremdete Kinderstimme geisterhaft hin und her schwebt. Doch er zielt nicht auf kurzfristige Effekte und auf leichtläufige Spielereien. Mehr dürstet es ihm nach einer behutsamen, aber dennoch entschlossenen Aufrauung klassischer Musikstandards, wie er überhaupt in das Niemandsland zwischen Pop-Experimentellem und Neuer Musik zu verorten ist.

Kein Wunder also, dass zuweilen ein schräg sägendes Streichquartett aufmarschiert und immer wieder ein Instrument in den Vordergrund rückt, das im PopRock-Kanon heute so selten berücksichtigt wird: die Kirchenorgel. So bilden am Ende seine sieben Stücke ein ganz eigenes Universum ab, in dem Kirchenchor-Stimmen auf synthetische Klangmuster treffen und der Hörer aufgefordert wird, sich ganz eigenständig zu positionieren. (frk)



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