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Alle Rezensionen zu Hanna Hartmann
(Genre »Avantgarde«, Land »Schweden«)

 

H^2
(2011, Komplott escudre16)

Quietschen, Knarren, Rauschen, Rattern, Rasseln, Formel-Eins-Autogeräusche und wildes Hühnergeschrei dominieren diese Platte. Dabei steht hinten drauf, dass es sich um Kompositionen für Violine, Sopran, Trompete und Percussion handelt. Der geneigte Käufer sollte vorgewarnt sein, wenn er zu dieser Zusammenstellung von fünf Kompositionen Hanna Hartmans greift. Hier bekommt man mit Sicherheit keine Musik, die 99% der Musikfreunde noch als solche gelten lassen würden. Die Instrumente muss man schon sehr genau suchen. Es ist davon auszugehen, dass auch hier, wie bereits bei Hartmans früheren CDs beim Label Komplott, ein Arsenal an gesammelten Geräuschen integriert wurden.

Zum Beispiel »Circling Blue«: eine wilde atonale Mischung aus besagten vorbeirasenden Rennwagen und Sopranstimme. Hanna Hartman nimmt Klänge aus ihren unterschiedlichsten banalen Kontexten und stellt diese als »ernste« Musik auf die Bühne. Damit darf man sie als Erbin von Pierre Henry, Pierre Schaeffer (»Musique Concrète«) und Andy Warhol betrachten, wobei wohl allen gemein ist, dass die avantgardistische Versnobbung des Banalen immer auch eine ironische Färbung haben durfte. Es ist schwer zu sagen, ob Hanna Hartman die Klänge damit ihres ursprünglichen Zusammenhangs enthebt, wie manche interpretieren, oder ob es ihr gerade darum geht, diese Verbindungen bewusst zu machen. Für zweitere Auslegung spricht, dass hier, anders als auf bisherigen CDs, klassische Musikinstrumente in einen Dialog mit eben diesen Klängen und Geräuschen treten, sie sogar nachahmen, ähnlich wie es auch die Komponistin Chantal »Mira Calix« Passamonte zum Beispiel mit Insektengeräuschen durch ein Streichorchester macht. Ob in »Message from the Lighthouse« oder »Shanghai Fireflies« tatsächlich Aufnahmen von Vögeln verwendet wurden oder ob Perkussionisten die Schreie und Flattergeräusche hergestellt haben, soll wahrscheinlich im Unklaren bleiben. Da die fünf Werke zwischen 2007 und 2010 größtenteils als Auftragskompositionen fürs Schwedische Radio entstanden, also zum reinen Hören gemeint sind, spricht einiges dafür. Hanna Hartman geht es hier, mehr noch als zuvor, um die Grenze zwischen dem Konkreten und dem Abstrakten, und dafür ist ihr offenbar jedes Mittel recht. (ijb)

Hanna Hartmann: H^2

Offizielle Website

Offizielle Website      www.komplott.com/catalogue/hanna_hartman_-_cratere.asp

   

Ailanthus
(2007, Komplott/A-Musik escudre09)

Bäume zu fällen ist mit Risiken verbunden – so der Titel des ersten von vier Tracks. In Zusammenarbeit mit dem »Institute for electroacoustic music in Sweden« EMS hat das Elektro-Avantgarde-Label Komplott diese so unverwechselbare Musik verlegt. Denn Hartman arbeitet ausschließlich mit aufgenommenen Klängen, die immer wieder auftauchen – »musique concrète« im Wortsinn also, wenn man musikwissenschaftlich sprechen mag.

Im Klartext heißt das: Hier knarzt Holz, knirschen Steine, zwitschern Vögel, es klingt ein Apfelbiss immer wieder an, Feuer, Wasser, Mundgeräusche, Türen, Möwen. Es ist eine Musik der tönenden Dinge, und Hartman hört ihnen nach und kombiniert sie neu und ohrenöffnend passend; zwischen den Klängen spannen sich Korrespondenzen wie Netze auf. Der Klang ist brillant, handwerklich sind die Stücke perfekt, eiskalt berechnet konstruiert und gerade darum so bestechend. Allzu schade also, dass die CD nach nur 28 Minuten schon zu Ende ist. (sep)

   

Longitude / Cratere
(2005, Komplott/A-Musik escudre06)

Hanna Hartman bezeichnet sich als »Sound Artist«. Die Schwedin sammelt Klangmaterial und montiert das zu einer Art Hörspiele zusammen. Zwei Stücke nur enthält ihre CD: »Longitude 013° 26’ E«, ein Längengrad, der durch Berlin, Kap Arkona und die Baltische See verläuft, wurde auf Segelschiffen aufgezeichnet: Wassergeräusche, knarrendes Holz, Möwengeschrei, Wind, eine wuchtige Brandung und allerlei Laute eines sich bewegenden Schiffs verdichten sich zu einem fast unheimlichen Hörbild.

Das Material des zweiten Stücks »Cratere« dagegen stammt vom Ätna-Vulka: Menschliches Keuchen, klirrende Steinchen, eine umhersurrende Fliege und subsonische Tieftöne bilden eine Geräusch-Textur zwischen Dada und Musique Concrete. Klar – das erfordert Zuhören. Aber mit einem Kopfhörer, gesunder Aufnahmebereitschaft und dem Wissen, eine Stunde ungestört zu sein, erschließt Hanna Hartmann dem Hörer eine packende Reise in die Phantasie der Klänge. (peb)



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