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Alle Rezensionen zu Trio Mediæval
(Genre »Klassik«, Land »Norwegen«)

 

Soir, Dit-elle
(2004, ECM/Universal 1869)

So archaisch klingt das erste »Kyrie«, dass es eigentlich nur aus dem Mittelalter stammen kann. Doch weit gefehlt – der Ukrainer Oleh Harkavyy schrieb es im Jahr 2002, eigens für das norwegische Trio Mediæval, genau wie die anderen zeitgenössischen Kompositionen auf »SOIR, DIT-ELLE«.

Die Sopranistinnen Anna Maria Friman, Linn Andrea Fuglseth und Torunn Østrem Ossum klingen wie ein weibliches Hilliard Ensemble. Dieser Eindruck kommt nicht von ungefähr, denn der ehemalige Hilliard-Tenor John Potter hat die CD produziert, mit Gewicht auf glatter und den glasklaren Zusammenklang zugeschnittener Gestaltung. Wo die Hilliards viele Werke des Esten Arvo Pärt eingesungen haben, hat sich das Trio Mediæval von den Engländern Gavin Bryars, Ivan Moody und Andrew Smith sowie von Harkavyy ganz ähnliche Musik komponieren lassen: karge Harmonien, schlichte Melodien, die oft auf alte Marienlieder zurückgehen, wohl dosierte Reibungen. Die eingestreuten Sätze der Missa »Alma redemptoris mater« des Engländers Leonel Power, komponiert um 1440, verbinden und verwurzeln diese wunderbar zeitlose Neue Musik.

Eine Stunde mit unbegleitetem Soprangesang ist zwar nichts für Klassik-Berieselung aus dem Hintergund. Wer sich aber auf die spröde Strahlkraft der drei Ausnahme-Stimmen einlässt, entdeckt in der reduzierten Musik ungeahnte Tiefen. (sep)



Siehe auch:
Trio Mediæval & Arve Henriksen
Sinikka Langeland & Trio Mediæval

 Trio Mediæval: Soir, Dit-elle

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.triomediaeval.no

 

Folk Songs
(2007, ECM/Universal 2003)

Diese CD zu hören ist wie ein Schritt rückwärts in und seitwärts aus der Zeit. Das norwegische Frauen-Trio Mediæval, verstärkt durch Trommler und Mundorgel-Spieler Birger Mistereggen, hat sich auf seiner vierten Platte und zum zehnjährigen Bestehen des Ensembles der Musik seiner Heimat angenommen. Lieder, die die drei Frauen seit Kindertagen kennen und auch auch dem Hörer teilweise nicht unbekannt sind, wenn man »Dåm« vom Oslo Kammerkor oder die rockigen Folk-Varianten von Gåte im Ohr hat.

Tatsächlich werfen die drei Damen den klaren, harten Volkston in ihren ungeheuer sicheren Stimmen nicht über Bord, die Musik klingt wie für leere Landschaften und lange Winterabende gemacht: ebenso mystisch-meditativ bisweilen, wie sie mitreißend aufbrausen kann, wenn Mistereggen seine Trommel dröhnen lässt. Allein die altertümlichen norwegischen Dialekte, immer wieder ergänzt durch impprovisierte Silben und leicht aus dem Schema geschobenen Harmonien, sind Musik genug. Was mal wieder eindrucksvoll beweist, dass »Volksmusik« im Norden wirklich noch Volksmusik ist: lebendig, unkitschig, immer wieder neu. (sep)



Siehe auch:
Gåte

 Trio Mediæval: Folk Songs

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.triomediaeval.no

 

Aquilonis
(2014, ECM/Universal ECM New Series 2416)

Nach dem Ende des britischen Hilliard Ensembles rückt das Trio Mediæval zur vielleicht weltbesten kleinen Gesangsgruppe für den Zeiten übergreifenden Stilmix, den die Hilliard-Herren über vierzig Jahre so sehr perfektioniert und ausgelotet haben, dass es wohl konsequent ist, in Rente zu gehen. Doch da es sich bei dem skandinavischen Vokalensemble bekanntlich um drei Frauen handelt, kann von Konkurrenz und Nachfolgertum ohnehin nur bedingt die Rede sein, auch wenn John Potter diesmal wieder die Aufnahmen betreut hat. »Back to basics« also, wenn nach dem größtenteils mit Begeisterung aufgenommenen, aber doch eher sperrigen Hybrid aus 13. Jahrhundert und Bryars-Gegenwart »A Worcester Ladymass« und nach einigen Zusammenarbeiten mit anderen Musiken und Ensembles wie Bang On A Can wieder ein mehr auf vielseitige Liedersammlung bauendes Album folgt, eine Fortführung der überragenden Meisterwerke »Folk Songs« und »Soir, Dit-elle«?

Ja und nein. Die 20 Stücke auf »AQUILONIS«, dem sechsten ECM-Album des Trios, stammen zwar in der Tat wieder aus unterschiedlichsten Quellen, vom Italien des 12. Jahrhunderts über Irland im 14., englischen Weihnachtsliedern aus dem 15. und norwegischen Volksmelodien aus Nordmøre, Hallingdal und vom Nordfjord aus verschiedenen Jahrhunderten, bis hin zur Gegenwart mit eigenen Kompositionen, solchen von William Brooks, Anders Jormin und zudem wieder mehreren des 1970 geborenen Wahlnorwegers Andrew Smith. Und wie gewohnt beeindruckt die Interpretation dieser Auswahl durch hohe Konzentration und inneren Fokus, fließt ein Stück wie von einer großen, ruhigen Welle getragen ins nächste und ins übernächste, ganz anders als es das kontrastreich-dramatische Covermotiv (ein Motiv aus Manfred Eichers Frisch-Kinoadaption »Holozän«) andeutet.

Der entscheidende Unterschied dieser also scheinbaren Standard-Produktion des Trio Mediæval, und das wird nicht jedem ins Auge bzw. Ohr springen, ist eine Umbesetzung: Die 1967 in Voss geborene Berit Opheim, die uns bereits mit einigen eindrücklichen CDs zwischen norwegischem Folk und »Neuer vokaler Klassik« begeisterte, ersetzt seit kurzem die Ende 2013 ausgestiegene Torunn Ø. Ossum. Mit welcher Dichte und Homogenität dieses nach dem Nordwind betitelte zweite Debüt voller ätherischer, mitunter religiöser Musik auch imponiert — »AQUILONIS'« Durchführung lässt ausgerechnet etwas Variation und Herzblut vermissen. So geht eine durchaus starke CD tatsächlich als schwächste ins bisherige Gesamtwerk des Trios ein. (ijb)



Siehe auch:
Anders Jormin
Berit Opheim Versto
BNB
Anna Maria Friman & John Potter

 Trio Mediæval: Aquilonis

Audio-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.triomediaeval.no



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