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Alle Rezensionen zu Jon Fosse & Karl Seglem
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Dikt
(2006, Norcd NORCD0557)

Seltsam stammelnd liest Jon Fosse seine einsamen, rätselhaften, melancholischen, wunderschönen Gedichte: ganz unbeteiligt. Karl Seglem spielt Bockshorn dazu, und elektronische Klangschleifen, die sich um Fosses minimalistische Textschleifen herumwinden und für dessen Texte über Nacht und Licht, Ferne und Stille, Alltag und Natur Hallräume schaffen. Zehn Jahre zuvor hatten die beiden schon Fosse-Prosa gemeinsam eingespielt; nun ist die noch dichtere, noch artifiziellere Lyrik an der Reihe.

Es ist ein unlösbares Problem: Welche Musik passt zur Lyrik? Seglems Antwort ist nicht die schlechteste, der scharf gepresste Hornklang, das dunkle Pulsieren, ein bisschen Garbareks suchender Ton, ein bisschen Molværs tiefe Beats. Und doch sind Fosses Texte um so vieles kälter, unromantischer und ferner als diese Musik, dass die Ebenen oft nur nebeneinander stehen, statt sich (im Idealfall) gegenseitig zu verstärken. Ab und zu gibt es Kontakt: wenn Fosses wiederkehrende Motive sich verzahnen, wenn das zerstäubende »Alt Går Og Går« vor weiten Hallklängen seine engen Strophenkreise zieht. Oft aber sind die Textbilder selbst (»das schwarze Licht des Regens«) so stark und so abgründig, dass die Musik dagegen fast ein bisschen aufdringlich wirkt. Norwegisch sollte man schon können, wenn man diese Platte hört. Um eine Ahnung von der stillen Tiefe dieser Texte zu bekommen, in die die Musik nur ab und zu und nur von der Oberfläche aus hinabschaut. (sep)



Siehe auch:
Karl Seglem
Jan Garbarek
Nils Petter Molvær
Arve Henriksen

Jon Fosse: Dikt

Offizielle Website

Offizielle Website      www.samlaget.no

   

Prosa
(1996, Norcd NORCD9616)

Der karge, hypnotische Rhyhmus in Jon Fosses Prosa verlangt nach einer ebenso trockenen und kalten, entschnörkelten Musik. Seglem und, als immer gern gehörte Gäste, Arve Henriksen, Terje Isungset, Håkon Høgemo mit elektrischer Hardanger-Fele und Reider Skår als Elektroniker gelingt genau das: Sie stellen Fosses stockender, kalkuliert die Silben wiegender Stimme ein simples wie verzwicktes Sound-Universum zur Seite, ebenso nervös und manisch, wirr und gnadenlos, bodenlos einfach wie Fosses verlorene Gestalten. Das wird manchmal durchaus ungemütlich; ein Gefühl, das man von Fosse-Texten nur zu gut kennt: die Unruhe, die die endlosen Phrasen, Wiederholungen, kreisenden Gedanken der Figuren auslösen.

Es hilft natürlich, die norwegischen Texte zu verstehen, die voll versteckter Liebe, Wahnsinn, Wut und Verzweiflung sind, trotz aller sprachlichen Sprödigkeit. Aber auch so zwingt die gelungene Verbrüderung von Text und Klang zum Lauschen. Viel mehr noch als beim »Lyrik«-Projekt von Fosse/Seglem. Die Prosa-Symbiose ist einfach perfekt. (sep)



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