Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Arne Nordheim
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Electric
(1998, Rune Grammofon RCD 2002)

Nicht nur das Neue ist neu, auch das Alte kann einen mit seiner Aktualität bisweilen schockieren. Arne Nordheim ist so ein Klassiker: Er befreite vor 40 Jahren die norwegische Musik aus ihrer folkloristischen Endlosschleife – unter anderem mit elektronischen Mitteln. Im Studio des polnischen Radios komponierte er elektroakustische Werke, die Rune Grammofon nach langen Jahren wieder der Öffentlichkeit zugänglich machte, versehen mit einem vorbildlich informativen Booklet. Tatsächlich sind die fünf Tracks nicht nur für die norwegische Neue-Musik-Geschichte ein absoluter Meilenstein.

Denn was Nordheim damals, mit den technischen Begrenzungen von Tonband, Schere und primitiven Bearbeitungs-Tools, für eine faszinierende, atemberaubende, innovative Klangsprache fand, ringt noch heute Bewunderung ab, gerade im Vergleichshören mit zeitgleichen Werken aus den »Hochburgen« der damaligen elektronischen Musik in Köln und Paris. Assoziative, farbstarke Miniaturen begleiteten 1968 als »Elektronische Bilder einer Ausstellung« die Eröffnung des Henie-Onstad-Kunstzentrums in Oslo. Noisig und ungeheuer modern ist »Pace«, eine düstere Insektensprache, ebenso fremd wie faszinierend. Ein spannendes Konzept zeitverschobener Bandschleifen verfolgt »Polypoly«, das erst nach 102 Jahren wieder zu seinem Ausgangspunkt finden würde – eine ewige Musik. Alles verändert sich, gleichzeitig bleibt alles gleich, neu und bekannt: eine wunderbare Methapher für Nordheims gesamte Musik. (sep)



Siehe auch:
Biosphere / Deathprod
Cikada Duo
Popofoni
Sigurd Berge

Arne Nordheim: Electric

Offizielle Website

Offizielle Website      www.arnenordheim.com

 

Cikada Duo: Nordheim
(SACD, 2007, 2L/Musikkoperatørene 2L-039-SACD)

Arne Nordheim in Surround-Sound – das war dem Pionier der elektroakustischen Musik in Norwegen schon in den 60ern ein Bedürfnis. Zusammen mit dem Cikada Duo hat er nun vier Werke bearbeitet für Synthesizer, Elektronik und Schlagwerk; auf der SACD sind sie erstmals in 5.1 zu hören. Und nicht nur technisch ist die Aufnahme brillant, hier spielen Nordheims so typisch klangbewusste, ungeheuer wohlproportionierte Kompositionen mit dem klaren, mutigen Arrangement und vier hervorragenden Solisten zusammen.

Die CD öffnet tatsächlich neue Blicke auf Nordheim: darauf, dass auch elektronische Musik erneuerbar ist (was auch schon Biosphere und Deathprod in ihrem »NORDHEIM TRANSFORMED«-Projekt bei Rune Grammofon bewiesen hatten). Darauf, dass der »Großvater« der skandinavischen Elektronik vielen seiner Enkel immer noch ästhetisch weit voraus ist und sie und die Hörer noch lange nicht mit ihm fertig sind. Nordheim ist immer schon da: Synthie und Schlagzeug klingen manchmal wie nach Supersilent. Und wenn sich Elisabeth Holmertz schneidend klare, dann wieder samtweiche, biegsame Stimme in die Elektronikwelten einbettet, ist Susanna Wallumrød nicht weit. Dramatisch, melancholisch, fremdartig, vertraut: Nordheim ist ein weites, unerschöpflich spannendes Feld. Wie gut, dass seine Erben es weiter und weiter beackern. (sep)



Siehe auch:
Elisabeth Holmertz & Fredrik Bock
Biosphere & Deathprod
Cikada Ensemble
Cikada & Eivind Buene

Arne Nordheim: Cikada Duo: Nordheim

Offizielle Website

Offizielle Website      www.arnenordheim.com

 

String Quartets: Beethoven - Nordheim - Bartók
(SACD, 2010, 2L/Musikkoperatørene 2L-071-SACD)

In ihrer Streichquartettreihe beim Label 2L widmen sich die vier Musiker des Osloer Engegårdkvartetts hier einer ihrer typisch reizvollen Konfrontationen aus Klassikern des 19. Jahrhunderts, des früheren 20. Jahrhunderts und der weniger allgemein bekannten Avantgarde, in diesem Fall Arne Nordheims »Streichquartett 1956«. Wer beim Gedanken an eine solche eigenartige Kombination oder an die europäische Avantgarde der 1950er Jahre direkt einen Fluchtreflex verspürt, sollte diese Chance unbedingt wahrnehmen, sich eines besseren belehren zu lassen.

Bartóks kürzestes Quartett aus dem Jahr 1927 bildet den kraftvollen Abschluss und Höhepunkt des insgesamt 66 Minuten langen Programms, und das ergibt überraschend Sinn, da man Nordheims noch relativ einfach zu hörendes Frühwerk so wunderbar eingebettet erlebt in Beethovens »Harfen-Quartett« und die dissonante Zuspitzung von Bartóks Drittem, das offenbar auch für Nordheim als Inspiration diente. Überhaupt bekennt sich das Engegårdkvartett zu einem recht rohen, ungeschliffenen Tonfall, der nicht jedem Beethoven-Liebhaber zusagen dürfte, aber für die Gegenüberstellung mit den beiden Komponisten des 20. Jahrhunderts einiges an schlüssiger Anregung bereit hält.

Besonders ist auch die Qualität dieser Aufnahmen: Wie bei 2L bzw. Morten Lindberg üblich wurde für jede Komposition eine eigene Mikrofonierung im Raum und ein anderer Surround-Mix gewählt. Speziell in Nordheims Quartett fällt die radikale Separierung der Instrumente auf vier Richtungen auf. Das wird nicht jedem zusagen, passt aber zu Nordheims Haltung – und für den Fall des Missgefallens gibt es ja auch die »einfache« Stereo-Variante. Und auch die überzeugt in gewohnter 2L-Topqualität und Präsenz. Beethoven und Bartók wurden übrigens in der seltenen Aufstellung Violine1 - Viola - Cello - Violine2 eingespielt. (ijb)



Siehe auch:
Engegård Quartet: Grieg · Sibelius · Thommessen
Susanne Lundeng & Engegårdkvartetten

Arne Nordheim: String Quartets: Beethoven - Nordheim - Bartók

Offizielle Website

Offizielle Website      www.arnenordheim.com

 

Octophonia: Lidholm · Lutosławski · Sallinen · Nordheim
(2016, Simax/Naxos PSC1342)

Dan Styffe (*1957) ist zwar gebürtiger Schwede, jedoch seit Anfang der 1980er Jahre wesentlicher Teil der norwegischen Musikszene. Neben zahlreichen Alben in diversen Ensembles und den Werken vieler skandinavischer Komponisten ist »Octophonia« seine fünfte CD bei Simax, um die Vielfältigkeit zeitgenössischer Musik für Kontrabass zu erfahren und vorzustellen. Als Fokus dieses exzellent gewählten Programms dient zwar Arne Nordheim, der 2010 verstorbene, wohl einflussreichste Komponist in der norwegischen Musik des 20. Jahrhunderts; anders jedoch als die vielen sonstigen Nordheim-Einspielungen und -Hommagen wählt Styffe den inspirierten Ansatz der (losen) Querverbindungen zu anderen Großmeistern der Neuen Musik.

So beginnt die CD mit der fünfminütigen »Fantasia sopra laudi« des bereits 95-jährigen Schweden Ingvar Lidholm (*1921 in Jönköping). Das 1977 für Cello solo verfasste Stück interpretiert Styffe bravourös auf dem Bass, als eine Art Licht-Fantasie in der Tiefe. Ein intensives Gegenüber findet sie im ältesten Opus des Albums, Aulis Sallinens »Elegie für Sebastian Knight« (1964), das der finnische Meister mit Ende 20, vor seinen kraftvollen sinfonischen Großwerken ebenfalls für Cello solo schrieb. Wie der Titel deutlich macht, ist die vom Geiste der künstlerischen Avantgarde der 1960er geprägte Elegie inspiriert von Vladimir Nabokovs Roman – und eine echte Entdeckung, die Styffe überzeugend in die Gegenwart herüberholt.

Zwischen diese beiden setzt er klug ein Duett mit der Pianistin Ingrid Andsnes aus der Feder des Polen Witold Lutosławski (1913-1994), auch er einer der ganz Großen seines Landes. Als Entstehungsdatum von »Grave« mit dem Untertitel »Metamorphosen für Cello und Piano« gilt 1981, es stellt jedoch Bezüge zu seiner »Funeral Music« (es ist einem kurz zuvor überraschend verstorbenen engen Freund gewidmet) aus dem Jahr 1958 und zu Claude Debussys Oper »Pelléas et Mélisande« (1898) her. Ebenso soll es damals wechselseitige Inspiration zwischen Nordheim und Lutosławski gegeben haben, was Styffe dazu bewegte, es hier einzuflechten. Klanglich fehlt in diesem Stück ein wenig die Transparenz und Verletzlichkeit, die den Rest des Albums auszeichnet; ein starker Auftritt ist es gleichwohl.

Auf diese feinen einsätzigen Werke folgen Nordheims originär für Kontrabass komponierte, jeweils dreisätzige und gut 12-minütige »Partita für sechs Bässe« und »Three Stanzas« für Bass solo. Hier kommt das durchweg hervorragende Album zum kraftvollen Höhepunkt, zuerst in der Komplexität des Ensembles, das vergessen lässt, dass tatsächlich sechs Mal das gleiche Instrument auftritt und zu jedem Zeitpunkt dessen Reichtum feiert; dann in der fragilen Intimität von Nordheims ambitioniertem, etwas kargerem Spätwerk (1998), das eine komplexe Herausforderung für den Interpreten abgibt. Zum Abschluss des trotz seiner Vielfalt insgesamt sehr kompakt wirkenden Programms spielt Styffe Nordheims Cellostück »Clamavi«, bei dem im Beiheft ein Bezug zu Lutosławskis »Grave« suggeriert wird, da es ein Jahr nach jenem entstand; ebenso kehrt der Bassist auch die Nähe zum Stimm- und Choral-Bezügen von Lidholm und Sallinen heraus, womit sich weitere Bögen dieser CD bilden. (ijb)



Siehe auch:
Dan Styffe mit dem Tromsø Kammerorkester
Håkon Thelin
Thelin & Scodanibbio

Arne Nordheim: Octophonia: Lidholm · Lutosławski · Sallinen · Nordheim

Offizielle Website

Offizielle Website      www.arnenordheim.com



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2018, Design & Programmierung: Polarpixel