Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Beardfish
(Genre »Rock«, Land »Schweden«)

 

Destined Solitaire
(2009, Inside Out/SPV 80001363)

Es ist alles ein großes Spiel. Wir werfen die Bälle in die Luft und lassen sie die irrwitzigsten Kapriolen vollführen, bevor wir sie geschickt auffangen und von neuem auf die Reise schicken. Beardfish meistern auf ihrer dritten Veröffentlichung »DESTINED SOLITAIRE« mit schwereloser Selbstverständlichkeit eine Tour de Force quer über die weiten Wiesen des Retroprog. Besuchen die verspielten Folkies, die ernsthaften Jazzer, das aufmüpfige Zappa-Camp, die ernsthaften Haschbrüder und die langhaarigen Lederjackenrocker. Wagen sogar einen Ausflug auf die Nachbarkoppel und sagen kurz hallo zu den Hip-Hoppern und den Screamo-Kids. Und bleiben hinter all den Stilen, die sie sich hier überstreifen, doch immer sie selbst.

Die Schweden führen uns in ein Labyrinth der Zitate und rocken mit uns Walzer, bis uns schwindelig wird. Der respektlose Spaß und die Freude an der Selbstironie treiben diese Truppe an und lassen angenehm frische Luft durch die braungestrichenen Progressive-Wohnzimmer, wo man auf Teppichen sitzt und die Psychedik-Lampe unruhige Schatten wirft. Allerdings verfolgen sie diesen Ansatz schon seit Jahren. Ein echter Befreiuungsschlag, der sie aus ihrer schönen Nische holt, ist nicht in Sicht. Beardfish sind die souveränen Könige in ihrer Ecke des Gartens. Aber sie sollten sich dort nicht wohnlich wie Dauercamper einrichten. (emv)

 Beardfish: Destined Solitaire

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.beardfish.argh.se

   

Mammoth
(2011, Inside Out)

Bleibt alles anders? Erfinden wir uns immer wieder neu? Müssen wir das? Beardfish, die dem heiligen Ernst vieler Neo-Progressive-Alben gerne ein freches Lachen entgegensetzen, wollen auf ihrer sechsten Veröffentlichung »MAMMOTH« nicht die rotzfrechen Rebellen geben, sondern spielen souverän mit Versatzstücken ihrer früheren Werke: Ein ausgedehnter Flirt mit dem Jazz, wildes Wirbeln mit Mittelalter-Jahrmarktsmusik, Eintauchen in verschwurbelte Gegenwelten. Plus jeder Menge Lebensweisheiten zum Thema »lass ab vom schnöden modernen Erfolgsstreben«.

Nun! Das Aufmüpfen wollen die Vier um Sänger Rikard Sjöblom trotzdem nicht sein lassen: Hardrockig und bisweilen sogar mit Screamo-Vocals geht es hier zur Sache, nur um in einen taubengrauen Erik-Satie-Walzer auf Irrwege zu geraten. Ein klassisches Rocksaxophon ergreift kurzzeitig die Weltherrschafft. Die Keyboads von Sjöblohm blühen auf wie Pfingstrosen nach einer Überdosis Radioaktivität. Uff! Nein, das ist kein Schritt zurück. Aber ausnahmsweise nur ein halber Schritt vorwärts. (emv)

   

Sleeping In Traffic
(2008, Inside Out/SPV IOMCD 294)

Womit assoziiert man Progressive Rock am wenigsten? Genau: mit Humor und Verspieltheit und äähm – Walzerklängen! Mit Spaß haben, Ironie und Leichtigkeit. Lachen tun die Schweden von Beardfish auch auf der »Nachtseite« ihres Gesamtkunstwerks »SLEEPING IN TRAFFIC PART TWO« gerne – mit Vorliebe für die Subkategorie grober Humor. Was ist die Horrorvorstellung für jeden echten Mann? Nach einer durchzechten Nacht morgens mit schwerem Kopf neben einem anderen Kerl aufzuwachen und sich vage daran zu erinnern, dass der Sex gut war!

Beardfish kennen keine Berühungsängste vor Glam, Hardrock, Tingeltagel oder Zappa. Das macht den Charme der respektlosen Truppe aus. Testosterongesteuertes Gitarrensoli dürfen nicht fehlen. Über blöde Witze lachen können ist Teil des Vergnügens. Leider neigen die Schweden dann aber letzendlich zu stark zum genrebedingten Ausufern. So lang kann die Nacht doch gar nicht sein! (emv)

   

Sleeeping In Traffic: Part One
(2007, Inside Out/SPV 79492)

Wer mit einem Fuß in der Vergangenheit steht, muss nicht die eigene Kreativität in die Besenkammer gesperrt haben. Dass das Quartett um Sänger und Multiinstrumentalist Rikard Sjöblom viel klassischen Progressive Rock der Siebziger von Genesis bis King Crimson gehört hat und gerne in haschischvernebelte Fabelwelten blickt, ist nicht zu überhören. Das ist das Fundament, auf dem die Schweden ihren eigenwilligen Überbau errichten. Mit anarchischem Gitarrengeschrammel, an dem Frank Zappa seine Freude hätte. Das Keyboard hat das Ego eines Kleinplaneten und spielt sich auf Augenhöhe mit der E-Gitarre. Die ultimative Diva auf der dritten Veröffentlichung »SLEEPING IN TRAFFIC: PART 1« aber ist die Stimme von Sjöblom. Unter den Prog-Sängern ist er die Callas. Dieser Hang zum Melodram!

Mystisch, melancholisch, episch. Mannomann. Beardfish können alles. Von der verspielten Pianoballade bis zum Synthiegeschwurbel. Von Jazzanklängen über leise Sozialkritik bis zum Herzschmerz-Tränendrücker »Without You«. Langweilig wird es hier nicht, auch wenn die Vorliebe für überlange Songs zwischendurch ein wenig ausartet. Was lernen wir? Es gibt kreative neue Progmusik auf diesem Planeten. (emv)



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2019, Design & Programmierung: Polarpixel