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Alle Rezensionen zu Jan Garbarek
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Dansere
(3 CDs, 2012, ECM/Universal ECM2146-48)

In den Augen vieler jüngerer Jazzliebhaber ist Jan Garbarek vor allem dieser etwas überhebliche, musikalisch glatte bis langweilige Saxofonist, der seit Jahrzehnten den typischen ECM-Sound reproduziert, mal mehr, mal weniger akkurat. Dass Garbarek auch mal jung war und diesen »typischen ECM-Sound« in den Anfangstagen des Labels grundlegend mitgeprägt hat, wird heute gern mal vergessen. Allen, die sich mit Garbarek zuletzt eher langweilen oder nur die späteren Phasen ab den 1980er Jahren kennen, allen, die Garbareks frühe Werke noch auf abgenudelten LPs haben, und allen, die den Altmeister und Popstar des norwegischen Saxofonspiels kaum mehr als dem Namen nach kennen, sei diese unscheinbar aufgemachte 3-CD-Box aus ECMs exzellenter Retrospektive-Serie innigst ans Herz gelegt. Anders als etwa bei den zeitgleich erschienenen Rypdal- und Jarrett-Retro-Sets gibt es hier keine ungehörten Schätze zu entdecken, doch das macht gar nichts. Die drei wahrlich klassischen Alben bestehen den Test der Zeit mühelos.

Irreführend ist allenfalls, dass die Box mit »DANSERE« den Titel des dritten der darin enthaltenen Alben teilt, würde man doch ein Reissue mit unveröffentlichtem Material erwarten. Auch die Auswahl der drei 1971, '73 und '75 eingespielten Platten ist subjektiv, handelt es sich hierbei doch weder um die drei ersten, noch um drei direkt aufeinander folgende und ebenso wenig um die allgemein als »beste« Alben Garbareks betrachteten. Und während auf »SART« noch Terje Rypdal und Arild Andersen mitwirkten, erschienen »WITCHI-TAI-TO« (häufig als Garbareks einflussreiches Meisterwerk angesehen, obgleich ausgerechnet hier keine der Kompositionen von ihm selbst stammt) und »DANSERE« als »Jan Garbarek - Bobo Stenson Quartet«, natürlich mit Bassist Palle Danielsson und Schlagzeuger Jon Christensen.

Ja, jede der drei Platten lohnt das Wiederhören oder Neuentdecken so sehr wie wenige andere ECM-Alben der 1970er. Wer sie nicht kennt, sollte dies als Bildungslücke vermerken. Um auszuführen, worin die herausragenden Qualitäten dieser Musik liegen, fehlt hier der Platz. Dafür sei auf Einzelbesprechungen der Alben verwiesen. Doch besonders beeindruckend zu erleben ist - und oft vergessen, wie phänomenal das Pianospiel des damals kaum bekannten Bobo Stenson diese drei Alben prägte, bevor die übrigen drei Bandmitglieder als »Keith Jarretts europäisches Quartett« zu Weltruhm kamen. »DANSERE« ist ebenso Stensons Box wie Garbareks. Und darum doppelt erstklassig. (ijb)



Siehe auch:
Bobo Stenson
Terje Rypdal
Arild Andersen
Jarrett / Garbarek / Danielsson / Christensen


Zum Artikel über Jan Garbarek

Jan Garbarek: Dansere

   

In Praise Of Dreams
(2004, ECM/Universal 981.106-8)

Mit der klassischen Bratschistin Kim Kashkashian und dem Drummer Manu Katché – willkommen zurück, Du warst immer der beste Stock-Schwinger bei Garbarek – bewegt sich der stille Saxofonist erneut zwischen elegischer Kammermusik und schwelgender Folklore-Träumerei. Bei »In Praise Of Dreams« z.B. legt Katché einen hintergründigen Loop, über dem Garbarek und Kashkashian im Frage- und Antwortschema die vollmundigen Motive drehen und wenden.

»One Goes There Alone« als anderes Ende des Spektrums hat alle Fröhlichkeit abgeschüttelt und lässt Saxofon und Bratsche im skaral-sinfonischen Wechselspiel sich aneinander abarbeiten. Dank Verzicht auf unnötig süßlichen Schönklang hört man dem Sax-Superstar gern dabei zu, wie er seine distinguiert-scheue Jazz-Spielart weiter perfektioniert. (peb)



Siehe auch:
Manu Katché

   

Rites
(1998, ECM/Universal 559.006-2)

Garbarek – inzwischen ein Superstar – kann (fast) alles tun, was er will; seine Anhänger folgen ihm trotzdem. So kann er seine Hörer drei Jahre auf »RITES« warten lassen, sich den Luxus leisten, 100 Minuten Musik auf zwei CDs verteilen (wo andere das eineinhalbfache unterbringen) und Lieder abliefern, die teils Pink Floyd (!) näher sind als dem Jazz und teils zum Gähnen langweilig oder verkitscht sind.

Traurig, aber wahr: Garbareks Riten wirken oftmals unentschlossen und pendeln zwischen Bombast, modernen Grooves einerseits und – ja, auch das – melodischer Brillanz andererseits. Denn neben Ausrutschern findet man eben auch berückende Melodien und archaische Rhythmik, meist von Marilyn Mazur. Weiterer Gast: Bugge Wesseltoft. (peb)



Siehe auch:
Bugge Wesseltoft
Marilyn Mazur's Future Song

   

Visible World
(1996, ECM/Universal 529.086-2)

Die bereits bei »I TOKK UP THE RUNES« und »TWELVE MOONS« geglückte Rezeptur wurde ein weiteres Mal strapaziert – und hier in diesem Fall überstrapaziert: Garbareks Truppe – im Kern Rainer Brüninghaus, Eberhard Weber, Manu Katché und Marilyn Mazur – überzieht den melodisch simpel gestrickten Folk-Jazz mit noch mehr Zuckerglasur; Disharmonien werden komplett ausgesperrt.

Das war zuviel des Guten: Garbareks melodramatisches Faible hatte sich auf »VISIBLE WORLD« nicht mehr unter Kontrolle und tappte - trotz liebenswerter Jazz-Kleinodien und Mari Bone sowie Trilok Gurtu – des öfteren in Kitsch-Fettnäpfe. Die instrumententechnische Beherrschung muss wie immer gelobt werden: Garbareks vollendeter Ton jubiliert, und Katchés Puls läuft wie ein Uhrwerk auf Hochtouren. Das hilft jedoch kaum weiter angesichts der gefühlsduseliger Songs wie »The Healing Smoke« oder »Desolate Mountains«. (peb)

   

I Took Up The Runes
(1990, ECM/Universal 843.850.2)

Was gibt es zu Jan Garbarek noch zu sagen? Der Sopran- und Tenor-Saxofonist hat sich mittlerweile – nicht nur bei Jazzfreunden – als Institution etabliert und von den frühen Avantgarde-Experimenten bis hin zu Fahrstuhl-Muzak alle musikalischen Höhen und Tiefen durchlebt. Er hat sich im Laufe seiner Karriere stilistisch enorm weiter entwickelt und als einer vn wenigen Europäern auch im internationalen Jazz einflussreiche Spuren hinterlassen.

Die »RUNES« zählt zweifellos zu seinen Meisterwerken, da er hier besonders schlüssig norwegische Folklore-Einflüsse zu integrieren begann. Nur wenige Norweger schaffen es so wie er, die Weite, Klarheit und Faszination seiner Heimat derart atmosphärisch darzustellen – was Kritiker beim Hören seiner Musik meist über die regnerische Fjordlandschaft fabulieren lässt. Man könnte ihm jedenfalls endlos zuhören, wenn seine Lieder nicht schon durch den Missbrauch in zahllosen Norwegen-Diavorträgen so abgegriffen wären. Als Gäste treten neben Bugge Wesseltoft die Sami-Sängerinnen Mari Boine und Ingor Ántte Áilu Gaup auf. (peb)



Siehe auch:
Jan Garbarek Group
Mari Boine
Anja Garbarek
Bugge Wesseltoft

   

All Those Born With Wings
(1986, ECM/Universal 831.394-2)

1986. Damals durfte man noch ein Nordlicht großformatig aufs CD-Cover nehmen und einer CD einen solch ätherischen Titel geben. Jan Garbarek lässt sich ganz alleine im Studio durch seine Musik treiben, im Geiste vermutlich vereint im synchronen Flügelschlag mit seinen ätherischen Wesen: »ALL THOSE BORN WITH WINGS«.

Zu hören gibt's (natürlich) viel Saxofon, oftmals gedoppelt und sich in disharmonischen Intervallen und regelrechten Aufschreien aneinander reibend, aber auch viel sphärische Keyboards, Piano, Flöte und nicht zuletzt rhythmisches Geklimper, wie es auch schon auf »ROSENSFOLE« zu finden war. Nett zum Träumen und Treibenlassen, aber etwas langatmig und arm an Variationen. (lha)



Siehe auch:
Agnes Buen Garnås & Jan Garbarek



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