Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Jana Winderen
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Energy Field
(2009, Touch TO:73)

Die Instrumente, die bei Jana Winderens Album »ENERGY FIELD« zum Einsatz kamen, sind vier Unterwassermikrofone (bitte auf Wikipedia nachlesen), DPA-4060-Lavaliermikrofone, ein parabolischer Reflektor und ein Sound Devices 744 (digitales Aufnahmegerät). Klar, wenn auf anderen CD-Covers vermerkt ist, dass Reeds-Saxofon, Stratocaster-Gitarre und bestimmte Schlaginstrumente verwendet wurden, ist Winderens Information absolut berechtigt. Wichtiger jedoch ist, wo diese Instrumente zum Einsatz kamen, nämlich auf Reisen in Nordnorwegen, der Barentssee, Russland und Grönland. Dies ist also wirklich Nordische Musik!

Zusammen mit Mika Vainios »Fe3O4«, Hildur Guðnadóttirs »Leyfðu Ljósinu« und Thomas Köners »Novaya Zemlya« bildet »ENERGY FIELD« aktuell eine superbe Reihe nordischer Klangforschungs-Avantgarde beim Label Touch, minimalistisch, präzise und komplex zwischen Komposition und Experiment; radikale Soloalben mit teils meisterlichen Ergebnissen. Während der Finne Vainio mit elektrischen und analogen Klanggeneratoren, die Isländerin Guðnadóttir allein mit dem Cello arbeitet, benutzt die Norwegerin nur Mikrofone in der Natur. So auf dem Papier klingt das natürlich stinklangweilig - ist es aber nie! Das liegt zum einen an den Klängen, die die Künstlerin gesammelt hat, in der windigen Weite Grönlands, wo hin und wieder ein Rabe oder ein Hund zu hören ist, in Gletschern, wo das Eis knackt, knarzt und knurrt, in Fjorden und in der Tiefsee, wo sich Krustentiere bewegen und verschiedene Fischarten in der Kommunikation Geräusche produzieren. Zum anderen frappiert und beeindruckt Jana Winderens Leistung, all diese Tonspuren zu editieren, miteinander zu kombinieren, zu collagieren und so ein dichtes, höchst eindringliches musikalisches Werk zu modellieren.

»ENERGY FIELD« ist eine tolle, eine großartige CD, egal welche Stilschublade man zur Einordnung bemüht. Ob nun Ambient, Avantgarde, Sound Arts, Noise oder Neue Musik / Zeitgenössische Komposition, alles wäre passend, und in jedem dieser Genres ist dieses 50-minütige Werk herausragend. Und es muss betont werden, dass dieses Urteil ebenso gilt, wenn man gar nichts über den Entstehungsprozess weiß. Jana Winderens Album ist alles, was gute Musik sein muss: Emotional intensiv, intellektuell anregend, technisch vollendet, klanglich dicht, stilistisch grenzenlos und künstlerisch so herausfordernd wie überzeugend. (ijb)



Siehe auch:
Mika Vainio (Finnland)
Hildur Guðnadóttir (Island)
Hanna Hartmann (Schweden)
Thomas Köner (arktische Region)

Jana Winderen: Energy Field

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.janawinderen.com/

   

Debris
(LP, 2012, Touch Tone454, White Label)

Nach Biosphere, BJ Nilsen und The Sight Below ist die Klangkünstlerin und -forscherin Jana Winderens »DEBRIS« die vierte 12"-Veröffentlichung in der White-Label-Reihe Tone 45 beim ambitionierten englischen Label Touch. Zu entdecken sind zwei Aufnahmen, die für vierkanalige Installationen entstanden sind. Die erste, »Scuttling around in the Shadows«, war Anfang 2011 in Montreal zu erleben. Auch wenn der Surroundeffekt beim Stereo-Vinyl leider fehlt, stellt sich hier doch das ungewohnte Gefühl ein, dass die kühle und feuchte Stimmung einer Tropfsteinhöhle ins eigene Wohnzimmer zu Besuch kommt.

In Verbindung mit dem Knistern der Schallplatte, das auf reizvolle Weise diese Soundscapes erweitert, entwickelt sich so wunderbar eine Art organischer Rhythmus. Die längere Seite »Drying Out in The Sun« entstand für eine öffentliche Installation im September 2011 unter freiem Himmel im Scaniaparken in Malmö. Passende Vergleiche zu den Arbeiten des Kollegen Thomas Köner wurden hierzu gemacht, weil eine kahle, fast feindselige Stimmung von Wasserdruck mit feinen Oberflächen kontrastiert. (ijb)



Siehe auch:
Biosphere
BJ Nilsen

   

Heated: Live In Japan
(2009, Touch Tone 36)

Das Verborgene und Fremdartige hörbar machen: So könnte man Jana Winderens musikalisches Programm beschreiben. Die Umsetzung ihrer Ideen betreibt sie mit dem Neuesten, was die Aufnahmetechnik zu bieten hat – taucht sie doch ihre Mikrofone in die Tiefen des Ozeans und ins Knackende, nur scheinbar stille Innere isländischer Gletscher. Und doch ist sie keine reine Klangquellenforscherin – wie diese Live-CD aus Japan zeigt. Denn in der Konzertsituation mischt Jana Winderen ihre vorgefundenen, aus der Tiefe ans Licht geförderten Klangfundstücke zu einem dramaturgisch durchgeplanten Ganzen.

Das jedoch bleibt, wie sollte es anders sein, immer fremdartig und auf dunkle Weise faszinierend. Die Klänge aus der Tiefe sind dröhnend und kalt, sie könnten ebenso aus der Tiefe von Klangerzeugungssoftware und Soundgeneratoren stammen – wenn da nicht diese Aura von blinder Stärke und Naturgewalt wäre, die das Wummern, Rauschen, Pochen und Wabern von Wasser- und Eismassen umgibt. Nur eine halbe Stunde (mehr als lang genug) dauert diese Reise in die Tiefe. Spätestens dann muss man auch wieder emporkommen und nach Luft schnappen. Denn auf Dauer ist es zu kalt und finster da unten. (sep)



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2019, Design & Programmierung: Polarpixel