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Alle Rezensionen zu Dánjal
(Genre »Pop«, Land »Färöer«)

 

Time
(2014, Tutl/Cargo)

Moritaten! Mini-Melodramen! Schrulliger-Experimentalop! Vaudeville-Wütereien! Nordland-Rap! Angetüterte Countrysongs! Für Dánjal tut es nichts zur Sache, dass diese musikalischen Genres alles andere als artverwandt sind. Denn der Musiker von den Färöer Inseln macht es auch auf seinem Longplayer »TIME« zu seinem ureigenen Markenzeichen, all diese Stile überzeugend für seine eigene, im positiven Sinne anarchische musikalische Weltsicht einzuspannen. Und dabei keineswegs widersprüchlich zu klingen, sondern viel eher wild und ungezähmt! Auf seinem neuesten Werk beschäftigt sich Dánjal mit komplexen Themen wie der Elastizität von Zeit und dem universellen Phänomen der Angst vorm Ertrinken. Holla!

Aber keine Bange, Furcht vor intellektuellem Spitzfindigkeiten muss man hier nicht haben, da Dánjal und sein Ensemble talentierter skandinavischer Mitmusiker viel zu lebendig und wirbelig sind, um sich in dunklen Büchergruften zu vergraben. Die Songs hat der Färinger übrigens in enger Zusammenarbeit mit dem finnischen Mandolinenspieler Kim Nyberg geschrieben - und gemeinsam lassen die beiden Musiker die buntesten Leuchtraketen gen Himmel steigen. Und bloß jetzt nicht denken, hier werde einem ein Übermaß heftiger Gefühle präsentiert! Denn in feinen Tracks wie »Raindrops« kann Dánjal zwischendurch sanfte, fast schon nachdenkliche Töne anschlagen. (emv)



Siehe auch:
Rhododendron String Band
Big Bombastic Collective
Sekten

 Dánjal: Time

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.myspace.com/danjalmusic

   

The Bubble
(2012, Peregrina Music/In-Akustik PM 50642)

Im Berlin der 20er Jahre hätte Dánjal á Neystabø bestimmt im Ensemble der Dreigroschenoper mitgemischt. Vielleicht sogar als Mackie Messer! Denn der Musiker von den Faröer Inseln zelebriert auf seinem zweiten Album »THE BUBBLE« die Kunst des Expressiven. Balanciert mit bühnenreifer Präsenz zwischen Klezmer-Tradition und Kabarett-Effekten. Ganz zu schweigen von der Seefahrer-Ballade und der steifen Brise rauher Atlantikluft, die immer wieder unvermutet durch die Songs bläst. Dánjal hat zahlreiche talentierte Mitmusiker aus den skandinavischen Ländern mit an Bord geholt, die für einen erdigen, satten, lebensfrohen Sound sorgen. Aber für Betulichkeit nichts übrig haben: Allein die nervenaufreibenden Tempowechsel in »Blow The Bubble« sorgen für Herzflattern, gegen das die seelenverwandte Amanda Palmer von den Dresden Dolls nichts einzuwenden hätte.

Um die medial aufgebauschten Blasen des modernen Individualismus-Kults geht es hier inhaltlich - aber um wehleidige Kulturkritik schert sich Herr Neystabø zu allerletzt. Eher geht es ihm um Achterbahnfahrten durch das Universum der Traditionen und Befindlichlichkeiten. Emotionaler Höhepunkt des Albums aber ist die fein zum perlenden Piano angelegte Ballade »Bring Me Along«, die sich zu melodramatischen Alltagsabenteuern aufschwingt. Immer mit einer dezidiert rebellischen Attitüde. Hach! (emv)

   

The Palace
(2009, Peregrina Music/In-Akustik PM50582)

Tom Waits? Kaizers Orchestra? Bei Dánjal á Neystabø – Sohn der färöischen Sozialdemokratin Helena á Neystabø – rumpelt und kratzt und schlingert und holpert es ähnlich ausgelassen wie bei den norwegischen Kaizers oder angeschrägten osteuropäischen Folkrock-Blues-Tango-Cabaret-Truppen. Große Geste, großes Theater, rauh-kratzige Stimme, Dreck von der Straße unter den Fingernägeln und alles irgendwie surreal, wie in einem tschechischen Kindertheater.

Dánjal ist ein musikalischer Magier, und er weiß das. Als Schauspieler und Sänger, der den Zuhörer mit einer fast so verlebten Stimme wie (der frühe) Tom Waits und Joe Cocker beim Schlafittchen packt und heftig durchschüttelt, weiß er, wie man den Spannungsbogen über eine CD-Länge aufrecht erhält. Live lässt er meist im Trio ordentlich Dampf ab, aber auf seinem Debüt torkelt er mit 16 Musikern zwischen laut und leise, versunken und exaltiert, gemächlich und rasend. (peb)



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