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Alle Rezensionen zu Popol Ace
(Genre »Rock«, Land »Norwegen«)

 

Curly Sounds
(1978, Polydor 2383 498)

Hoppla, was ist denn hier passiert? Hat eine kleine Gehirnwäsche stattgefunden? Mit ihrem letzten Album »CURLY SOUNDS« vollziehen die klassischen Prog-Rocker Popol Ace eine völlige Kehrtwendung in Richtung 70er-Jahre Mainstream. Huldigen dem angesagten Disco-Sound. Wandeln wenig überzeugend auf den Spuren der Commodores, mit Hochglanz-Synthie-Einsatz und mehrstimmigen Harmoniegesängen. Flirten mit dem Opern-Rock-Bombast von Queen, den überkandidelten Klängen des Electric Light Orchestra und sogar mit den damals völlig neuartigen Reggae-Beats. Hallo?

Aber der Reihe nach. 1975 mussten die Norweger, ursprünglich als Popol Vuh unterwegs, auf ihren Namen verzichten, da die »echten« deutschen Namensvettern mit rechtlichen Schritten drohten. 1977 verließ Sänger und Aushängeschild Jahn Teigen die Band. Wie die Fama es will, bestand das Plattenlabel auf der radikalen Kehrtwende in Richtung eines poppigen Saturday-Night-Fiebers. Und was hat es genutzt? Der neue Frontmann Asbjørn Krogtoft kann die Intensität seines Vorgängers nicht erreichen. Das Album ist zwar professionell arrangiert, kommt aber daher wie ein kritikloser Abklatsch der US-Vorbilder, obwohl die bisherige musikalische Identität der Band in Momenten aufblitzen darf. Die verordnete Gehirnwäsche resultiert in einer leblosen Sterilität. Das Publikum lässt sich indessen nicht bis zur Schmerzgrenze manipulieren: »CURLY SOUNDS« ist in Norwegen nicht nur künstlerisch, sondern auch kommerziell ein Misserfolg. Popol Ace lösen sich danach sang- und klanglos auf. Richtig freuen kann man sich über ein solches Ende nicht. (emv)



Siehe auch:
Popol Vuh

 Popol Ace: Curly Sounds

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.myspace.com/popolaceprog

   

Popoloddities
(2003, Polydor/Universal 0675742)

Manchmal fragt man sich sich, ob die Plattenfirmen ihren eigenen Untergang nicht selbst durch Gier heraufbeschworen haben. Durch die Gier, noch das letzte Quäntchen Profit aus einem einstigen Leistungsträger herauszupressen. Aus Popol Ace etwa, einer der populärsten norwegischen Progressive-Rock-Bands der 1970er. Und aus dem unbestreitbaren Charisma ihres Sängers Jahn Teigen. Popol Ace haben sich bereits Ende der 70er aufgelöst »POPOLODITIES« ist eine lose Sammlung aus Single-Veröffentlichungen, Demoversionen und Live-Aufnahmen, die nun Jahrzehnte später daherkommt, ohne überzeugenden Grund.

Was hier entscheidend fehlt, ist ein roter Faden. Ist durchgehende Qualität. Schön, man kann sich darüber freuen, Jahn Teigen in Aufnahmen zu hören, die man vorher noch nicht kannte. Darüber nachsinnen, ob man ihn mit Fug und Recht als norwegischen Van Morrison bezeichnen kann. Sich an Balladen, Bluesigem und Rockigem delektieren. Aber auf die Cover-Version von »Hi-De-Ho« hat keiner gewartet. Mögen Popol Ace hoffentlich von nun an in Frieden ruhen dürfen. (emv)

   

Stolen From Time
(1975, Polydor 2480 332)

Erhaben. In majestätischer Bewegung. Hätten Songs Satzbezeichnungen wie in der Klassik, käme man bei Popol Ace um diese Standortsbestimmungen nicht herum. Puuuh, im Zeitgeist dick aufgetragen, diese kathedralengroßen Gefühle, dargeboten in entschlossenster Ernsthaftigkeit. Auf »STOLEN FROM TIME«, der ersten Veröffentlichung nach der erzwungenen Namensänderung, versuchen die Norweger angestrengt, es allen recht zu machen: eine tiefe Verbeugung vor den bewunderten Heroen von Genesis bis Yes und deren nachhaltiger Definition des symphonischen Progressive Rock. Und gleichzeitig in Ansätzen die andere Zeitströmung bedienen, die angeberhafte Entwicklung des Disco- und Weiße-Jeans-Trägerkults. Und die Gefühlsduseligkeit des radiokompatiblen Classic Rock sowieso.

Geht das zusammen? Irgendwie nicht. Aber die charakteristische Stimme von Jahn Teigen schafft zumindest eine fragile Balance zwischen den Stilen. Kann auf Dauer aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Popol Ace offenkundig nicht wissen, wohin die musikalische Reise gehen soll. Der Schwanengesang hat hier bereits eingesetzt. Einige schöne Keyboard-Soli und des Sängers lustvolles Jammen versüßen uns die Zeit bis zum Leichenschmaus. (emv)



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