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Alle Rezensionen zu Hildur Guðnadóttir
(Genre »Avantgarde«, Land »Island«)

 

Lost In Hildurness: Mount A
(2006, 12 Tonar 12t030)

Was soll das sein, eine Cello-Platte? Das hört sich nach Apokalyptika an, klingt aber gottlob genau nach dem Gegenteil. Hildur Ingveldardóttir Guðnadóttir heißt die junge Lady hinter diesem Solo-Album, das keines ist, weil sie mit endlosen Multiplikationen von sich selbst spielt, vielen Cello-Spuren, Harfe, Gambe, Vibraphon und Stimme. Mit Múm hat sie schon gespielt, mit Skúli Sverrisson, Pan Sonic, Jóhann Jóhansson, Stillupsteypa undundund. Für »MOUNT A« zog sie sich in ein Holzhaus zurück – und heraus kam ein Bündel Traurigkeit wie aus dem finsteren Inneren eines Schneckenhauses.

Dunkle Flächen, alles Moll in Moll, wabernd und verwoben, dunkel wogend und voller wohlplatzierter Dissonanzen, im Hintergrund metallenes Klimpern oder seltsam fremd gestimmte Harfentöne. Minimalistisch ist das und gleichzeitig bodenlos, seufzend und klagend und bestens denkbar für einen Film von Darren Aronofsky; Musik wie ein wucherndes Schattengewächs. Doch dann, oh Wunder, öffnet Hildur im letzten Track die Tür, und siehe, es wird Sommer: Endlich klart die Musik auf, beginnt zu rotieren, schraubt sich in lichte Lagen, noch etwas ungewohnt in leicht verstimmtem Dur, aber mit Vogelzwitschern im Hintergrund. Und ganz zaghaft wird daraus eine Hymne, zehn Minuten stille, strahlende Freude. »You« heißt der Track: Der einsame Winter ist vorbei. (sep)



Siehe auch:
Múm
Skúli Sverrisson
Nordic Affect
Pan Sonic

Hildur Guðnadóttir: Lost In Hildurness: Mount A

Offizielle Website

Offizielle Website      www.hildurness.com

 

Hildur Guðnadóttir: Without Sinking
(2010, Touch/Morr Music / Anost TO:70CD)

Man muss nur zum Beispiel das frühe Album »MOUNT A« gehört haben und ein bisschen über Hildur Ingveldardóttir Guðnadóttir lesen – dann wird klar, dass auch »WITHOUT SINKING« wohl kein lichtdurchflutetes Sommeralbum sein wird. Mit Jóhann Jóhansson hat die Cellistin schon zusammengearbeitet – mit dessen ganz ähnlichem Faible für melancholisch wuchernde Streichersymphonik. Oder mit Throbbing Gristle, den britischen Industrial-Veteranen – daher der Wille zur Avantgarde. Eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis »Fountain«-Regisseur Darren Aronofsky für den nächsten tiefschwarzen Soundtrack das Kronos-Quartett gegen Hildur tauscht.

Denn »WITHOUT SINKING« ist, im Vergleich zu »MOUNT A«, noch fokussierter, noch präziser dunkel getüncht – gleichzeitig sind die Trennlinien zwischen den Dunkel-Stufen noch schärfer gezogen. Über rauen Flächen im Bassregister schichtet die Musikerin schluchzende Melodien und manisch pochende Pulse – harmonisch ausgesucht, blitzsauber intoniert und mit einem untrüglichen Gefühl für Dramaturgie und Timing. Konnte man in »MOUNT A« noch grübelnd abtauchen, so muss man hier zuhören und sich sehenden Auges runterziehen lassen. Sicherlich kein Album für laue Sommernächte, wie gesagt, und zu häufiges Hören wäre für die seelische Balance sicher auch nicht ratsam. Aber solche dunklen Alben-Perlen warten geduldig im CD-Regal – irgendwann braucht man sie. (sep)



Siehe auch:
Jóhann Jóhannsson
Nordic Affect

Hildur Guðnadóttir: Hildur Guðnadóttir: Without Sinking

Offizielle Website

Offizielle Website      www.hildurness.com

 

Hildur Guðnadóttir: Leyfðu Ljósinu
(2012, Touch TO:90 / TO:90USB)

Kann die Meinung von einem, der schon die bisherigen (Solo-)Alben von Hildur Guðnadóttir als zu simpel und überschätzt beurteilt, wohl rechtes Gewicht haben, wenn es nun um ihr neues, noch viel einfacher angelegtes Werk geht? Dieses schlägt, das ist schon mal positiv, einen neuen Weg ein, und die Überraschung kommt gleich zu Beginn: Guðnadóttir hat György Ligetis irrlichterndes »Lux Aeterna« neu aufgenommen, als Interpretation mit Cello und Drones. (Für die Nicht-Spezialisten sei erläutert: »Lux Aeterna« erlangte große popularkulturelle Berühmtheit in der Szene in Stanley Kubricks »2001«, wenn der Moon Bus geräuschlos dahinschwebt.) Und in der Tat: »LEYFÐU LJÓSINU« heißt übersetzt so viel wie »Lass das Licht zu«; der Bezug zu Ligeti kommt also nicht von ungefähr.

Die mittlerweile Dreißigjährige wagt weitere Schritte ins »ernste neoklassische Fach«. In dieser Hinsicht schreibt ihr neues Album, das nicht nur als Stereo-CD, sondern auch als Multikanal-Version auf einem 2GB-USB-Stick in von der Künstlerin handgefertigem Papiercover erhältlich ist, das Duo mit Hauschka fort. Doch »LEYFÐU LJÓSINU« ist sperriger, ein vierzigminütiges Avantgarde-Stück für Cello, Stimme und Elektronik, das Guðnadóttir im Januar 2012 im Music Research Centre der Universität New York aufgenommen hat; allein und ohne Overdubs, muss betont werden. In ihrem Minimalismus und der Melodieführung näher an Ambient als an »Neoklassik«, erinnert das Werk an Akustik&Drone-Musik von Nico Muhly oder Machinefabriek mit Aaron Martin. Oder aber an den ebenfalls eher dronig ambienten Impro-Minimalismus des Trios »Microtub«.

Hildur Guðnadóttir will es offenbar niemandem recht machen, sondern Music Research betreiben. Wem soll man »LEYFÐU LJÓSINU« also empfehlen? Sicher weniger jenen, die bei »MOUNT A«, »WITHOUT SINKING« oder bei Wohlfühlambient leuchtende Augen bekommen, als Freunden anspruchsvoller Grenzgänge. (ijb)



Siehe auch:
Angel
Hildur Guðnadóttir & Hauschka
Jana Winderen

Hildur Guðnadóttir: Hildur Guðnadóttir: Leyfðu Ljósinu

Offizielle Website

Offizielle Website      www.hildurness.com



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