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Alle Rezensionen zu Kemialliset Ystävät
(Genre »Avantgarde«, Land »Finnland«)

 

Alas Rattoisaa Virtaa
(2014, Dekorder 075)

Wie soll man einem Unbedarften diese obskurse Wirbelzwirbelchaosmusik beschreiben? Free-Folk? Freak-Folk? Anti-Elektro-Pop? In diesem »Genre« haben es vor wenigen Jahren immerhin die Kollegen von Animal Collective, reichlich überraschend (und nach Jahre langem Randgruppenerfolg) in etliche neue Wohnzimmer und Pop-Musiksammlungen geschafft, die sich sonst nach solchem schwer verschwurbelten Avantgarde-Gebastel nicht mal umdrehen. Vergleichbaren Erfolg wird diesem finnischen Musikerdutzend um Jan Anderzén mit ihrem ersten Album seit vier Jahren sicherlich nicht zuteil werden. Schade eigentlich. Dabei sind Kemialliset Ystävät kaum weniger spannend. Vielleicht aber auch schlicht zu verspielt und ungreifbar inmitten all ihrer tausend Inspirationen, gerade so wie das bizarr-wahnsinnige Albumcover mit explodierten Formen, Farben und pinkem Weihnachtsbaum.

Der Kollege bei Tiny MixTapes kapituliert beim Aufzählen der Referenzen und Einflüsse: Tropicalia (Polaria?), Krautrock, Videospielmusik, Minimalism (wahrscheinlich eher Terry Riley als Philip Glass), »plunderphonics«, Barockpop... und kommt so zur passenden Stilschublade »psych-everything«. Man könnte noch ganz anderes hinzufügen und würde die Musik von Kemialliset Ystävät nicht besser begreifbar machen können. »Naderbux & Sundergrund« etwa erweckt den Eindruck eines Jahrmarktremixes von Clint Mansells »Requiem for a Dream«-Filmmusik. »Ei Millään Kielellä« könnte eine vom Klapsmühlenorchester Tampere intonierte finnische Volksweise sein. Immerhin: mit der Zeit werden die Tracks schon fast zugänglich. Viel Spaß! (ijb)



Siehe auch:
Kippi Kaninus

 Kemialliset Ystävät: Alas Rattoisaa Virtaa

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.kemiallisetystavat.com/

   

Ullakkopalo
(2010, Fonal Records FR-69)

Jan Anderzén ist auf in seiner musikalischen Bildungsreise zuerst in die Spielzeughandlung gegangen. Hat die Plüschuhren überdreht, bis sie komisch fiepsten, und die schöne Ordnung unter den Zinnsoldaten durcheinandergebracht. Bei der Heilsarmee hat er auch vorbeigeschaut und die frommen Choräle so lange gewirbelt, bis ihnen schwindlig wurde. Die Musikalienhandlung hat er heimgesucht und alle Holz- und Schlaginstrumente so lange traktiert, bis sie nur noch merkwürdig wimmerten. Dann hat er sich ein Kid mit Spielekonsole geschnappt und zu allerlei Schabernack angestiftet. Bei den Computernerds haben sie auch noch vorbeigeschaut und eine Runde Kräuterschnaps ausgegeben, bis sie alle ganz kirre im Kopf waren. Ganz zum Schluss sind sie dann alle in den Wald gegangen und haben zu verdrehten Volksliedern die Sterne angehimmelt.

So könnte es gewesen sein bei der Produktion von »ULLAKKOPALO«, dem bereits fünften Album von Kemialliset Ystävät (chemische Freunde), dem Freundeskollektiv um Herrn Arzén, zu denen auch die Labelkollegin Islaja gehört. Fassen lassen sich diese souveränen elektronischen Vagabundierereien nicht. Diese chemischen Freunde sind weder Waldschrate noch Wizzkids. Eher entspannte Pioniere in der Wildnis wunderlicher Gegenwelten. Und dabei überaus unverschwurbelt und von einer mitreißenden und sinnlichen Leichtigkeit. Hinter diesen Bäumen lockt das Abenteuer. Wir kommen mit. (emv)



Siehe auch:
Islaja



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