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Alle Rezensionen zu Agnes Obel
(Genre »Pop«, Land »Dänemark«)

 

Aventine
(2013, PIAS/Rough Trade PIASR 195 CDX)

Drei Jahre sind vergangen, seit Agnes Obels Debütalbum ein vollkommen unerwarteter Hit wurde - für die junge Dänin selbst die größte Überraschung, wie es den Eindruck erweckte. Dass mit leisen, gänzlich unspektakulären und sensiblen Pianoliedern in dieser heutigen Popszene nicht nur ein Blumentopf zu gewinnen, sondern gar eine halbe Million Platten zu verkaufen sind, macht Hoffnung - und zeigt, dass den Menschen nach innerer Ruhe, nach nachdenklichem Herumsitzen und bewusstem Hören zumute ist.

Da der Liedermacherin dieser Erfolg die beste Bestätigung sein dürfte, hat sie die Ruhe weg und präsentiert sich auf dem Zweitling ebenso introspektiv und melancholisch. »Words are dead« oder »The Curse« heißen die Titel, und verbunden mit ihrem schemenhaft verdunkelten Porträt auf dem Cover zeigt Frau Obel mehr noch als zuvor, dass ihr der Zweifel zum Wesen gehört und sie der große Starauftritt so gar nicht interessiert. Sie bleibt sich treu, und das ist die beste Nachricht. »AVENTINE« knüpft fließend ans Debüt an, mit noch mehr Mut zur dunklen Seite. Klanglich reicher und zugleich intimer werden die Lieder durch die unaufgeregt integrierten Mitmusiker an Cello, Violine, Viola und Harfe (brillant im Titelstück). Dass die Songs nicht gar so imponieren wie beim Debüt, liegt daher vor allem daran, dass wir sie schon zu kennen glauben. Oder dass wir womöglich noch nicht genug (Lebens-)Zeit mit ihnen verbringen konnten. (ijb)

Agnes Obel: Aventine

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      www.agnesobel.com/

   

Citizen of Glass
(2016, PIAS/Rough Trade PIASR905CDX)

Agnes Obel bezeichnet ihr drittes Album als viel persönlicher und offener als die bisherigen. Früher habe sie sich bemüht, so wenig wie möglich von ihrer Person preiszugeben und eher Geschichten zu erzählen. Mit dem Thema »Gläserner Bürger« schien es ihr wichtig, sich selbst mehr einzubringen und gestaltete ein Konzeptalbum, in dem sie ihre Ängste und Gedanken zu Politik und Medien zum Ausdruck bringt. Interessanterweise präsentiert das Covermotiv die Künstlerin weitaus ungreifbarer als die bereits mysteriösen Porträts von »PHILHARMONICS« und »AVENTINE«.

Doch wer ein deutlich anderes Album, eine stilistische Richtungsänderung vermutet, könnte enttäuscht sein. »CITIZEN OF GLASS« setzt die melancholische Stimmung und kammermusikalische Ästhetik des geschmackvoll-poetischen Songwritings der vorigen Alben fort, eine Spur weniger traurig als »AVENTINE«, eine Prise ernster als »PHILHARMONICS«, etwas komplexer arrangiert mit einer elektronischen, ja: »gläsernen« Färbung, übereinander geschichteten, teils verfremdeten Gesangsspuren und popmusikalischem Keyboardanstrich: Eine sorgfältig gestaltete Entrücktheit, wieder einmal ganz eigen, auf zarte Weise schillernd und betörend – und keinen Ton zu lang. (ijb)

   

Aventine Deluxe Edition
(2 CDs, 2014, PIAS/Rough Trade PIASR615DCDX)

Zugleich spröde und gefühlvoll, intim und von hoher Popqualität, brauchte »AVENTINE«, Agnes Obels zweites Album, bei manchen Hörern etwas Zeit, bis sich die volle Wirkung entfaltete. Wer die dänische Songwriterin mit ihren beiden Bandmitgliedern Mika Posen und Anne Müller auf Tour erlebte, konnte sich glücklich schätzen, die fabelhaften Lieder noch einmal ganz neu und intensiviert erleben zu dürfen. Beeindruckend, wie die einfachen Mittel Piano, Cello und Violine/Viola sowie die Stimmen der Damen mit Hilfe fein gesetzter Loops und höchster interpretatorischer Kunst in jedem Moment emotionale Resonanz erzeugten.

Schon beim Debüt »Philharmonics« überzeugte die »Deluxe Edition« als Aufwertung des Albums. Das gelingt diesmal leider nicht so recht. Weder vermitteln die sechs, 2014 in Berlin und Paris mitgeschnitten Liveaufnahmen die präzise Konzertenergie, noch erreichen die drei, teils instrumentalen, Bonus-Tracks das Niveau des eigentlichen Albums. Und zu guter letzt fügen auch die beiden Remixes von Daniel Matz und David Lynch nichts Nennenswertes hinzu. CD1 bleibt toll, CD2 leider mittelprächtig. Bei der Verpackungsqualität musste diesmal leider auch gespart werden, von wegen »Deluxe«. Insofern: Gesamtnote »okay«. (ijb)

   

Philharmonics (Deluxe Edition) / Live in Copenhagen, Piano Sessions
(2 CDs, 2011, PIAS/Rough Trade R195DCDX)

Kaum ein Jahr nach Agnes Obels Debütalbum wurde diese »Deluxe Edition« nachgereicht. Neben den zwölf Songs von »Philharmonics« wird hier eine zweite CD mit sechs intimen Liveaufnahmen aus Kopenhagen geboten, bei denen Obel von Anne Müller am Cello begleitet wird, sowie fünf Stücke in reduzierten Solo-Piano-Versionen. Das klingt nach Fan-Abzocke, zumal »Philharmonics« allein ja schon ein recht intimes und fragiles Piano-Songwritingalbum ist.

Wer die Platte also schon hat, wird sich die zusätzlichen Aufnahmen vielleicht am besten als mp3s kaufen. Oder noch besser: das Original verschenken und die »Deluxe Edition« ins eigene Regal stellen. Denn nicht nur finden sich im Konzertteil ein paar neue Songs, die ziemlich dunkel sind und vielleicht deshalb vom regulären Album ferngehalten wurden. Auch ist die Präsentation der Kompositionen durchweg von einer bestechenden, »unproduzierten« Schlichtheit und Intensität, so dass sich die beiden CDs wie zwei Blickwinkel auf das gleiche Songmaterial verhalten. So wird »Philharmonics« zu einem feinen Doppelalbum für zwei Stimmungslagen. Da der Preis nicht höher ist als bei der Einzel-CD, ist für den Erstkäufer die auch haptisch reichere »Deluxe Edition« ohne Frage die empfehlenswertere Anschaffung. (ijb)

   

Philharmonics
(2010, PIAS/Rough Trade 895)

Verträumt schlendern, müßig den Tag vertändeln. Ernsthaft nachdenken und zu zwei, drei flüchtigen Erkenntnissen gelangen. Nur diese Aktivitäten sind angemessen, um Agnes Obéls Debüt »PHILHARMONICS« zu goutieren. Die dänische Singer-Songwriterin nimmt sich bewusst zurück. Kultiviert eine kunstvolle Kargheit. Das zärtlich-sensible Piano, die mädchenhafte Stimme, sonst keinerlei Ablenkung. Dass sich Ernsthaftigkeit und Verspieltheit nicht ausschließen, ist ein Beweis, den die heute in Berlin lebende Sängerin nebenbei antritt.

Agnes Obél hält es mit der Unergründlichkeit der Eule, die uns prüfenden Augen auf der Rückseite des Albums anblickt. Exakt verorten lassen wollen sich beide nicht und behalten es sich vor, unversehens im Dickicht tiefer Wälder zu verschwinden. Die sanft-folkige Ballade, der leicht trunken taumelnde Walzer, das Kunstlied als Popsong: Zwischen diesen nur unscharf umrissenen Eckpfeilern huscht diese großäugige Dryade umher. Mal kommt unversehens das Glück zu ihr wie im vielleicht schönsten Song »Just So«, den sich ausgerechnet die Telekom zur Untermalung eines Werbespots ausgesucht hat. Mal kommt die unbestimmte Traurigkeit zu ihr wie im Titelstück, und sie könnte auch gleich mit Erik Satie Händchen halten. Eine flüchtige, ruhige Schönheit hängt über diesem Album, bereit, sich jederzeit aufzulösen, mit dem Flügelschlag der Eule. (emv)



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