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Alle Rezensionen zu Kakkmaddafakka
(Genre »Pop«, Land »Norwegen«)

 

Six Months Is A Long Time
(2013, Vertigo)

Verstehen, wie Frauen ticken? Das wird den anarchischen Mittzwanzigern aus Bergen wohl in diesem Leben nicht mehr gelingen. Auf ihrem dritten Longplayer »SIX MONTHS IS A LONG TIME« geben Kakkmaddafakka mit hohem körperlichen Einsatz die Partylöwen, die unbekümmet quer durch die Stile räubern und sich die Versatzstücke zusammenklauben, zu denen es sich am besten abtanzen lässt. Disco, Reggae, HipHop, R&B oder Schlager, egal! Was sich keiner laut zu sagen traut: Kakkmaddafakka sind eigentlich eine Boygroup, mit Identifikationsfiguren, die jedem Mädchenherzen was zu bieten hat: Der süße Gitarrist mit den Locken! Der dunkelhaarige Bassist mit den treuen Hundeaugen! Der ebenso durchgeknallte wie sympathische Keyboarder, der live nach spätestens zwei Songs sein T-Shirt auszieht! Es hat Methode, dass hier fast jedes Bandmitglied seinen Song hat und man sich mit den Vocals schön abwechselt! Kakkmaddafakka sind eine Boyband für Studentinnen, denn Kuscheltiere fliegen hier keine. Und sie nehmen sich selbst viel zu wenig ernst, um dauerhaft für Twen-Träume zu taugen.

Ein Schreckgespenst namens »ernsthaftes Erwachsenwerden« irrlichtert durch diese Songs. Emotionale Blessuren sind hier beherrschendes Thema: In »Someone New« wurde man schnöde sitzengelassen, in »Forever Alone« scheint die Traumfrau einfach nicht auftachen zu wollen, und in »Gangsta No More« verabschiedet man sich von einstigen Karriereträumen. Kakkmaddafakka sind zwar immer noch die Stimmungskanonen, aber eine verflixte Melancholie untergräbt ganz unauffällig die euphorische Feierlaune. Kommt man so in der Realität an? Vermissen tut man auf dem Drittling (der übrigens weder von Band-Intimus Erlend Øye produziert wurde), dass die unwiderstehlichen Mitsing-Stückchen wie »Your Girl« oder »Restless« vom Vorgänger fehlen. Und dass das Intro zum nachdenklichen Outro »All About You« verdächtig nach Coldplay klingt. Aber hey, nicht zu mäkelig sein, in Kakkmaddafakka-Alben scheint die Sonne immer heller als sonst! (emv)



Siehe auch:
Erlend Øye

 Kakkmaddafakka: Six Months Is A Long Time

Offizielle Website

Offizielle Website      www.kakkmaddafakka.com/

   

KMF
(2016, Bergen Mafia/Believe Digital)

Kakkmaddafakka haben ein kleines Problem: Den Fluch eines überragenden Debütalbums, mit dem sie zu jedermanns Lieblingen avancierten. Erschwerend hinzu kommt ihr Ruf als begnadete Feierbiesterband. Seitdem können sie es keinem mehr recht machen. Geben sie weiter die Party Animals, treten sie auf der Stelle, kritteln die Kritiker. Weichen sie vom bisherigen Erfolgsrezept ab, werden sie niemals mehr das Niveau der Anfangstage erreichen, monieren die Missvergnügten. Zweites Problem: Der begabteste Musiker unter den Kakks, der geniale Keyboarder Jonas Nielsen, hat die Band verlassen und eine riesige Lücke hinterlassen. Das sind die schlechten Nachrichten. Die gute Nachricht: »KMF« ist ein sehr gutes Popalbum geworden, das keinesfalls auf der Stelle tritt, sondern behutsam neues Territorium erkundet. Damit müsen die Erbsenzähler erstmal klarkommen. Genau zuhören und dann erst schimpfen!

Vom ungebremsten jugendlichen Überschwang haben sich Kakkmaddafakka verabschiedet. Ihr Mentor Erlend Øye hat sich zurückgezogen, das dritte Album haben die Fünf selbst produziert, und zwar mehr als ordentlich. »KMF«, ist, Überraschung!, ein zurückhaltendes, gleichwohl federleichtes Werk geworden. Man glaubt immer noch unbenommen, dass die Sonne in der norwegischen Regenhauptstadt Bergen heller scheint als irgendwo sonst. Aber eine sanfte Melancholie zieht sich durch diese Tracks. Enttäuschungen in der Liebe sind im Leben der Band um die Gebrüder Vindenes nicht ausgeblieben. Zu wunderbaren Tracks wie »30 Days« kann man den Weltschmerz auf hohem Niveau pflegen. Man flirtet in »No Cure« dezent mit Reggaeklängen. Stammte dieses Album nicht von Kakkmaddafakka, man würde es als zartfühlendes Meisterwerk loben. Gleichwohl! Auf ihrer ausgedehnten Tour zum neuen Werk darf weiter abgerockt werden. (emv)



Siehe auch:
Erlend Øye

   

Hest
(2011, Bubbles BUBBLESCD003)

Es geht nicht darum, besonders cool, gutaussehend oder trendig zu sein, wenn man Anfang 20 ist. Es geht vor allem darum, Spaß zu haben und so lebendig zu sein, dass es schon fast weh tut. Es geht darum, Gefühlsverwirrungen haarscharf zu benennen, und in diesem Alter sind es eben Mädchen, diese rätselhaften, wetterwendischen Wesen, die einem ratlos zurücklassen. Kakkmaddafakka halten sich an diese simplen Einsichten und legen mit »HEST« eines der ansteckend fröhlichsten und übermütigsten Popalben des Frühjahrs 2011 vor. Produziert von ihrem Fan Erlend Øye, steppen die fünf Jungs aus der blubbernden Bergener Szene lustvoll zwischen Disco, Ska, Wave, Reggae, Soul, Afro-Beats und purem Pop.

Lächelnde Selbstironie ist es, die wie ein wilder Wind die weißen Segel dieser Barke bauscht. Kakkmaddafakka lachen am liebsten über sich selbst und zelebrieren oberflächlich einen wilde-Buben-Dilettantismus, der natürlich keiner ist: Alle fünf sind klassisch ausgebildet, und der Begabstete unter ihnen ist Keyboarder Jonas Nielsen, der wahre Enkel von Jerry Lee Lewis, der hier Unglaubliches vollbringt und trotzdem im Hintergrund bleibt. Kakkmaddafakka wüten spielerisch, schwemmen unwiderstehlich wie ein Sturzbbach Hindernisse weg und nehmen mit untergründig schrulligen Songs wie »Is She« oder »Gangsta« dumme Klischees auf die Schippe und lachen ordentlich über sich selbst. Man möchte abheben und davonfliegen mit ihnen. Und hoffen, dass sie unsere besten Freunde werden. (emv)



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