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Alle Rezensionen zu Marcus Fjellström
(Genre »Avantgarde«, Land »Schweden«)

 

Schattenspieler
(2010, Miasma/Morr Music / Anost MIACD013/MIALP013)

Dunkel, dunkel ist die Welt die Marcus Fjellström auf seinem dritten eigenen Album eröffnet; als hätte sich der Hörer in einen düster-abgründigen Wachtraum verirrt, schwärzer als ein Film von David Lynch. Dessen langjährige Sound- und Musik-Partner Angelo Badalementi und Alan Splet gehören ganz offensichtlich zu Fjellströms prägenden Einflüssen. Sein musikalischer Kosmos reicht aber noch viel weiter. Grenzen abzustecken wäre eine Sisyphosarbeit. Ligeti und Penderecki dürfen ebenso assoziiert werden wie Bernard Herrmann, Cage, Debussy oder Lutosławski, aber auch Grenzgänger der (Rock-)Musik wie Laibach oder Einstürzende Neubauten, Autechre oder Amon Tobins komplexe Sample-Gebilde. Überflüssig zu erwähnen, dass all diese Einflüsse nicht direkt herauszuhören sind. »SCHATTENSPIELER« erschien zudem nach vorherigen Veröffentlichungen bei Lampse nun beim kleinen Label Miasmah des Norwegers Erik Skodvin, der unter Pseudoynmen wie Svarte Greiner oder im Duo Deaf Center wiederum für eine ganz andere akustische Welt als die eben genannten steht, »Dark Ambient«, »Electronic Drone« oder »Modern Composition«.

Fjellström wurde wie Skodvin 1979 geboren und lebt seit ein paar Jahren in Berlin. Er stammt aus dem kleinen nordschwedischen Luleå in Polarkreisnähe, studierte Komposition im nahen Piteå und gehört zu der jungen Generation von Komponisten, deren Schaffen so flexibel wie unvoreingenommen in allen Bereichen audiovisueller Möglichkeiten und Stilformen bewegt; also Installationen und Animationsfilme stehen gleichwertig neben Chormusik oder Electronica ... Nach einem Werk für großes Streichorchester, Elektronik und Filmprojektion schreibt er derzeit an einem Ballett für ein schwedisches Haus. Doch all diese Hintergründe und Einflüsse sind auf »SCHATTENSPIELER« nur sehr am Rande zu erahnen. Hier wird man in eine Welt eingeladen, in der Schatten und Schemen vorherrschen, Fragmente und Erinnerungen an Musik, wie wir sie kennen, Klänge geistern wie Irrlichter oder wie Echos ihrer selbst umher. Fjellström bastelt in langer Kleinarbeit mit ausgesuchten Samples und teils zufällig gefundenen Klangbruchstücken und komponiert auf diese Weise einen Kosmos, der mehr Kino evoziert als es viele Filme vermögen. Als zentrales Thema nennt Fjellström denn auch alten Film Noir, Kino des Expressionismus und verschwundene Experimentalfilme und -musik. Schön und verstörend zur selben Zeit. Das Mastering übernahm Andreas Tilliander (Mokira). (ijb)



Siehe auch:
Svarte Greiner
Erik Westbergs Vokalensemble

Marcus Fjellström: Schattenspieler

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.kafkagarden.com

   

Library Music 1
(2011, Kafkagarden/Morr Music / Anost KG-PUB-001)

Fjellströms Liebe zu vergessenen Formen von Kino und Musik sowie zu den frühen elektronischen Experimenten von Raymond Scott und dem BBC Radiophonic Workshop führte ihn zum Konzept seiner neusten CD »LIBRARY MUSIC 1«, die er komplett im Alleingang produziert hat, verlegt und vertreibt. Sie ist über seine Webseite Kafkagarden erhältlich, welche in sich schon wieder ein eigenes audiovisuelles Kunstwerk mit Verweisen auf altmodische Gestaltungsformen darstellt. Basierend auf über die Jahre angefallenen Skizzen und Bruchstücken soll die Reihe »Library Music«, ganz nach kulturhistorischem Vorbild, ein Fundus sein, um Musik für verschiedene Gelegenheiten zur Hand zu haben, sei es nun ein Film, eine Kunstinstallation oder auch ein Hörspiel. Die weiteren Möglichkeiten sind vielfältig und in jedem Fall ganz im Sinne des Erfinders.

Ähnlich wie auf den vorhergehenden Alben entsteht auch hier aus allerlei ungewohnten und wie von einem Archivar eingesammelten Klängen und Klangbearbeitungen eine teils sperrige, teils aufreibende Collage mit hohem Assoziationsfaktor. Zwar können die achtzehn unbetitelten, unzusammenhängenden Vignetten der »Library Music« trotz unterschiedlicher emotionaler Temperaturen gut und flüssig am Stück durchgehört werden - und sie liegen auch sehr auf der Wellenlänge des letztjährigen Soloalbums »Schattenspieler«, doch die eigentliche Bestimmung und Qualität der Stücke kann und wird sich erst entfalten, wenn die Musik, ihrem Zweck gemäß, in neue Zusammenhänge eingefügt wird. Es gibt viel zu entdecken. Insofern darf man die Bewertungskategorie »Songqualität« hier nicht wie gewohnt eins zu eins auf die veröffentlichte Musik beziehen, sondern sollte als Anregung verstanden werden. Und es wäre absolut anzuraten, diese Kombinationen dann ebenso zu archivieren und zugänglich zu machen, sei es im »Kafkagarden« im Internet oder auf einer eigenen DVD. (ijb)



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