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Alle Rezensionen zu Juv
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Juv
(2011, Miasma MIACD014)

Ein großer Spaß sieht anders aus. Doch wenn Erik Skodvin die Musik zweier Kollegen auf seinem kleinen Label veröffentlicht, kann man sich schon denken, dass es ziemlich ungemütlich wird. Zu dieser Platte gibt es auch gleich ein paar interessante Fakten und Legenden: Irgendwo hoch oben in Norwegen arbeiteten Are Mokkelbost (u.a. Mitglied des Trios ARM mit Alexander Rishaug) und Marius von der Fehr (mittlerweile kein aktiver Musiker mehr) zwischen 1996 und 1998 an düsteren Ambient-Experimenten mit Spuren von Instrumenten wie metallischen Gitarren und atonalen Samplerklängen sowie unheilvollen Field Recordings wie Schreien im Wald, doch am Ende zerstritten sie sich, und so wurde das Album nicht vollendet. Vor zwei Jahren begann Mokkelbost mit Bändern aus alten Koffern, aus Stunden von Material dieses Album zusammenzustellen. Teilweise wurden die Aufnahmen einst auf den Lofoten gemacht, einer Inselgruppe einige hundert Kilometer nördlich des Polarkreises, und wer die unglaublich drastische Berglandschaft dieser Inseln noch nicht selbst besucht hat, kann hier einen ziemlich guten Eindruck bekommen, wie sich der Winter dort oben anfühlt. »Diese Musik handelt von Erwartung und Teilnahmslosigkeit, Verlangen und Trauer, und hergestellt wurde sie mit den beschränkten Mitteln verlorener Jugend,« sagt Are Mokkelbost.

Das norwegische Wort »Juv« entspricht dem deutschen Abgrund oder Schlucht, meint also einen weiten, tiefen Raum zwischen zwei Bergwänden. So zeigt das auf den Lofoten entstandene Foto auf dem Albumcover einen Berg, der nahezu vollständig und deckungsgleich vom Schatten eines benachbarten Berges verdeckt ist, wie bei einer Mondfinsternis. Dieses Album hat nichts Nordisch-Melancholisches mehr, sondern ist vielmehr unheimlich bis desolat und beklemmend, mehr noch als Erik Skodvins Platten als Svarte Greiner oder mit Deaf Center. »JUV« ist keineswegs ein langes eintöniges Dunkel, sondern im Gegenteil höchst abwechslungsreich in seinen zahllosen Schattierungen von Klangfarben, Stimmungen, Lärm-, Geräusch-, Effekt- und Drone-Collagen. Die ursprünglichen Instrumente wurden verfremdet, verzerrt und verschleppt bis zu acht, neun, vierzehn Minuten langen Klangepen sondergleichen. Mit dem Ende der 73-minütigen Reise bekommt man das Gefühl, wieder in die Realität ausgespuckt zu werden. Selbst ohne etwas über die Hintergründe zu wissen – der emotionalen Kraft dieser monolithischen Musik wird sich niemand entziehen können. (ijb)



Siehe auch:
Svarte Greiner
Deaf Center
Marcus Fjellström
Alexander Rishaug

 Juv: Juv



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