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Alle Rezensionen zu Mirel Wagner
(Genre »Pop«, Land »Finnland«)

 

Mirel Wagner
(2011, Bone Voyage/Cargo)

Der kühle Schauder schleicht sich hier auf Katzenpfoten an. Das leise Grauen steigt lautlos auf wie Nebel aus Erdspalten. Mirel Wagner singt Nachtmahrmusik, reduziert und fokussiert: Eine Gitarre, eine warme, leicht brüchige Stimmen und diese scheinbar einfachen Songs, in denen sich Abgründe auftuen wie Falltüren. Die Tageszeit der Anfangszwanzigerin aus Espoo mit Wurzeln in Athiopien ist die dunkelgraue Abenddämmerung. Auf ihren selbst betitelten Debütalbum klingt Mirel Wagner so, als sei sie in den tiefsten Mangrovensümpfen von Louisiana aufgewachsen, in denen die Grenzen zwischen Toten und Untoten fließend sind und die Gewissheiten schwinden. Auf bewusst zurückgenommene Weise erzählt sie kleine Schauergeschichten, in denen sexuelle Handlungen an Toten wegen obsessiver Liebe wie in »No Death« keineswegs als Perversion erscheinen.

Es sind Geschichten vom Fallen in Zeitlupe in bodenlose Tiefen. Die klingen wie lebendige Todeswunschmusik. Mirel Wagner ist die Enkelin von Leonard Cohen, die finnische Kusine von Mazzy Star und die schwerblütige Seelenschwester von Kimya Dawson. Mit einer Stimme wie ein irrlichternder Sumpfgeist, brüchig, trotzdem stark genug, um dich in die Tiefe zu ziehen, wenn du dich zu nahe heranwagst. Und trotzdem eigentümlich einlullend. Man möchte die Augen schließen und sinken, sinken, endlos sinken. (emv)

Mirel Wagner: Mirel Wagner

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.myspace.com/mirelwagner

   

When The Cellar Children See The Light Of Day
(2014, Sub Pop/Cargo)

Wer den Albumtitel »WHEN THE CELLAR CHILDREN SEE THE LGHT OF DAY« wörtlich nimmt, wird beim zweiten Longplayer der Finnin mit äthiopischen Wurzeln enttäuscht sein: Die Sonne lässt sich in diesen kargen Tracks keinesfalls blicken. Mirel Wagner entwickelt hier ihre ganz eigene Variante eines emotional eingetrübten Kammersouls. Diese wispernden Songs voler Andeutungen stehen der Schauermoritat übrigens ganz nahe. Und verleihen dieser eine zarte Fragilität. Und eine unbestreitbare Wärme!

Geschickt spielt Mirel Wagner im Opener »1,2,3,4« mit den Genrestandard des Kinderliedes. Aber macht dabei unmissverständlich klar: Man sollte lieber nicht nachschauen, was sich unter den Dielen verbirgt! Im musikalischen Universum der Sängerin sind die tiefsten Höllenschlünde stets weniger als einen kleinen Schritt entfernt. Träume sind hier stets düstere Nachtmahre, die Liebe eine endlos schmerzende Heimsuchung. Im vielleicht intensivsten Track »Devil´s Tongue« wird die Künstlerin gar vom Teufel selbst heimgesucht, in bester Tradition einer Gothic Tale, allerdings ohne jede Aussicht auf Erlösung. Edgar Allen Poe wäre wahrscheinlich ein glühender Fan von Mirel Wagner gewesen. (emv)



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