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Alle Rezensionen zu Hedvig Mollestad Trio
(Genre »Rock«, Land »Norwegen«)

 

Black Stabat Mater
(2016, Rune Grammofon/Grappa RCD 3183)

Was mag sie sich bei diesem Titel für ihr viertes Album gedacht haben? Die erste Assoziation ist natürlich Black Sabbath, die große Heavy-Metal-Band, die seit Ende der sechziger Jahre unentwegt ihre düstere Musik feiert. Wikipedia hilft weiter: »Stabat mater dolorosa«, erfährt man dort, ist Latein und bedeutet: »Es stand die Mutter schmerzerfüllt«: Es ist der Titel eines mittelalterlichen Gedichts über die Jungfrau Maria.

Gleich beim ersten Titel zeigt das Hedvig Mollestad Trio, »Approaching«, wo der Hammer hängt. Getragen vom wummernden E-Bass Ellen Brekkens und dem treibenden Schlagzeug Ivar Loe Björnstads hebt Hedvig Mollestads Gitarre zu einem nicht enden wollenden Höhenflug ab. Ungeschminkter Heavy-Metal-Jazz-Rock ist das Metier der Norwegerin. Aber ihre Musik ist nicht nur Attitüde, nein, sie lebt sie mit jedem Atemzug und vermag ihr eine Authentizität und Dichte zu geben, die von purer Spielfreude geprägt ist. Die Musiker dieses Trios verstehen einander blind, verschmelzen zu einer Einheit. »On Arrival« ist Noise at its best, eine Orgie auf dem nicht enden wollenden Weg zum Höhepunkt, mit einer atemraubende Intensität.

»In the Court of the Trolls« offenbart die norwegische Seele des Trios: In der Ahnenreihe Hedvig Mollestads steht ganz vorne Terje Rypdal, vielleicht aber auch ein entfernt verwandter Edvard Grieg, Ein treibender Bassriff auf einem filigranen Schlagzeugteppich bildet den Hintergrund für wabernde Gitarrenklänge, hallende, nordische Soli und schließlich einen heißen, mitreißenden Rhythmus, der jeden Wacken-Fan begeistern würde. »-40« kann eigentlich nur die Temperatur meinen, die in Hedvigs kalter Heimat keine Seltenheit ist. Diese Verschnaufpause braucht der Zuhörer, denn in »Somebody else should be on that bus« entwickelt sich dann eine derartige Wucht, dass ihm schwindelig werden kann. Da frag ich mich, warum ich seit den Siebzigern kaum noch Rock höre.... (geh)



Siehe auch:
Cakewalk
El Doom & The Born Electric
Ellen Brekken / MAAR
Trondheim Jazz Orchestra

Hedvig Mollestad: Black Stabat Mater

Offizielle Website

Offizielle Website      hedvigmollestadtriomusic.bandpage.com

   

Evil in Oslo
(2016, Rune Grammofon/Grappa RLP 2184)

Sommer in Norwegen. Heute spielt Hedvig Mollestad ein Open Air Konzert auf dem Jazzfestival in Molde. »The Queen of Riffs« wird dieses Energiebündel mit der E-Gitarre genannt oder auch die legitime Nachfolgerin von Terje Rypdal. Gott sei Dank hat sie mit der Vinylausgabe von »Evil in Oslo« ein paar Liveaufnahmen veröffentlicht, die eindrucksvoll belegen, dass es auch 46 Jahre nach Jimi Hendrix' Tod faszinierenden Gitarrenrock gibt. Denn ich bin nicht in Molde und höre sie von der Konserve.

Neben der Frontfrau spielt Ellen Brekken mal den Kontra-, mal den E-Bass. Ivar Loe Bjørnstad an den Drums vervollständigt das Trio, das sich an der Musikakademie in Oslo kennengelernt hat. Sie gehören zur breiten Spitze des AvantJazz 'n Rock in Norwegen und bringen auf wunderbare Weise den Gestus des Rock mit dem Geist und der Professionalität des modernen Jazz zusammen. Die Musik ist so laut, dass den Zuhörern in kleinen Clubs ein Hörschutz angeboten wird. Es werden alle Register gezogen, mit denen schon Jimi Hendrix und Alvin Lee uns in der Ära von Woodstock vom Sockel hauten. Aber es wird nicht langweilig, Hedvig und ihre Mitspieler lieben das Detail, setzen gekonnt Tempowechsel und Soli ein, um auch den Jazzliebhaber zu begeistern. Die neun Livestücke dieses Albums sind  von ihren ersten drei Veröffentlichungen bekannt. Auf der Bühne haben sie die Möglichkeit, die Stücke ausgiebig auszuloten, zu improvisieren und sich auszutoben. (geh)



Siehe auch:
The Tronosonic Experience

Audio-Link

   

Enfant Terrible
(2014, Rune Grammofon/Grappa RCD2157)

Album Nummer drei des in Norwegen mittlerweile recht erfolgreichen Trios zwischen Psychedelic-Stoner-Rock und Free-Jazz mit Gitarrenschwerpunkt erfindet die diskutable Gniedelei nicht neu, fügt der Diskografie der spielfreudigen Krachmacher aber ihr bislang bestes Album hinzu. Über die acht Minuten von »Arigato, Bitch« lässt sich prima mit Kopf und Körper abrocken, rohe Gitarrensoli genießen und vor allem in eine einnehmende Klang-Komplexität eintauchen, die dem bislang rauen Gesamtsound der Band endlich die nötige Raffinesse hinzufügt.

Klar, Gitarristin Hedvig Mollestad, Bassistin Ellen Brekken und Schlagzeuger Ivar Bjørnstad (Cakewalk) überraschen nun nicht mit einem Progressive-Rock-Konzeptwerk oder geglätteter Produktion. Ihre sechs Nummern punkten allerdings mit avanciertem Abwechslungsreichtum in (Gitarren-)Klang und Tempo, zwischen der fast elegischen Melodic-Rock-Erzählung »Liquid Bridges« dem punkigen Quasi-Epos »La Boule Noire« und der sympathischen Semi-Ballade mit schönem Feedback-Exkurs »Pity The Children« zum Abschluss. Manchmal kaum zu glauben, dass diese klangliche Gewandtheit komplett live im Studio eingespielt worden sein soll. (ijb)

   

All Of Them Witches
(2013, Rune Grammofon RCD2141)

Die erste Mollestad-Trio-CD hatten wir ja nun nicht gerade über den grünen Klee gelobt. Aber manchmal im Leben gibt's ja Dinge, die tatsächlich auch besser werden. Dieser Nachfolger zum Beispiel. Dabei sind die Zutaten immer noch dieselben - Dreckgitarren, Riff-Posing, dicke Bässe und Jaul-Soli von der Frontfrau. Aber irgendwie ist all das diesmal zu einem Teig verrührt, der tatsächlich aufgeht, an manchen Stellen gar locker-flockig-leicht. Die Tracks haben eine innere Logik, das Album eine gewisse Spannung. Gewiss, ein Riesen-Wurf ist das immer noch nicht. Nach Verklingen des letzten Gitarrendröhnens mag man immer noch mit den Schultern zucken: Ja, und?

Vielleicht fehlt dem Trio einfach eine Nummer vier. Ein Sänger (oder Sängerin), der die harten Töne mit harten Texten auflädt. Oder ein Fitzel-Elektroniker, der diese ziemlich unsubtile Mucke leicht ironisiert. Oder oder oder. Wir sind gespannt auf CD Nummer drei. (sep)

   

Shoot!
(2011, Rune Grammofon/Grappa RCD 2115)

Tja, das ist jetzt eine Glaubensfrage. Ist das Album charmant retro, mit Garagen-Gefühl und spontanem Unter-der-Brücke-Blues-Charme gesegnet? Oder bleibt das reine Attitüde und das Album ist, nun ja, bestensfalls Durchschnitt? Der Rezensent neigt eher Letzterem zu. Natürlich ist es punktuell schön groovig anzuhören, wie Frau Mollestad stampfende Riffs aus ihrer Gitarre wringt. Und natürlich rumpelt und schrammelt es so, wie man sich das bierselig in einer Kellerkneipe mit Nikotin-Patina an den Wänden wünscht. Aber mitreißend, packend, begeisternd - wie so viel anderes von Rune Grammofon - ist dieses Debütalbum leider so gar nicht.

Tatsächlich fragt man sich irgendwann beim vierten oder fünften Track: Ja und was soll das jetzt? Will da eine Band beweisen, dass auch Frauen dreckig Gitarre spielen können? Das ist es doch hoffentlich nicht. Ist beim Probieren fetter Riffs irgendwann die Lust verloren gegangen, daraus auch sich entwickelnde Songs zu formen? Hoffentlich auch nicht. Naja, am Ende grölt das Trio wenigstens noch ein bisschen zum Gitarrenlärm. Möchte böse klingen, tut es aber nicht. Ach ja, und wenn das alles ironisch gemeint ist: Dann hab ichs nicht verstanden. (sep)



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