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Alle Rezensionen zu Simon Toldam Trio
(Genre »Jazz«, Land »Dänemark«)

 

Omhu
(2019, ILK/VME ILK288CD/LP)

Vier Jahre nach der letzten CD taucht das Simon Toldam Trio mit einem vierten Album wieder aus der Versenkung auf. Die CD-Hüllen wurden seither deutlich schmaler; die guten alten DigiPaks sind out: ein markantes Zeichen, dass CDs keinen hohen Stellenwert mehr genießen, auch nicht beim Kopenhagener Label ILK. Einige Alben erscheinen schon gar nicht mehr regulär als CD, von »OMHU« gibt es eine »Vinyl Deluxe Limited Edition« von gerade mal 100 Stück.

Doch zur Musik: Mit Toningenieur August Wanngren begab sich das Trio diesmal in den Sendesaal Bremen, einen ehemaligen Radio-Bremen-Saal, der vor zehn Jahren von einer Intitative aufgrund seiner Klangqualität, historischen Bedeutung und der wunderbaren Möglichkeiten für die Musikszene der Stadt erhalten werden konnte. 1973 spielte hier etwa Keith Jarrett sein »BREMEN«-Album ein. Auch dem Trio tut der warme, einnehmende Klang des Saals gut, die durchweg sehr ruhigen und nachdenklichen Stücke kommen in diesem akustischen Umfeld hervorragend zur Geltung: Pianist Toldam, Bassist Nils Davidsen und Schlagzeuger Knut Finsrud hören genau aufeinander und auf den Raum.

Denn wenn dieses Album etwas kennzeichnet, dann ist es »omhu«: In der dänischen Sprache, in der Holzverarbeitung bedeutet das soviel wie präzise und sorgfältig; daher die Holzreferenz auf dem Covermotiv. In dieser Hinsicht, präzise, leise und von großer, fast meditativer Klarheit gezeichnet, kommt »OMHU« dem meisterhaften ILK-Klaviertrio-Album »FEMKLANG« von Søren Kjærgaard, Ben Street und Andrew Cyrille sehr nahe: In beiden Fällen fällt es sehr schwer, angemessene Worte dafür zu finden, warum die intensive Ruhe und Langsamkeit der Stücke und des Zusammenspiels für das Genre Klaviertrio eine ungeheure Bereicherung darstellen. Diese Musik schafft Räume, in denen wir zu uns selbst finden können, in denen wir neu und fokussiert hören, als hätten wir nicht bereits hunderte Jazztrios gehört. Nur ganz selten ziehen die Musiker das Tempo oder die Lautstärke etwas an, und auch dann wirkt es stets äußerst bedacht. Dabei sind die Stücke alles andere als verkopft oder kühl, sondern von beeindruckender Intuition getragen, und nicht zuletzt ist dies auch Musik von großer Schönheit. (ijb)



Siehe auch:
Søren Kjærgaard, Ben Street & Andrew Cyrille
Jarrett, Garbarek, Danielsson & Christensen
Nils Davidsen
Simon Toldam Orkester

Simon Toldam: Omhu

Video-Link Offizielle Website

Die CD »Omhu« war »CD des Monats« im Monat 2 / 2019.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:





Offizielle Website      http://www.simontoldam.com

   

Kig Op 15
(2015, ILK/VME ILK242CD/LP)

Bei YouTube findet man (siehe Link) ein heiter verspieltes Video, das Einblick in die offenbar kess kreative Kollektivarbeit am Projekt »KIG OP« im Kopenhagener Studio »The Village« bietet. Es scheint, dass sowohl das Label ILK als auch die Jazzszene der dänischen Hauptstadt sehr von diesem frischen Geist profitieren.

Auf »KIG OP 15«, dem zweiten, roten Teil des auf zwei CDs angelegten Albumprojekts, geht es dann auch ebenso heiter und verspielt, so munter und unorthodox zu, dass die vierzig Minuten viel zu schnell vergehen. Toldam, Davidsen und Finsrud bieten wie gehabt keine schräge Avantgarde, sondern faszinieren trotz Traditionsbewusstsein mit ihrer dynamischen Vielseitigkeit, die vieles aus dem Kanon des Jazzpianotrio-Genres streift und sich aneignet, aber doch stets von ihrem ganz eigenen Blick auf diesen Kosmos beseelt ist. Es gibt viel zu entdecken in dieser bewusst unspektakulären, intimen Welt des Simon Toldam Trios. (ijb)



Siehe auch:
Laura Toxværd, Simon Toldam & Marilyn Mazur

Video-Link

   

Kig Op 14
(2014, ILK/VME ILK227CD/LP)

Ihr phänomenales Debüt gehört klar zu den herausragenden Alben der dänischen, wenn nicht europäischen Jazzszene 2012, zumal in der über Jahrzehnte mit zahlreichen Meisterwerken aufwartenden Standard-Triobesetzung. Wie sollten Bassist Davidsen, Schlagzeuger Finsrud und Leader-Pianist Simon Toldam das toppen? Unter dem Titel »KIG OP« (»Schau hoch«) nahmen die drei diesmal nicht live vor Publikum, sondern live im Studio (auf analogen Bändern, wie betont wird) auf. So viele Ideen hatten sie, dass eine CD nicht ausreicht, weshalb auf Teil 1, »KIG OP14«, ein halbes Jahr später noch »KIG OP15« folgen wird.

Zu hören sind zwölf präzise, meist drei bis vier Minuten kurze Songs zum Grundthema »Was sehe ich, wenn ich mal innehalte?«, Betrachtungen unseres Alltags – Bäume, den Himmel, Kirchtürme, Wind, Vögel... Insofern ist »KIG OP« kein berauschender Auftritt ausgeklügelt-ausufernder Improvisationen, sondern eher eine Sammlung verspielter Haikus, mal energisch, mal nachdenklich, mal konzis balladesk, mal schwungvoll. (ijb)



Siehe auch:
Sekten

   

Sunshine Sunshine or Green as Grass
(2012, ILK/VME ILK184CD)

»All compositions by Simon Toldam« sagt die Rückseite. Diese Information führt ein wenig in die Irre, denn anders als bei Jazzbands, die Songs in geschmackvoll musizierter Gemütlichkeit vorgezeichneter Pfade einspielen, geht es beim Simon Toldam Trio um erstklassiges gemeinsames Spontan-Entwickeln von »echtem« Jazz: Wie die drei über die erste Viertelstunde hinweg aus einzelnen Fragmenten und Andeutungen langsam aber sicher immer mehr Melodien zusammensetzen und schließlich zu einem vitalen Höhepunkt ausbauen, dabei aber nie auf vorhersehbare, naheliegende oder simpel Sentimentales zurückgreifen, allein das lohnt schon den Erwerb dieses Albums.

Siebzig Minuten lang zeigen Pianist Toldam, Schlagzeuger Knut Finsrud (auch in Samuel Hällkvists superber Formation »Center« aktiv) und Bassist Nils Davidsen (seine bisherigen Bands würden allein diese Seite füllen), dass sie neben dem ebenfalls bei ILK Music erscheinenden Trio mit Kjærgaard, Street und Cyrille derzeit die kreative Speerspitze der dänischen, wenn nicht gar der europäischen Pianotrios bilden. Jede Wendung überrascht, auch beim wiederholten Hören; immer wieder wandeln die drei über viele Minuten lang hin so intuitiv aus dem Moment heraus wie zielsicher zwischen tollen melodischen Einfällen, doppelbödigen emotionalen Höhepunkten und aufgesplitterten Songs. Es ist offensichtlich, dass sie den einfacheren Weg auch beherrschen würden, doch das ist nicht ihr Ding: Bevor man zu gewohnte Wege einschlüge, brechen sie ein Stück lieber mit Verve und charmantem Witz auf zwei Minuten herunter. Die drei können wahrscheinlich alles.

Die Qualität der Liveaufnahmen aus drei Auftritten im Kopenhagener Club »Kind of Blue« (jawoll!) ist hin und wieder etwas unausgewogen in der Dynamik (Lautstärke), doch das sind absolut vernachlässigbare Schwächen eines künstlerisch vollendeten Jazzalbums, ohne Frage eines der besten des Jahres. (ijb)



Siehe auch:
Samuel Hällkvist Center
Han Bennink Trio
Espen Eriksen Trio



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