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Alle Rezensionen zu 23:23
(Genre »Pop«, Land »Finnland«)

 

Softest Wave
(2012, Eigenverlag)

Ein Album, aus dem heimischen Schlafzimmer heraus entstanden. Für Sami Vierula offenkundig ein entspannter Ort, an dem die Gitarre psychedelisch scheppern darf und die Grundstimung tiefenentspannt ist. Um nicht zu sagen: Hemdsärmelig! Der Musiker, der sich nach der Uhrzeit benannt hat, zu der sein Blick zu fortgeschrittener Abendstunde beim Werkeln am Solomaterial häufig schweifte, macht aus seiner Vorliebe für das Groovy-Gefühl der späten 60er keinen Hehl, aber schmuggelt feine elektonische Verfremdungseffekte ein. Lustvoll trabt hier mitunter ein Gaul in den den Sonnenuntergang über der weiten Prärie. Mit dem flummiball-leichten Indiepop von Delay Trees, wo er als Sänger und Gitarrist aktiv ist, hat Vierula nichts am Hut. Obwohl er dem sehnsüchtigen Schönspiel in Songs wie »Sweetheart« nicht wirklich abgeschworen.

»SOFTEST WAVE« heißt der Erstling des Mannes aus Helsinki. Was ein wenig in die Irre führt, denn allzu sanftsäuselig geht es hier nicht zu. Obwohl der emotionale Höhepunkt »PleasePleasePlease« ein flehentliche Pop-Hymne an die Herzensperson ist, sich bloß nicht zu entfernen, das diese ein Herz aus Stein haben müsste, um sich nicht erweichen zu lassen. Das Album ist übrigens auf Bandcamp zu hören, und wer mag, kann Vierula auch finanziell durch den Kauf in MP3-Form unterstützen (emv)



Siehe auch:
Delay Trees

 23:23: Softest Wave

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.facebook.com/2323music

   

Drifter
(2015, Soliti)

Von schlampiger Eleganz. Mit einem selbstbewussten Bekenntnis zur eigenen Unfertigkeit, gottseidank! Denn mit »DRIFTER« endet Sami Vierulas musikalische Trilogie der Dekade zwischen 20 und 30. Die Jahre zischen dahin, aber zu den ernsthaften Erwachsenen mit Eigenheim, überdimensionierter Geländelimousine und Rolex am Handgelenk mag der Herumtreiber mit dem feinen Sinn für Zwischentöne nicht gehören. Eine Hauch unkitschiger Nostalgie schwingt durch dieses Album. Erinnerungen an das jugendliche Ungestüm von Buddy Holly und die leise Traurigkeit von Filmen wie »American Graffiti« klingen an. Der Delay-Trees-Sänger hält die Werte des Lo-fi-Gitarrenpop unverdrossen hoch. Und verarbeitet seinen Herzschmerz mit struppigen Balladen wie »Winona«, in denen er den Mond anheult. Spielt er hier auf Winona Ryder und ihr unvergessenes Erwachsenwerden-Drama »Reality Bites« an? Schon möglich!

Den Verlockungen der Hauptstadt Helsinki hat Vierula zum Abschluss der Trilogie bereits den Rücken gekehrt: Die Aufnahmen entstanden größtenteils in der elterlichen Garage im Provinznest Hämeenlinna. Das Träumen will sich der Musiker in federleichten Tracks wie »Tropicture« noch lange nicht verbieten lassen. Kleines Glanzlicht ist das emotional dichte »Getting Better« mit seinem hallenden Gitarren und der mantrisch wiederholten Titelzeile. Da geht das Herz doch weit auf: Denn Vierula hat verstanden, dass sich mit 30 einige Türen schließen. Aber dafür gehen andere auf!
(emv)

   

Torero
(2013, Soliti)

Die prägenden Jahre zwischen 20 und 30. Für Sami Vierula, Sänger und Gitarrist der finnischen Dreampopster Delay Trees, ist diese Dekade auch mit Orten verbunden. »TORERO«, der zweite Teil der Trilogie eines mitunter schmerzhaften Annäherung an die vernünftige Erwachsenenwelt, ist im Helsinikier Arbeiterviertel Kallio entstanden. Offenkundig bevor dieses hip und grenzwert-gentrifiziert wurde! Die Straßenbahnen rattern vorbei. Trotz aller ungeschliffenen Homerecording-Attitüde macht Vierula hier unmissverständlich klar, dass es sich um ein Album voller Liebeslieder handelt. Leicht angeschmuddelte, scheppernde, mitunter heftig euphorisierende Liebeslieder voller ungestümer Lebenslust. Allein der Album-Opener, eine Hymne an alle rothaarigen Frauen, ist ein sehr feiner Track geworden, wo der Musiker sein Herz sperrangelweilt öffnet. »I really like redheads«: Man könnte diesem Mantra stundenlang lauschen!

Die Romantik wüster Rückkoppelungen und Gitarren-Herumtreibereien im Huckleberry-Finn-Stil: Es gilt, hier eine eigenwillige Schönheit zwischen psychedelischen Klangexperimenten und erdigem Garagenpop zu entdecken. Gemeinsam mit Rami Vierula, der hier zwischen Lärm und Lust oszilliert und dabei eine ungeschliffene Zärtlichkeit entwickelt, die mitten ins Herz geht. Dass diese Songs fast alle nachts entstanden sind, mag man gerne glauben! (emv)



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