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Verschiedene
(Genre »Klassik«, Land »Norwegen«)

 

Henie Onstad Kunstsenter: John Cage In Norway
(2010, Prisma Records/Musikkoperatørene PRISMACD707)

Über John Cage konnte man sich schon immer trefflich streiten; da kommt diese exzellent aufgemachte Archivaufnahme gerade recht. Im November 1983 im Henie Onstad Kunstsenter (HOK) aufgenommen, anlässlich Cages zelebriertem Besuch in Norwegen, bietet diese Archivveröffentlichung als Komplettpaket Fortbildung und Unterhaltung gleichermaßen.

Über die Werke wurde über die Jahrzehnte bereits vieles geschrieben; da kann an dieser Stelle nicht wirklich etwas hinzugefügt werden. Markant ist allerdings, neben dem überzeugend interpretierten Präpariertem-Klavier-Klassiker »Music for Marcel Duchamp«, vor allem das abschließende »Branches«, das mit »Instruments Made Of Different Plant Materials« gespielt wird. In diesem Fall hatte Cage eine Version speziell für norwegische Pflanzen geschrieben.

Weniger die - nun erstveröffentlichten - Aufnahmen selbst als vielmehr die aufwendige Präsentation ist der Hauptgrund, dass »JOHN CAGE IN NORWAY« für jeden Liebhaber zeitgenössischer Musik und für entdeckungfreudige Musikwissenschaftler und -studenten erwerbenswert wird: das elegante, 60-seitige Büchlein enthält Schwarzweiß-Fotografien, das Q&A mit Cage nebst Erläuterungen, ein rückblickendes Gespräch der beteiligten Musiker und einen Essay von Kurator Lars Mørch Finborud, »John Cage als Poet, Pilzliebhaber und Anarchist«.

Die Veröffentlichung entstand 2010 für die dreimonatige Ausstellung »John Cage. The Anarchy Of Silence« im HOK. Die alten Liveaufnahmen wurden von Audun Strype bestmöglich gemastert und dürften für jeden Cage-Freund eine erfreuliche Entdeckung oder Ergänzung sein. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass man als Cage-Interpret die offenen Partituren nicht einfach spielen konnte, sondern sie mit Eigeninitiative mitgestalten musste. (ijb)



Siehe auch:
mehr vom Henie Onstad Kunstsenter

 Verschiedene: Henie Onstad Kunstsenter: John Cage In Norway

Offizielle Website

Offizielle Website      http://prismarecords.blogspot.de

 

Henie Onstad Kunstsenter: Popofoni
(LP, 2012, Prisma Records/Musikkoperatørene PRISMALP001)

Als »den Heiligen Gral der norwegischen Avantgarde-Musik« beschreiben ein paar Assoziierte diese Wiederveröffentlichung zweier LPs aus dem historischen Jahr 1973, aufgenommen im April 1970 im Henie-Onstad-Kunstzentrum. 500 Exemplare wurden damals gepresst (»eine der rarsten Platten Norwegens«) und auch 40 Jahre später, als Folge des 40. Jubiläums des Kunstzentrums werden wieder nur 500 Stück hergestellt. Eine Sache für Spezialisten sollen diese Aufnahmen also bleiben. Müssen sie wohl zwangsläufig auch, bedenkt man, dass die hier vertretenen Namen und Stücke nur Kennern ein Begriff sein und bei einem zufälligen Hörer Ratlosigkeit hervorrufen dürften.

Die bekanntesten Namen sind sicherlich Jan Garbarek, Jon Christensen, Arild Andersen und Bobo Stenson, die in »Episode«, dem kürzesten dieser sechs Werke mit Komponist Terje Rypdal zusammenkommen, damals noch an der Flöte statt an der E-Gitarre - und auf dem Weg, als Avantgarde-Komponist bekannt zu werden. Doch alle Fans seien gewarnt: Es ist ein weiter Weg von dieser experimentellen Musik zum beliebten ECM-Sound. Kaum zugänglicher ist Alfred Jansons 25-minütiges »Valse Triste«, das trotz Stimmschnipseln streckenweise am ehesten als Jazznummer durchgeht.

Darüber hinaus beeindrucken Klangkunst-Stücke, die manchmal an Tonspuren von Installationen erinnern, von Kåre Kolberg und Gunnar Sønstevold; sowie vor allem die beiden dunklen Stücke Arne Nordheims, wobei »Solar Plexus« ebenso gut von David Lynchs »Eraserhead«-Soundtrack stammen könnte. Ob Lynch dieses Stück wohl zu jener Zeit gehört hat...? Ziel dieser (Auftrags-)Werke war damals, nach einem eindringlichen Diskussion in einer Fernsehsendung, die Schnittstelle von Pop und Avantgarde auszuloten, was an sich ja schon als aussichtslose Aufgabenstellung bezeichnet werden darf. (ijb)



Siehe auch:
Arne Nordheim
Terje Rypdal
Kåre Kolberg
Bobo Stenson

 Verschiedene: Henie Onstad Kunstsenter: Popofoni

Offizielle Website

Offizielle Website      http://prismarecords.blogspot.de

 

I want the Beatles to play at my Art Center — Music from the Henie Onstad Kunstsenter Archives 1969-2012
(LP, 2012, Prisma Records/Musikkoperatørene PRISMALP004/DVD001)

Hat sie das wirklich gesagt, oder ist es eher eine Anekdote im Stil von »Wenn's nicht wahr ist, so ist es immerhin gut erfunden«? Und auch wenn es vermutlich nicht wörtlich gemeint war, dass sie die Beatles nach oder neben Arne Nordheim auf der Bühne sehen wollte, Sonja Henie, die 1968 das Zentrum für zeitgenössische Kunst westlich von Oslo gründete, drückte auf jeden Fall ihren Anspruch aus, dass das Programm im Henie Onstand Kunstsenter (HOK) nicht nur jenseits von Gattungsgrenzen stattfinden, sondern auch eine Attraktivität über einen elitären Kreis hinaus ausstrahlen sollte. In mehr als vierzig Jahren hat das HOK unter verschiedenen Leitern und engagierten Mitarbeitern eine entsprechende Historie angesammelt, die bis heute anhält und so einen direkten Bogen von der Avantgarde der Sechziger Jahre bis heute spannen kann.

In eindrucksvoller Weise wird dies in Form wahlweise einer DVD oder einer Doppel-LP mit Ausgrabungen und Kostbarkeiten vergegenwärtigt. Diese Zusammenstellungen bieten gleichwohl nur einen Appetithappen für die in den HOK-Archiven grabende und über das hauseigene Prisma-Label präsentierte kuratorische Arbeit von Lars Mørch Finborud und Lasse Marhaug, die auf oft aufregenden CDs und LPs Tondokumente der Vergangenheit (von Performances, Klanginstallationen und Konzerten) erstmalig verfügbar macht und ebenso aktuellen HOK-Projekten (z.B. Camille Norment, Stian Skagen) ein Forum bietet.

Natürlich muss die Eröffnung der ersten LP dem großen, kürzlich verstorbenen norwegischen Avantgarde-Komponisten Arne Nordheim gehören: »A Forum of the Arts«, 1969 für einen Werbefilm über das HOK produziert und aktuell von Helge Sten editiert und rekonstruiert. Sten ist darüber hinaus mit der ungemütlichen Toncollage »Studio« vertreten, die er 2010 für eine Installation in der John-Cage-Ausstellung »The Anarchy of Silence« produzierte. Die vier LP-Seiten mit bislang unveröffentlichtem Material sind gespickt mit Potenzial für hochspannende Entdeckungen — komplexen Solo-Improvisationen von Håkon Kornstad, einer Installation von Jenny Hval, einer Aufnahme des Svein Finnerud Trios, aber auch internationalen Gästen wie Jim O`Rourke, Soft Machine oder John Cage mit einem Stimmstück. (ijb)



Siehe auch:
Helge »Deathprod« Sten
Stian Skagen
Sigurd Berge
Lasse Marhaug

 Verschiedene: I want the Beatles to play at my Art Center — Music from the Henie Onstad Kunstsenter Archives 1969-2012

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Offizielle Website      http://prismarecords.blogspot.de



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