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Alle Rezensionen zu Bjarni Gunnarsson
(Genre »Avantgarde«, Land »Island«)

 

Processes & Potentials
(2013, 3LEAVES 3L025)

Ambient-Noise (oder Noise-Ambient) aus Island bekommt man (leider?) nicht alle Tage zu Gehör. Überhaupt scheint in Skandinavien dieses Genre nur wenige Vertreter hervorgebracht zu haben. Bjarni Gunnarsson aus Reykjavik gelang es direkt mit seinem ersten Soloalbum, der Kollektion »Safn 2006-2009« in der Szene auf sich aufmerksam zu machen. Mit dem zweiten allerdings setzt er mehr als einen starken Akzent – »PROCESSES & POTENTIALS« kann überzeugend mit den Großen des Genres mithalten, vor allem mit dem Werk Mika Vainios alias Ø, der im aktuellen Jahr gleich drei höchst unterschiedliche Alben veröffentlichte.

Ganz so in die stilistische Breite wie der finnische Kollege geht Gunnarsson freilich nicht. Seine knapp fünfzig Minuten dichte CD besticht gleichwohl durch eine starke eigene Haltung und Sprache. Auch wenn die Klangbilder teils scharf und aggressiv auftreten, beeindrucken die sechs Tracks durch eine eigenartig souveräne innere Ruhe und weit fließende dramatische Bögen. Beats (wie etwa bei Pan Sonic oder Vainio) kommen quasi gar nicht erst vor, aber aus der zwischen den Polen Ambient und Noise entstehenden Dynamik hinterlässt das Album dennoch einen solchen Eindruck.

Das Album erscheint in einer teils handgemachten Edition bei Ákos Garais 3LEAVES-Label, das sich auf die Fahne geschrieben hat, Künstler zu unterstützen, die sich durch eine »gewisse Sensibilität gegenüber ihrer Umgebung« auszeichnen und ihr Verhältnis zu dieser Umwelt erforschen, in Form von Musik zwischen Sound Art und Field Recordings. Klingt intellektuell, und Gunnarsson kann mit seinem Ansatz mühelos einer solchen geistigen Anforderung standhalten; seine musikalischen Ergebnisse sind allerdings auch ohne jeden Wissenshintergrund eindringlich zu genießen, jedenfalls wenn man mutige intuitive Stile schätzt und sich gerne aus der Komfortzone herauslocken lässt. (ijb)



Siehe auch:
Mika Vainio (Ø)
Juv
Pjusk
John Hegre

Bjarni Gunnarsson: Processes & Potentials

Audio-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.bjarni-gunnarsson.net

   

Paths
(2016, Granny Records 16)

Wie Bjarni Gunnarssons Album »Processes & Potentials« erscheint auch »PATHS« nur in einer schön gestalteten kleinen CD-Auflage – gerade mal 100 Exemplare gibt es, ein echtes Sammlerstück also, was angesichts Gunnarssons Nähe zur Kunstszene durchaus schlüssig ist. Nachdem der Vorgänger vom ungarischen Label 3LEAVES veröffentlicht wurde, wird »PATHS« von Granny Records in Thessaloniki herausgebracht. Klar, nun erwartet man ohnehin nicht, dass Musik dieser Art ein großes Publikum anspricht und zum Bestseller avanciert, doch ist es selbst für Fans des Genres ein wenig bedauerlich, dass Gunnarssons musikalisches Schaffen zu einer derart marginalen Wahrnehmung verdammt wird.

Wie zuvor entstanden auch diese fünf Tracks im Rahmen mehrerer Soundinstallationen (Reykjavík, Den Haag, Paris), und obwohl sie aus jenen Multikanal-Klangkunst-Kontexten für die CD zu Stereoversionen verdichtet wurden, bildet »PATHS« in 53-minütiger Albumform ein vollkommen überzeugendes, feingliedriges Ambient/Noise-Epos. Dabei ist es weder das eine noch das andere, kann ebenso die Avantgardefraktion der Neuen (Computer-)Musik einnehmen wie Liebhaber von rigoroser Geräusch-Komposition und kunstvollem Ambient mit ausgefeilten Texturen. Absolute Empfehlung für jeden, der das Schaffen von Lawrence English, Ben Frost, Mika Vainio und Tim Hecker schätzt. (ijb)



Siehe auch:
From The Mouth Of The Sun
Jasper TX
Erik Nyström



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