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Alle Rezensionen zu Sebastian Fagerlund
(Genre »Klassik«, Land »Finnland«)

 

Sebastian Fagerlund: Darkness in Light – Violinkonzert · Ignite
(SACD, 2015, BIS/Klassik Center Kassel BIS-2093 | SACD)

Nach einer hervorragenden ersten Porträt-CD mit Fagerlunds Klarinettenkonzert und zwei starken Orchesterstücken, allesamt aus den Jahren 2005 bis 2009, interpretiert vom Göteborger Sinfonieorchester, präsentiert das schwedische Label BIS auf dem Nachfolger wiederum ein großes, quasi sinfonisches Orchesterwerk von diesmal einer halben Stunde Länge (»Ignite«), in Kombination mit dem recht jungen Violinkonzert. Diese knappe Stunde sehr zeitgenössischer Komposition (die beiden Werke sind 2010 bzw. 2012 entstanden) könnte bei BIS eine lange Reihe mit dem Oeuvre des finnischen Komponisten zur Folge haben, sozusagen ähnlich der (im doppelten Sinne) großen Veröffentlichungsarbeit der Werke von Fagerlunds eine Generation älterem Landsmann Kalevi Aho.

Es wäre in jedem Fall zu hoffen. Denn der 1972 geborene hat schon heute eine starke eigene Sprache, wenngleich diese jüngeren Arbeiten vielleicht etwas schwieriger, weniger eingängig sind als das Programm der vorigen CD. Doch darf man das Wort »schwierig« bei solcher Musik überhaupt gebrauchen, ohne sich ein bisschen strafbar zu machen, dem Publikum die Lust auf diese Musik zu nehmen...? Hier spielen die Sinfoniker des Finnischen Rundfunks unter dem erst seit 2013 amtierenden Chefdirigenten Hannu Lintu, der damit gewissermaßen im Zentrum der finnischen Gegenwartskomposition angekommen ist. Der Auftrag für das Violinkonzert wurde indes interessanterweise noch von Lintus vorigem Arbeitgeber, dem Philharmonischen Orchester Tampere erteilt; es wurde beim FRSO zuvor auch schon von Santtu-Matias Rouvali dirigiert, selbstredend mit dem Widmungsträger Pekka Kuusisto in der Hauptrolle.

Sebastian Fagerlund ist bestrebt, trotz seines Wunsches, ganz in der und für die Gegenwart zu schreiben, nicht in unzugänglicher Elfenbeinturmkunst landen. Da passt ein Charismatiker und Feuervogel wie Pekka Kuusisto natürlich als der idealer Erzähler ins Bild, zumal das FRSO bekanntlich im besten Sinne der zeitgenössischen Musik verschrieben und für ambitionierte Komponisten wie Fagerlund entsprechend eine sichere Bank war und ist. Dessen Stil wird gern als »Magischer Realismus« bezeichnet, und das kann man unumwunden so stehen lassen, denn es verspricht (und hält) einen komplexen musikalischen Kosmos, der sich souverän aus dem reichen Fundus postmoderner Optionen bedient – ebenso bodenständig wie sich emotional herauswagend. Inspiriert wurde Fagerlund übrigens von Haruki Murakami. Also wenn das nicht eine runde Sache auf allen Ebenen ist. (ijb)



Siehe auch:
Dima Slobodeniouk: Matvejeff & Linkola
Ilkka Kuusisto
Pekka Kuusisto
RinneRadio

Sebastian Fagerlund: Sebastian Fagerlund: Darkness in Light – Violinkonzert · Ignite

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.eclassical.com/labels/bis/sebastian-fagerlund-darkness-in-light.html

 

Sebastian Fagerlund: Stonework · Drifts · Transit
(SACD, 2017, BIS 2295 Hybrid Disc)

Die zeitgenössischen Komponisten Finnlands haben offenkundig eine Vorliebe für mächtige, fulminante Orchesterwerke, wie nach Kalevi Aho und noch mehr Magnus Lindberg jüngst auch der 1972 geborene Sebastian Fagerlund beweist. Sein (nach einer CD der Oper »Döbeln«) drittes Porträt-Album knüpft genau dort (wieder) an und beeindruckt mit zwei opulent schillernden Orchesterstücken, die er als Teil einer Trilogie bezeichnet. Das erzählerische Material von »Stonework« und »Drifts« nimmt Fagerlund von kraftvollen organischen Naturinspirationen, ersteres von menschengemachten Steinmonumenten (wie etwa jenem auf dem Coverfoto zu sehenden, Stonehenge oder den Osterinsel-Felsköpfen), letzteres von Wind- und Wasserkraft.

Ähnlich wie Lindberg in seinen großen quasi-sinfonischen Werken konstruiert auch Fagerlund seine Orchesterpoeme aus geschickt aufeinander reagierenden Ereignissen, die sich zueinander weniger klassisch erzählerisch mit Motiven (wie bei beider Vorbild und Vorgänger Sibelius) als vielmehr textural verhalten. Dabei können durchaus auch Irritationen und kaleidoskopartige Effekte entstehen, wenn sich beispielsweise die Tempi der einzelnen Erzählelemente aneinander reiben, wie der Titel »Drifts« treffend ankündigt. Hannu Lintu und sein Rundfunkorchester sind mit Fagerlunds ambitionierter Klangsprache bereits seit einiger Zeit verbunden, und nach dem künstlerischen Erfolg der BIS-CD »DARKNESS IN LIGHT« setzen sie die Reihe auf dem selben hohen Niveau fort. Die Einspielungen sind auch klanglich eindrucksvoll und präsent in der SACD-Qualität festgehalten, so dass kommende Interpreten an diesen Interpretationen zu messen sein werden.

Auf die beiden 12 bzw. knapp 16 Minuten langen Orchesterstücke folgt das 22-minütige Konzert »Transit« für Gitarre und Orchester, 2013 für dieses Orchester und Ismo Eskelinen aus Kuopio geschrieben. Die sechs Sätze des - speziell im direkten Vergleich mit »Drifts« und »Stonework« - kammermusikalisch angelegten Werks gehen ohne Unterbrechung ineinander über und bleiben auch sonst etwas mehr am Erzählerischen. Fagerlund selbst hatte eine spiralförmige Entwicklung im Sinn, drei narrative Elemente, die er miteinander, mal individualistisch bis zur Heterogenität, mal im direkten Verhältnis zu einander anordnet. Die Gitarre wird Teil des gesamten Korpus statt sich als solistische Stimme herauszustellen. Gleichwohl basiert »Transit« auf dem Werk »Kromos« für Solo-Gitarre, die dem Rezensenten bislang jedoch nicht bekannt ist. (ijb)



Siehe auch:
Rundfunkorchester Finnland & Hannu Lintu: Erkki Melartin
Kalevi Aho
Magnus Lindberg

Sebastian Fagerlund: Sebastian Fagerlund: Stonework · Drifts · Transit

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.eclassical.com/labels/bis/sebastian-fagerlund-darkness-in-light.html



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