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Alle Rezensionen zu Hafdís Bjarnadóttir
(Genre »Avantgarde«, Land »Island«)

 

Íslandshljóð | Sounds of Iceland – field recordings
(2015, Gruenrekorder Gruen 157)

Auch wenn Hafdís Bjarnadóttir zuerst Musikerin ist, – die Isländerin machte sich als Jazzgitarristin einen Namen, bevor sie jüngst auch als Komponistin in Erscheinung trat – als »Nordische Musik« ist ihre CD »ÍSLANDSHLJÓЫ nur mit einer sehr offenen Ausdeutung des Begriffs »Musik« zu bezeichnen. Da landet man sofort bei Pierre Schaeffer bzw. der »Musique concrète«, und Kategorien wie »Songqualität« und »Interpretation« sind hier total inadäquat. Soweit die 42 Minuten lange Kompilation aus Field Recordings isländischer Natur, die Hafdís zwischen 2009 und 2013 an verschiedenen Orten der Insel aufgezeichnet hat, zu beurteilen sind, wurde nicht verfremdet oder verändert, allenfalls wurden einzelne Tonaufnahmen von zumeist einer bis maximal vier Minuten Länge zu sieben »Suiten« montiert.

So zeichnet »ÍSLANDSHLJÓÐ | Sounds of Iceland« eine akustische Rundreise durch sieben verschiedene Regionen Islands. Dabei ist wesentlich, dass es sich ausschließlich um natürliche Klänge handelt, fernab menschlicher Zivilisation. »Highland Plateau« ist das einzige Stück, das aus nur einem Tonfragment besteht, nahe dem (aktiven) Vulkan Laugarfjall. Man hört recht nah am Mikrofon einen einsamen Vogel rufen, etwas Raunen des Windes (evtl. ist es auch ein Geysir), dann antwortet ein zweiter Vogel in der Ferne, dann womöglich ein dritter, der Wind rauscht... und schon ist das Stück nach kaum zwei Minuten schon wieder zu Ende.

Nicht alle Aufnahmen erzählen solche Geschichten; häufig ist das Plätschern von Gletscherwasser oder das Donnern von Wasserfällen zu hören, verschiedene Geysire, heiße Quellen... und immer wieder auch Vögel, die interessantesten Mitwirkenden dieser Natur-Tour. Schade nur, dass diese interessanten Vögel nicht weiter erläutert oder mit Fotografien in dem ansonsten sehr eindruckvollen Beiheft vorgestellt werden; so erfährt man leider nicht wirklich viel. Auch hätten die Ausschnitte fast durchweg sehr gerne länger sein können. Bei einem solchen offen unkommerziellen »Liebhaber-Produkt« hätten die 24 Fragmente locker auf 70 oder 75 Minuten ausgedehnt sein dürfen. (ijb)



Siehe auch:
Nordic Affects
Heike Vester

Hafdís Bjarnadóttir: Íslandshljóð | Sounds of Iceland – field recordings

Audio-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.hafdisbjarnadottir.com

   

Jæja
(2009, Eigenverlag , ltd edition of 500)

Das fängt ja schon gut an: In »Strengjavesen« loten verschiedene Streicher aus, wie kleine und kleinste Intervalle zueinander klingen, über stoischen Rhythmen von Bass und Drums. Ähnlich munter geht es in »Agar Agar« zu, dort übertreffen sich Blockflöte, Klarinette und Trompete an Schrägheit, bis alles doch noch in eine fast herkömmliche Melodie mündet. Aber nicht zu früh aufgeben: im Hintergrund schleichen sich schon elektronische Fiepgeräusche ein – wäre ja auch schade…

Hafdís Bjarnadóttir hat viele Ideen, keine Scheu vor skurrilen Klängen und einen ebenso offenen Kreis an Musikern, die ganz gerne etwas spielen wollen, was noch niemand vorher gehört hat. Sie selbst spielt Gitarre und Bass, mit allerlei Effekten und alchemistischen Klangzaubergeräten. Stilistisch ist das nicht greifbar und entzieht sich jeglicher Schubladisierung. Über weite Strecken faszinierend, wie sich kleine Flötenmelodien verändern, von kauzigen Celli verjagt und von der Gitarre wiederbelebt werden. Wie Klänge nicht erkannt werden wollen. Wie orientalische, nordische und archaische Schnipsel aneinander gesetzt werden und sich eine Melodie mit Harmonien heraus schält, in »Útrunniđ«.

»JÆJA« wurde für den isländischen Music Award nominiert – völlig zurecht, denn das Werk ist nicht nur ganz und gar ungewöhnlich, sondern auch mutig und zukunftsorientiert: Vielleicht hören wir in hundert Jahren alle nur noch solche Klänge? Im Hier und Jetzt erntet sie für »JÆJA« von den meisten Zeitgenossen wohl eher das Attribut »Katzenmusik«. Wie gemein! Denn so könnte es klingen, wenn Sun Ra, Fred Frith, Steve Reich und David Gilmour dereinst im Musikerhimmel einen Joint zuviel rauchen und eine Runde über die isländischen Geysire drehen. (tjk)



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