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Alle Rezensionen zu Paal Nilssen-Love | Large Unit
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Extra Large Unit – More Fun Please
(2018, PNL Records PNL040)

Nach fünf CDs mit der Large Unit bringt Schlagzeuger Paal Nilssen-Love als 40. Veröffentlichung auf seinem Label PNL Records nun eine Art EP mit nur einem Track heraus, der dafür kaum mehr als eine halbe Stunde lang ist und zahlreiche unterschiedliche Teile hat, – eine Suite nennt man das in der Musikfachsprache – komponiert von Nilssen-Love, jedoch hat er dazu auch sein FreeJazz-Ensemble, das hier in einer abgespeckten Version mit nur acht Mitgliedern auftritt, ordentlich erweitert um 20 junge Musiker, Studenten an Norges Musikkøyskole, Oslos renommierter Musikhochschule, die von ihren Leitern bzw. Dozenten, den Poing-Mitgliedern Rolf-Erik Nystrøm und Håkon Thelin, »Intuitive People« genannt und mit denen Nilssen-Love diese Komposition somit als Extra Large Unit live am 20. Mai 2017 in Oslos »Sentralen« (Ist damit wirklich das Restaurant in der Øvre Slottsgate gemeint?) spielte, als Auftragswerk für die norwegische Institution für zeitgenössische bzw. Neue Musik (Nymusikk heißt der Verein denn auch ganz unkompliziert) zur Uraufführung im Rahmen des Only Connect Festival Of Sound, das an zwei Tagen im Mai jeweils dicht gepacktes Programm mit einer geradezu spektakulären Anhäufung von Komponisten und Musikern aus Avantgarde über Free Jazz, Noise und Improvisation bis hin zu Klangkunst und allem, was eben »zeitgenössisch« ist, präsentiert, und tatsächlich, wen wundert's, präsentierte auch Paal Nilssen-Love wieder einmal eine geradezu spektakuläre Mischung aus alldem, komprimiert auf 33 Minuten, allerdings nun in einer weniger free und bzw. freejazzig improvisierten Weise, sondern einem durchaus überraschenden Fokus aufs Komponierte (eine Suite, wie gesagt, mit einzelnen Passagen, die gar nicht so oft laut und expressiv wurden, sondern auch mal schräge, geräuschhafte Sound Art sein dürfen, die an mechanische Gerätschaften, defekte Maschinen oder surreale Zeichentrickfilme erinnern), gerade so, als wolle er sich einen rechten Namen als zeitgenössischer Komponist machen, zumal er diese Ambition noch unterstreicht, wenn er sagt, er suche nach Extremen und möchte Grenzen verschieben, physische, dynamischem, instrumentale Beschränkungen, wobei er an John Cage und dessen Ansatz einer Zufallsmusik anknüpft, und all dies gelingt ihm famos, diese Grenzenverwischung von Jazz und zeitgenössischer Musik, die selbst in dem unvergleichlich vielfältigen, etliche Stile und Genres umfassenden Œuvre des 43-Jährigen eine besondere Stellung einnimmt und eine neue Schublade aufmacht – eine wahrhaft grandiose Musik, die das Prädikat »Neue Musik« vollauf verdient, wobei Nilssen-Love darüber hinaus das Verdienst zukommt, geräuschhafte Avantgarde-FreeJazzOrchester-Komposition auch noch unterhaltsam, humorvoll und raffiniert erzählerisch zu gestalten. Top! (ijb)



Siehe auch:
Mathisen / Svendsen / Wildhagen
Christian Meaas Svendsen
Poing
Lana Trio

Paal Nilssen-Love | Large Unit: Extra Large Unit – More Fun Please

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.paalnilssen-love.com

   

Fluku
(2017, PNL Records PNL038)

Gerade mal ein Jahr nach »ANA« legt Paal Nilssen-Loves zeitgenössische Big Band ihr drittes Album (bzw. ihre fünfte CD) vor. Die kompakt aufspielende Truppe hat, als Ersatz für Tubist Børre Mølstad, nun den Saxofonisten Kristoffer Berre Alberts als Neuzugang zu verbuchen, der nach einem Bachelor an der Trondheimer NTNU erst kürzlich seinen Abschluss an der Norwegischen Musikhochschule in Oslo gemacht hat und in den letzten beiden Jahren etliche Alben mit den Gruppen Cortex, Damana, Snik und Starlite Motel beim FreeJazzlabel Clean Feed sowie eine Kollab-LP mit dem Trio SAKA und Maja S. K. Ratkje veröffentlicht hat.

Die vier Stücke von »FLUKU« wurden diesmal wieder nicht im Studio, sondern im April im Osloer Jazzclub Victoria aufgenommen, wahrscheinlich allerdings nicht um eine Konzertsituation einzufangen, sondern eher, um einen raueren Sound einzufangen. Auch diesmal gibt es wieder ein fast halbstündiges Stück, allerdings weniger ein monströses Tutti als vielmehr ein verschachtelt orchestriertes Ensemble-Opus. Auch die folgenden drei Stücke zeigen Large Unit von einer etwas ruhigeren, vertrackteren Seite; sechs Bläser changieren in einem stetig verschlungenen Dialog raffiniert mit den je zwei Bassisten und Schlagwerkern; wobei die Perkussionssektion nach dem Intermezzo mit den beiden Brasilianern beim Album »ANA« nun wieder auf den Chef PNL und den vielseitigen Nakama-Drummer Andreas Wildhagen konzentriert wurde. Gitarrist Ketil Gutvik und Elektroniker Tommi Keränen sind hingegen nicht immer klar zu identifizieren. (ijb)



Siehe auch:
Pan-Scan Ensemble
Fire! Orchestra
Paal Nilssen-Love & James Plotkin
Andreas Wildhagen

   

Ana
(2016, PNL Records/Bandcamp PNL033 CD/DL)

Beim zweiten Album gibt es einige Änderungen: Large Unit ist jetzt nicht nur eine noch größere Truppe (=Unit): 14 statt vormals 11 Leute. Erfreulicherweise spielt nun auch eine Frau mit – ja, eine nur, aber immerhin... ein Anfang. Die dänische Saxofonistin Julie Kjær gesellte sich zur Bläser-
sektion mit Thomas Johansson (tr), Mats Äleklint (trb), Klaus Holm (sax), Per Åke Holmlander und Børre Mølstad (tb). Elektroniker Tommi Keränen ersetzte den frischgebackenen Vater Lasse Marhaug, und Celio de Carvalho und Paulinho Bicolor, zwei brasilianische Perkussionisten, traten der Band vorübergehend bei, da Nilssen-Love an südamerikanischer Musik schätzt, dass sie laut, rhythmisch und intensiv das Leben feiert.

Das passt natürlich bestens zu Large Unit, die der Chef für die Aufnahme des zweiten Albums im Rainbow Studio in Oslo zusammentrommelte, wo an einem Tag im August 2015 diese Stunde mitreißender Musik eingespielt wurde. »ANA« setzt den ungebremsten (und bereits sehr guten) Debüt-CDs eine fokussiertere und noch bessere Version entgegen: Dynamischer, eingängiger, melodischer, komplexer, vielseitiger – und das alles auf dem »kleineren Raum« von drei epischen Stücken. Kann diese Band noch besser werden? Kaum vorstellbar. (ijb)



Siehe auch:
Julie Kjær Kvartet
Fire! Orchestra
Slugfield
Mats Äleklint: Je Suis!

Video-Link

   

Erta Ale
(3 CDs, 2014, PNL Records PNL025CD/LP/DL)

Wie kann Big-Band-Jazz im 21. Jahrhundert noch innovativ und frisch sein? Wer das Dreifach-Debütalbum des panskandinavischen Ensembles Large Unit hört, bekommt eine hervorragende Antwort darauf. Und das norwegische Kulturfördersystem macht es möglich: Paal Nilssen-Love, Schlagzeug-Wizard sondergleichen, konnte mit der finanziellen Unterstützung seine Wunschband zwischen Free Jazz, Noise und komponierter Ensemblemusik aufstellen. 2013 traten die elf Herren erstmals als Large Unit beim Molde Jazz Festival auf; eine EP namens »BLOW« folgte.

Der Arts Council Norway und der Fund for Performing Artists ermöglichten schließlich die Aufnahmen dieses 3-CD/LP-Sets, Anfang 2014 an verschiedenen Orten in Oslo, Bergen und Trondheim sowie beim Moers Festival kurz darauf mitgeschnitten. Man hört gerade in den lauten, expressiven Stücken die Klassiker des Genres hin und wieder heraus – Brötzmann oder Vandermark, energiegeladene Kraftmusik, doch Large Unit können auch anders: einige Nummern sind eher reduziert, dräuend, raffinierter in der Zurückhaltung. (ijb)



Siehe auch:
Nakama 仲間
Lasse Marhaug
Klaus Ellerhusen Holm
Lana Trio



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