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Alle Rezensionen zu Eivind Aarset
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Dream Logic
(2012, ECM/Universal ECM2301 / 3713657)

Man kann nicht gerade sagen, dass Eivind Aarset nun mit Anfang fünfzig bei ECM angekommen wäre. Immerhin ist der Gitarrist bereits seit fast zwanzig Jahren auf einer Reihe doch recht unterschiedlicher, nach wie vor durchweg hervorragender Alben beim Label präsent, nicht nur auf Molværs »Khmer« und »Solid Ether«, sondern jüngst auch auf den jüngsten Werken der vormals gemeinsam aktiven Arve Henriksen und Food. Nach einer Handvoll exzellenter eigener Alben bei Jazzland und dem Ende der engen Partnerschaft mit Molvær wurde es zuletzt recht ruhig um Aarset. Sein letztes Studioalbum liegt fünf Jahre zurück. Und ausgesprochen ruhig und introspektiv wurde auch nun sein ECM-Solodebüt, besonders im direkten Vergleich mit den früheren CDs mit seinen Bands Sonic Codex Orchestra und Électronique Noire.

Aarset ist zurück. Und der Neuanfang könnte kaum eindrucksvoller sein. Jedoch das Gegenteil von spektakulär, fast eine Ambient-CD wurde »DREAM LOGIC«, und dem einen oder anderen werden sofort Bilder vor dem inneren Auge und Ohr entstehen, wenn klar wird, dass das Album von Jan Bang produziert und alle Stücke im Duo mit Bang eingespielt wurden. Wer dessen jüngste Platten kennt, weiß, dass Aarsets neue Ausrichtung nurmehr wenig mit seinem High-Energy-ElectroJazz gemein hat, sondern eher in der »Fourth World«-Tradition von Eno/Hassell steht, gelegentlich sogar an die Rune-Grammofon-Alben Arve Henriksens erinnert. Stücke wie »Black Silence« oder »Jukai (Sea Of Trees)« leben von fragmentarischen Sounds, kaum greifbar zwischen elektronischen und akustischen Instrumenten. Die Gitarre scheint oft eine untergeordnete Rolle in diesem fragil-emotionalen Klangkosmos einzunehmen.
Hoffentlich wenden sich diejenigen nicht ab, die auf die Präsenz der gewohnten Aarset-Energie gewartet haben. Es wäre sehr bedauerlich. (ijb)



Siehe auch:
Jan Bang
Bang, Honoré, Sylvian, Endresen, Henriksen
Nils Christian Moe-Repstad, Molvær, Aarset, Bang & Honoré
Food


Zum Artikel über Eivind Aarset

Eivind Aarset: Dream Logic

Offizielle Website

Offizielle Website      eivindaarset.com

   

I.E.
(2015, Jazzland 0602547307248)

Nach seinem ECM-Soloexkurs scheint Eivind Aarset mit seinem neuen Album zu Warp Records gewechselt zu haben. Nicht zufällig könnte man »I.E.« auf den ersten Blick für das neue Werk des britischen Duos Autechre halten, hat Eivind doch The Designers Republic mit der Gestaltung beauftragt. Hinter der schattenreichen Fassade verbirgt sich keineswegs eine Fortsetzung der introspektiven Poesie von »Dream Logic«; Aarset hat »I.E.« diesmal mit dem Kern seiner Tourband eingespielt, mit der er zuletzt die ruhigen Stücke des letzten Albums in hochenergetische Rocksongs verwandelt hat: Erland Dahlen und Wetle Holte spielen eine Vielzahl an (vorwiegend nicht elektronischen) Instrumenten, Jan Bang samplet live und tritt wieder als Co-Produzent in Erscheinung, dazu gibt es ein Dutzend weiterer Musiker unterschiedlichster Couleur, einige bekannt, andere neue Gäste, wie Michele Rabbia oder eine Bläsergruppe unter der Leitung von Geir Lysne.

Trotz alledem überrascht Aarset keineswegs mit einem radikalen Stilwechsel, erweitert vielmehr gewandt über eine knappe Stunde Spielzeit das Klangspektrum, für das seine durchweg famosen Alben seit 15 Jahren stehen, um die eine oder andere (Klang-)Farbe. Obwohl wir zunehmend von einem dichten Soundmix vereinnahmt werden, bleibt die Collage auch über 12 Minuten lange Stücke stets höchst prägnant und jedes Klangelement, ob akustisches Schlagwerk, verzerrte Gitarren oder scheppernde Elektronik, sorgfältig gesetzt, komplexer strukturiert als frühere Alben. Klar ist Eivind bei Jazzland zu Hause, doch wäre es »I.E.« beim einst stilbildenden Warp Records aktuell innovativer als nahezu jede andere Platte im jüngeren Katalog. (ijb)



Siehe auch:
Geir Lysne
Erland Dahlen
Tortusa
Tigran Hamasyan, Henriksen, Aarset & Bang

   

Sonic Codex
(2007, Jazzland/Universal 0602517412453)

Er hat die Melodie und den Song entdeckt. Nun, vielleicht nicht ganz, aber es fällt auf, dass die vierte CD des norwegischen Gitarrenmagiers weniger nach Improvisation und mehr nach komponierter Struktur klingt. Auch seine Gitarre klingt gezähmt; die verzerrrten »Wutausbrüche« sind seltener geworden zugunsten klarer Melodiebögen im sustainreichen Twang-Sound. »Dröbek Saray« klingt gar wie David Gilmours Saiten-Singsang in »Shine On You Crazy Diamond«.

Doch mit der gesetzteren, zurück genommenen Spielweise geht auch eine gewisse Trägheit einher – so, als ob die ehemals hell lodernde Glut nur noch gemütlich glimmt. Mit bewährter Mannschaft – abermals Wetle Holte an den Drums sowie Audun Erlien und Beady Belles Marius Reksjø am Bass sowie einem Hans Ulrik an der Bass-Klarinette – gelingt Aarset ein zwar vielfarbiges, aber nicht mehr so leidenschaftliches Elektrojazz-Fusion-Album. (peb)



Siehe auch:
Hans Ulrik
Eivind Aarset & The Sonic Codex Orchestra

   

Connected
(2004, Jazzland/Universal 06024.9866378)

... und er geht weiter kompromisslos seinen Weg. Eivind Aarset perfektioniert mit seiner »Kerntruppe«, dem Wibutee-Schlagzeuger Wetle Holte und dem Beady Belle-Bassisten Marius Reksjø, seine Fusion-Spielart zwischen David Torn und Jon Hassell, zwischen Brian Eno und Bill Laswell.

Mit im Team sind jedoch zusätzliche Freigeister wie der dänische Bläser Hans Ulrik, der Tunesier Dhafer Youssef und die Soundgimmick-Lieferanten Jan Bang, Raymond C. Pellicer sowie Pål »Strangefruit« Nyhus. Zusammen gestalten sie Aarsets elektronische Transformationen zwischen Jazz, Rock und Beats deutlich ruhiger und relaxter als auf den beiden Vorgänger-Alben – aber auch etwas weniger packend. (peb)



Siehe auch:
Beady Belle
Jan Bang
Ab und Zu

   

Light Extracts
(2002, Jazzland/Universal 014.741-2)

Die angelsächsischen Medien feierten Aarsets Debüt als eines »der besten elektronischen Jazzalben der Post-Miles-Davis-Ära«, was zwar die Entdeckerfreude des Norwegers treffend charakterisiert, kaum jedoch die musikalische Ausrichtung (und Wertung).

Eivind Aarset vertönt mit Tracks wie »Between Signal & Noise« oder »Ffwd / Slow Motion« im Prinzip unser technoides Leben – mit elektronischen Soundscapes, haspeligen Schlagzeug-Attacken und Kontrabass-Ostinati. Darüber schwingt sich seine midi-gesteuerte Gitarre, die kaum jemals wie eine Gitarre klingt, sondern: nervös, romantisch, pulsierend, mollig, wabernd, bedrohlich. Musik als urbaner Soundtrack. (peb)



Siehe auch:
Marilyn Mazur's Future Song
Gaia
Nils Petter Molvær

   

Électronique Noire
(2001, Jazzland/Universal 558.128.2)

Man käme nicht auf die Idee, dass hier ein Gitarrist am Werk ist. Aarset jagt seine Gitarrensignale durch Preamps, Midicontroller, Wah und Marshall-Amps. Dann zeichnet er das Ganze auf Computer-Festplatte auf, um es weiter durch den digitalen Fleischwolf zu drehen. Mit Hilfe weiterer Jazz-Freigeister wie Nils Petter Molvær und Bugge Wesseltoft kam ein winterdüsteres Triphop/Noise/Ambient-Monument heraus, irgendwo zwischen Miles Davis, Bill Laswell, David Torn und Metallica.

Aarset, der bisher Studio-Jobs für A-ha-Frontmann Morten Harket, Dee Dee Bridgewater, Ray Charles, Cher (!) oder eben Molvær absolvierte, verwöhnt auf seinem Solo-Debüt mit Drum'n'Bass-infizierter Montagekunst und packenden, nordisch klaren Soundscapes. Wenn er dabei gelegentlich an David Torn oder Steve Tibbetts erinnert, so tut er das mit Respekt vor den Vorbildern und völlig eigener Handschrift. (peb)



Siehe auch:
Arild Andersen
Bugge Wesseltoft
Morten Harket
Ketil Bjørnstad



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