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Alle Rezensionen zu Kalle Kalima
(Genre »Jazz«, Land »Finnland«)

 

High Noon
(2016, ACT/Edel ACT 9596-2)

Das Ideenreservoir des finnischen Gitarristen Kalle Kalima scheint unendlich: In rasender Reihenfolge zaubert der Wahl-Berliner neue Projekte aus dem Ärmel, die zudem weit mehr sind als blitzschnell umgesetzte Schnapsideen - zumindest lassen die Ergebnisse keinen anderen Schluss zu. Auf seinem ACT-Debut »HIGH NOON« verbeugt er sich, wie der Titel vermuten lässt, vor dem Western und den Songs aus Filmen und Verwandtem.

»Ghost Riders In The Sky« steht exemplarisch für diese CD: Kalle Kalima lässt den Song in seiner schlichten Größe stehen und positioniert sich genau zwischen Country und Jazz. Das Grundgerüst der Songs bleibt bestehen, auch über den Titelsong macht sich Kalima keinesfalls lustig. Marty Robbins‘ »El Paso« vergleiche man mit den eher fröhlich trabenden Versionen der Grateful Dead – bei Kalima wird das Lied zur ganz langsamen Ballade, herrlich getragen von Greg Cohen am Kontrabass. Dieser erweist sich als idealer Partner für Kalima, er sorgt für die Bodenhaftung und spielt sehr beseelt-melodische Bass-Soli. Max Andrzejewski am Schlagzeug begleitet ebenso einfühlsam und dynamisch.

Neben alten Songs und einem finnischen Klassiker von Hiski Salomaa kommt sogar Jean Sibelius zu Ehren: Sein »Jääkärimarssi« (dt. Jägermarsch) fängt ganz sachte an, kurz vor Schluss explodiert er aber – und verglüht wie eine Sternschnuppe über der Prärie. Nicht einmal Leonard Cohens »Hallelujah« erfährt ironische Behandlung, sondern wirkt fast erhaben.

Sehr lohnenswert übrigens der Vergleich mit Bill Frisells zeitgleich erschienenem Album »WHEN YOU WISH UPON A STAR«, auf dem der amerikanische Gitarrenveteran ein durchaus vergleichbares Konzept an den Tag legt: auch er spielt Western-Songs von »Bonanza« über mehrere Stücke aus dem Filmklassiker »Once Upon A Time In The West« (dt. »Spiel Mir Das Lied Vom Tod«) bis zu »Moon River«. Frisell addiert zu seinem Gitarrentrio noch einen Violinisten und gelegentlich eine Sängerin – ansonsten dominiert auch hier die Gitarre. Frisell ist sicher der elegantere, gelassenere Spieler – er ist zum einen älter und beschäftigt sich auch schon seit über 20 Jahren mit Country und Western und den Berührungspunkten mit Jazz. Kalima hingegen hat sich eine jugendliche Begeisterungsfähigkeit für die Western-Songs bewahrt, ist als Gitarrist natürlich auch experimentierfreudiger, rauer und geht in seinen Improvisationen weiter als Frisell.

Jedoch geschieht es auch bei Kalle Kalima selten, dass er einen der ehrwürdigen Songs völlig dekonstruiert und wieder aufbaut. Er spielt zunächst die Songs – und dann mit den Songs: In »Ballad Of The Alamo« zitiert er ganz kurz »Return To Sender« von Elvis – das passt, kurz danach hat Greg Cohen eines seiner herrlichen Understatement-Bass-Soli, worauf die Ballade Tempo aufnimmt – ein Highlight dieser CD! Wie eben auch die ganze CD ein Highlight ist in der bislang überschaubaren Schublade »Western Jazz«. (tjk)



Siehe auch:
Kalle Kalima & Klima Kalima
Kalle Kalima Pentasonic
Kalima Trio & Marc Ducret

Kalle Kalima: High Noon

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.actmusic.com/Kuenstler/Kalle-Kalima



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