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Alle Rezensionen zu Jesper Bodilsen
(Genre »Jazz«, Land »Dänemark«)

 

Scenografie
(2 CDs, 2012, Carosello Records 8034125842483)

Man kann dieses eindrucksvolle Doppelalbum eigentlich nicht besser anpreisen als Altmeister Enrico Rava in seinem kleinen Text im CD-Beiheft. Er stellt Jesper Bodilsen in eine direkte Reihe mit Niels Pedersen (NHØP), Palle und Lars Danielsson und Arid Andersen. Die Klarheit und unverstellte Emotionalität in den Kompositionen und im Spiel des dänischen Bassisten legen großen Wert auf einfache Songs statt Jazzmuckertum. In zwei Akten (=CDs) mischt Bodilsen zwei Studiosessions aus dem Winter 2011/2012, die erste fand im italienischen Perugia statt, die zweite im schwedischen Göteborg, mit jeweils komplett unterschiedlicher Besetzung.

Dass diese multinationale Gruppe mit all ihren verschiedenen Charakteren kein heterogener Flickenteppich wurde, ist Bodilsens starken verbindenden und verdichtenden Qualitäten als Leader zu verdanken, offenkundig von einschneidenden Erfahrungen in den gegensätzlichen europäischen Musikszenen geprägt: Während Paolo Russos Bandoneón natürlich sofort mediterranes Flair evoziert, kontern die nachdenkliche Trompete oder das skandinavische Flügelhorn von Peter Asplund und manchmal auch die immer einen Hauch neben dem (zu) Eingängigen liegende Gitarre von Ulf Wakenius mit kosmopolitischer Souveränität.

Kaum weniger weltmännisch gefärbt ist das markante federnde Klavierspiel Stefano Bollanis, dessen Trio mit Bodilsen und Schlagzeuger Morten Lund schon starke Alben bei ECM (wo »SCENOGRAFIE« mindestens ebenso gut hätte erscheinen können) veröffentlichte, dem die folkloristisch durchtränkten Melodien von Nico Goris Klarinette gegenüberstehen.

Trotz der Quartettbesetzung, zumal solch unterschiedlicher künstlerischer Gemüter, atmet die meist verhaltene, manchmal verträumt dahingleitende Grundstimmung von »SCENOGRAFIE« den Geist eines Duos oder maximal Trios, so unaufdringlich und sensibel spielt der Leader und vorrangige Komponist der zwölf Stücke mit seiner Band. Der Verzicht auf Schlagwerk trägt dazu entscheidend mit bei. Man gerät schnell in Versuchung, diese Bescheidenheit als Langweiligkeit misszuverstehen, doch damit wäre allen Beteiligten sehr unrecht getan, und es entgeht einem dann eine überaus feinsinnig zeitlose Platte. Der Brückenschlag zwischen nord- und südeuropäischem Jazz gelingt selten derart leicht und tief zugleich. Und selbstredend fügen sich die beiden südländischen Fremdkompositionen (Buarque/Jobim und Serral) ebenso fließend ins Gesamtbild ein. (ijb)



Siehe auch:
Ulf Wakenius & Niels-Henning Ørsted Pedersen
NHØP
Palle Danielsson
Marco Mezquida, Jesper Bodilsen & Martin Maretti Andersen

Jesper Bodilsen: Scenografie

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.myspace.com/jesperbodilsen

   

Short Stories For Dreamers
(2009, Stunt STUCD 09162)

Einfachheit und Raum waren die Schlüsselwörter für Jesper Bodilsen bei der Planung dieser Aufnahmen. Jedes Stück, ob nun von ihm oder nur von ihm ausgesucht, sollte eine Geschichte erzählen, und Raum für jeden einzelnen Musiker bieten, ihre Individualität einzubringen. Bodilsen sieht Musik und Bilder eng verwandt, kein Wunder also, dass man nur die Augen schließen muss, um sich ganz weit weg träumen zu können. Die ganze CD durchweht ein Hauch von südländischer nächtlicher Hitze - aber nicht die Ballermann-Partyhitze, sondern die ganz entspannte auf der Veranda.

»Caetano« entführt zu Beginn nach (Velosos) Brasilien, »Song For Her Being Here« ist eine wundervolle Ballade (mit Reminiszenzen an »Round Midnight« und »Moon Over Bourbon Street«). Ulf Wakenius spielt herrlich relaxt akustische Gitarre, Peter Asplund bläst Trompete und Flügelhorn noch lyrischer als üblich, und Severi Pyysalo zeigt am Vibraphon, dass er auch ein Meister der wenigen Töne ist. Jesper Bodilsen hält mit seinem Kontrabass alles zusammen und die Fäden in der Hand, übernimmt auch mal die Melodielinien. »Barcelona« muss als grandioses Beispiel gewürdigt werden für das Zusammenspiel dieser vier ebenso virtuosen wie sensiblen Musiker. Bei »Moon River« bleibt fast die Zeit stehen, »Marie« ist ebenfalls ein lebhafter Höhepunkt dieser wunderbaren CD. (tjk)



Siehe auch:
Jacob Christoffersen
The Best Of Stunt Records Vol. 12
Peter Asplund
Ulf Wakenius

   

Mi Ritorni In Mente
(2004, Stunt/Sunny Moon STUCD 03182)

Obwohl Schüler von Niels-Henning Orsted-Pedersen, verzichtet Jesper Bodilsen sowohl als Solist wie Begleiter auf die Demonstration furchteinflössender Virtuosität und Dominanz; er legt mehr Wert auf runden Sound und Trio-Eleganz – und hat sich dafür passende Partner gesucht, die er noch aus der gemeinsamen Arbeit mit Trompeter Enrico Rava kennt: Landsmann Morten Lund (dr) spielt variabel, aber etwas zu zurückhaltend, so dass der hochgelobte italienische Pianist Stefano Bollani in diesem Trio die Glanzlichter setzt.

Die abstrakten Bearbeitungen von »Nature Boy« und »How Deep Is The Ocean« stehen im Gegensatz zu »Someday My Prince Will Come« als Feature für Bodilsens Bass. Und italienische Stückchen gibt's ebenso zu hören wie ein schwedisches Volkslied: »Liten Karin« beschließt das Repertoire mit träumerischer Eleganz. Eine wahrlich gute Platte, aber was könnte das für ein Trio sein, wenn sie denn nur die Handbremse lösen würden ... (tjk)



Siehe auch:
Bollani, Bodilsen, Lund



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