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Alle Rezensionen zu Jan Bang
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

...And Poppies From Kandahar
(2010, SamadhiSound ss018)

Wenn Jan Bang seinen Veröffentlichungsrhythmus beibehält, werden wir erst 2023 sein viertes Soloalbum zu Gehör bekommen. »Frozen Feelings« erschien 1989 und ist bis heute nicht auf CD erhältlich, und auch sein »Pop Killer« von 1998 blieb ebenso wenig bekannt, obwohl er schon damals Nils Petter Molvær, Eivind Aarset und Bugge Wesseltoft als Gäste zu bieten hatte, zu der Zeit, als deren Stern gerade noch recht frisch international strahlte, mit ihren jeweiligen Meilensteinalben. Jan Bang dagegen ist der Mann im Hintergrund geblieben. Wer aufmerksam liest, hat seinen Namen jedoch zahllose Male auf tollen, vorwiegend norwegischen Platten gelesen. Rar hat er sich nicht gemacht. Und auch wenn »...And Poppies From Kandahar« mit Stargästen und Samples gespickt ist, hat es aus der Pop/Elektro-Jazzszene selten ein leiseres, unaufgeregteres Album gegeben.

Jan Bang dürfte das Kunststück gelungen sein, erstmals die drei großen Trompetenstars ihres Genres bzw. Stils auf einer CD zu vereinen: Nils Petter Molvær, Arve Henriksen und beider erklärtes Vorbild, Altmeister Jon Hassell. Freilich hatte Bang auf deren Alben maßgeblich mitgewirkt und mitproduziert. Sein Fokus ist das Live-Sampling und das Basteln im Studio, und so sind diese elf Songs, obwohl wie ein beständiger eleganter Soundteppich miteinander verwoben, über ein halbes Jahr hinweg im Studio in Kristiansand entstanden. Sidsel Endresen und Eivind Aarset schauten einige Male vorbei, Rolf-Erik Nystrøms Saxofon, Lars Danielssons Bass, Anne Marie Almedals Stimme und einiges mehr kann herausgehört werden, sogar Richard Wagner, Muta und das Kammerflimmer Kollektief tauchen auf, und Labelchef David Sylvian sorgte am Ende für Titel und Art Direction.

Und doch bleibt alles ganz das Werk von Produzent Bang, eine geschmeidige, sehr atmosphärische, wenn auch nicht auf Anhieb zugängliche, von Jazz und Elektronik mehr angehauchte als durchdrungene Ambient-Pop-CD in der Tradition von Brian Enos und (natürlich) Jon Hassells Klassiker »Fourth World«. Am markantesten stechen die Passagen mit Sidsel Endresen hervor. (ijb)



Siehe auch:
Tigran Hamasyan, Arve Henriksen, Eivind Aarset & Jan Bang
Bang, Honoré, Sylvian, Endresen, Henriksen
Eivind Aarset & Jan Bang
Nils Christian Moe-Repstad, Molvær, Aarset, Bang & Honoré

Jan Bang: ...And Poppies From Kandahar

Video-Link

   

Narratives from the Subtropics
(2013, Jazzland 374 847-4)

Diesmal ließ er sich nicht wieder ein Jahrzehnt Zeit zum nächsten Album. Und entsprechend liegt »NARRATIVE FROM THE SUBTROPICS« stilistisch viel näher an »...Kandahar« als beide an den sehr in dem Achtzigern bzw. Neunzigern verhafteten Frühwerken. Überhaupt war Jan Bang im letzten Jahrzehnt äußerst aktiv, arbeitete mit etlichen Musikern der PUNKT-Familie zusammen - und gestaltete sein ganz eigenes (Klang-)Universum, das auch auf seiner neuen CD (die übrigens parallel mit Arve Henriksens neuem Album erscheint und einige Gemeinsamkeiten aufweist) wieder ganz bei sich ist.

Allen vierzehn Gästen aufzuzählend gerecht zu werden, würde diesen Text schnell überstrapazieren; so ist es fast verwunderlich, dass Bangs Klangkosmos nun sogar noch reduzierter und intimer geworden ist als auf dem Vorgängeralbum. Diese »NARRATIVES« finden in einer so eigenen, etwas unnahbaren Atmosphäre statt, dass sich wohl kaum neue Fans für diese Anti-Popmusik, diesen verschlungen-meditativen Nu-Jazz erwärmen werden. »Punktaholics« (Zitat von Dave Mullan), derer es im Jahr 9 des Festivals mittlerweile gar einige geben dürfte, kommen dagegen restlos auf ihre Kosten. (ijb)



Siehe auch:
Punkt

   

Pop Killer
(1998, Virgin 724384.556020)

Für Liebhaber der Richtung »ein bisschen Jazz« oder der Serie »Cafe del Mar« ist diese leicht mystische Musik ein echtes Schmankerl. Schon mit der Titelwahl seines zweiten Soloalbums »Pop Killer« (nach »Frozen Feelings« vor elf Jahren) macht Jan Bang deutlich, wohin die Reise geht: Der norwegische Musiker und Produzent - u.a. für Bertine Zetlitz - präsentiert solide produzierte Kreativstücke zwischen Jazz, Funk und Pop.

Zwölf Instrumentals - das fünf Sekunden lange Intro und der gelegentlich einsetzende Chor nicht mitgerechnet - liefern ausreichend Stoff für besinnliche Chillout-Zeiten. Süffig-seichte Trompetenfills von Nils Petter Molvær oder die Saxofon-Einlage von Bendik Hofsteh verleihen der CD einen ganz besonderen Charme. Jener lyrische Jazzsong »Choosing The Sea«, an dem auch Bugge Wesseltoft, Eivind Aarset und Arild Andersen mitwirken, hebt sich nicht nur qualitativ, sondern auch musikalisch vom Restprogramm ab. (rab)



Siehe auch:
Bertine Zetlitz
Nils Petter Molvær
Bugge Wesseltoft
Arild Andersen



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