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Alle Rezensionen zu Food
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Mercurial Balm
(2012, ECM 2269)

Wie schön, dass nach dem letzten Food-Abum die Zusammenarbeit mit Christian Fennesz eine Fortsetzung findet! Vom ersten Track an tritt er nun wie ein vollwertiges Bandmitglied auf. Über mittlerweile sieben Alben haben sich Food in einem steten Fluss weiterentwickelt, und genauso fließend gleiten ihre Songs hier ineinander. Nach einem langsam aufkeimenden, dräuend-atmosphärischen Anfang aus Fennesz's Gitarrenmanipulationen und verschiedenen elektronischen Elementen tritt nach viereinhalb Minuten zum ersten Mal Iain Bellamys Saxofon auf, bevor bald Thomas Strønens polyrhythmische Percussions für eine fast tanzbare Stimmung sorgen.

Das dunkel wogende »Ascendant« könnte Filmmusik aus einem schwülen Mississippi-Thriller sein, »Phase« erinnert mit der flirrenden Elektronik schon eher an den Soundtrack zu einer unruhigen Nachtfahrt durch die bunte Großstadt; wenn die rockige Gitarre das Tempo übernimmt, kann man Abgründe, Unruhe und Rausch gleichermaßen assoziieren. Überhaupt entstehen durch Christian Fennesz's Mitwirkung etliche eindringliche Passagen.

Nach dem relativ sanften »Quiet Inlet« kommen Food auf »MERCURIAL BALM« weitaus weniger leise daher, bisweilen fast als Rockband - wie im ausufernden »Astral«, in dem sich Gitarren, ekstatische Dancerhythmen und melodisches Saxofon zu einem mitreißenden Strom aufbauen und am Ende wie erschöpft zerfallen. Erst nach über der Hälfte der Spielzeit treten weitere Stargäste hinzu. Nils Petter Molværs gedämpfte Trompete erkennt man sofort; er war ja schon beim vorherigen Album im Boot, doch im Unterschied zu damals spielt er nun mit Fennesz gemeinsam in »Moonpie«, in einer tollen, zarten Zwiesprache mit Bellamys Saxofon. Sehr überraschend kommt nach diesem Zwischenspiel der nordindische Gesang von Prakash Sontakke, der auch als Slide-Gitarrist mitwirkt.

Statt Fennesz spielt nun Eivind Aarset die um elektronische Effekte bereicherte Gitarre. So verliert »MERCURIAL BALM« im letzten Drittel leider an Dichte und Intensität; ausgerechnet der Titeltrack bleibt eher blass und etwas beliebig; zu viele Einfälle geschehen parallel. Womöglich wäre ein Album mit Fennesz und ein zweites mit Aarset und Sontakke die bessere Wahl gewesen. Zum Schluss darf erfreulicherweise Fennesz noch einmal mitwirken, im nervösen »Galactic Roll«. Bei den vielen Weltalltiteln wäre ein entsprechendes Coverfoto nicht abwegig gewesen... (ijb)



Siehe auch:
Time is a Blind Guide
Thomas Strønen & Ståle Storløkken
Nils Petter Molvær
Eivind Aarset

 Food: Mercurial Balm

   

This is not a miracle
(2015, ECM 2417)

Beim achten Album könnte man erwarten, dass sich bei einer Band eine gewisse Vorhersehbarkeit einstellt. Nicht so bei Food. Einerseits ist »THIS IS NOT A MIRACLE« ihre vierte CD als Duo, welches wie gehabt um Gäste erweitert wird. Andererseits stehen (erstmals bei ECM) nicht mehr die Namen der Mitwirkenden auf dem Cover; zudem ist es —diesmal genau genommen ein Trioalbum— schon die dritte mit Christian Fennesz, eine Zusammenarbeit, die sich in ihrer Konstanz als ebenso wandelbar wie inspirierend erweist. Thomas Strønen, der zeitgleich ein rein akustisches Ensemblealbum bei ECM herausbringt, hat diesmal sehr viel alleine gemacht, die an drei Tagen eingespielten Aufnahmen über Monate editiert und nachbearbeitet.

Schlagzeuger und Keyboarder Strønen sorgte für einen mal organischen, mal kantigen Mix aus »handgespielten« und elektronisch aus- und umgestalteten Klängen. Das macht vor allem anfangs einen streckenweise viel strukturierteren Eindruck als vorige Food-Alben; zugleich aber wird es am Spannendsten, wenn Iain Bellamys lyrische Sax-Impros in der freien Elektronik ein Gegenüber finden, und noch mehr, wenn Fenneszs vielschichtige Gitarrenverfremdungen dem Ganzen ein schwebendes bis berauschendes Volumen verleihen. Dann gibt die Musik ihre Zurückhaltung zugunsten einer kraftvollen Elektro-Jazz-Stilmelange auf, die Food im Trio zu mehr Organismus als Band werden lassen. Diese Höhepunkte befinden sich vor allem unter den letzten vier Stücken des Albums, und davon möchte man bei Album Nummer 9 gerne mehr hören. Stark wäre garantiert auch eine Live-CD mit dieser Besetzung. Und nicht zu vergessen: Ein von Manfred Eicher produziertes Fennesz-Album, das wäre ein Grund zum Feiern! (ijb)

   

Quiet Inlet
(2010, ECM/Universal ECM 2163)

Eigentlich ist das Wichtige dieses Albums das, was man nicht hört: die Stille im Hintergrund. Es scheint so, als würden Thomas Strønen und Iain Ballamy, der Drummer und der Saxophonist des Duos Food, diese Stille die ganze Zeit gleichzeitig umkreisen und damit verhindern. Aber dass sie da ist, lässt sich nicht leugnen.

Dieser Tanz um die Stille, für den sich das Duo noch den Trompeter Nils Petter Molvær und den Elektroniker Christian Fennesz als Verstärkung für einige Tracks gemietet hat, ist eine ziemlich hypnotische Sache. Strønens halb akustische, halb elektronische Art des Schlagzeugspiels hat immer etwas Ruheloses, klinisch Nervöses. Geräusche, als würden viele Ameisen mit stählernen Füßen über Trommeln und Becken laufen. Wispernde Geräusche, aus denen manchmal ein instabiler Beat herauswächst und wieder zusammenfällt. Dazu Ballamys tastendes Saxophonspiel, das stets nur aus einer ziellosen Reihe einzelner Töne zu bestehen scheint, die aber doch einen untergründigen Sinn ergeben.

Zu Molværs Verdiensten in diesem Musikgenre muss man nicht mehr viel sagen – er passt einfach hierher. Die Kooperation mit Christian Fennesz ist erstaunlicher – aber auch ergiebiger. Fennesz benutzt seine Gitarre als Klanggenerator, mit dem Computer erzeugt er aus ihrem Tonsignal wispernde bis reißend dröhnende Klangwände. Eine wundervolle Kulisse für Foods stilles Getänzel. »QUIET INLET« ist eine CD für diese Momente, in denen einem das Drumherum eigentlich zu still ist, aber man trotzdem eigentlich keine Musik ertragen kann. Bis auf diese. (sep)



Siehe auch:
Verschiedene: Runeology
Thomas Strønen
Thomas Strønen & Tone Åse

   

Molecular Gastronomy
(2007, Rune Grammofon/Cargo RCD2069)

Viele Köche verderben den Brei, heißt es ja. Gut also, dass die Klangköche von Food nur noch ein Duo sind: Thomas Strønen an Schlagzeug und Elektronik, Ian Ballamy an Saxophon und Querflöte. Ihrer entschlackten, auf den Punkt gebrachten Molekularküche kommt das sowieso zugute – auch wenn sie sich aus Aufnahmen aus vollen zwei Jahren bedient. Das Album hat eine fast magische Geschlossenheit.

Das liegt nicht nur daran, dass Strønens Mischung aus Computer- und Schlagzeugsounds so unverwechselbar und immer noch und immer wieder spannend anzuhören ist. Neben seine lässige Drum-Robotik stellt Ballamy wunderschöne, klangsatte, lyrische, oft auch orientalisierende Sax- und Flöten-Parts, was nur beim ersten Hinhören nicht zusammen zu passen scheint. Tatsächlich entsteht aus kalter Technik + sinnlichem Instrument ein seltsam universelles, erfrischendes Menü mit zehn überraschenden Gängen. (sep)



Siehe auch:
Parish

   

Last Supper
(2004, Rune Grammofon/Universal RCD2041)

Wer soll da noch den Überblick behalten? Das Quartett Food ist ein weiteres der vielen Projekte des Trompeters Arve Henriksen. Hier bläst er im lyrisch-melodischen Wechselspiel mit Saxofonist Iain Bellamy und leichtfüßig schwebend auf elektronischen und klangästhetisch noch völlig unverbrauchten Soundscapes. Unterstützt von Drummer Thomas Strønen und Bassist Mats Ellertsen kredenzen uns Food ein stilvolles, an die asketische Zen-Ästhetik erinnerndes Menü.

Bedächtig, vorsichtig tastend ziehen uns die »Christcookies« in ihren Bann, vollwertiger dann und dennoch nicht schwer im Magen liegend verwöhnt uns »Quinoa«, während beim »Junk Food« der revoltierende Magen Kapriolen schlägt. Feinschmecker dagegen warten bis zum Ende der CD und goutieren bei den stilvollen Gängen von »First Supper« und »Last Supper« die fremde Jazz-Gewürze und perfekt komponierten Zutaten. Visionäre Musik, anregend für die Ohren und reinigend für den Geist. (peb)



Siehe auch:
Arve Henriksen
Mats Eilertsen



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