Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu The Radio Dept.
(Genre »Pop«, Land »Schweden«)

 

Running Out Of Love
(2016, Labrador/Broken Silence LAB158)

Ein Album über all die Dinge, die sich in den vergangenen Jahren in die falsche Richtung entwickelt haben: Das ist »RUNNING OUT OF LOVE«, das lange erwartete vierte Album der schwedischen Edel-Popsters The Radio Dept. Das liberale, weltoffene Schweden gibt es nicht mehr. Bullerbü hat sich in eine Festung verwandelt, und das Land driftet nach rechts. Vom schwelgerischen Synthiepop und sanften Vocals sollte man sich hier nicht täuschen lassen: In Tracks wie »Swedish Guns« stellt das Duo die boomende schwedische Waffenindustrie an den Pranger. Hinter scheinbarer klanglicher Harmonie lauern hier Abgründe, garniert mit schicken Drumloops. Die Grundstimmung ist eine sanfte Melancholie. Aber auch das täuscht. The Radio Dept. sind wütend, sehr wütend. Der Opener» Sloboda Narodu« bezieht sich auf die jugoslawischen Partisanen im zweiten Weltkrieg und ihren Kampf gegen die Nazis. Und verbirgt seinen Aufruf zur Revolution hinter flirrenden Gitarren und plüschigem 80er-Feeling.

»RUNNING OUT OF LOVE« ist auch die Geschichte einer unschönen Trennung. Johan Duncanson und Martin Larsson wollten nach 20 Jahren weg von ihrem Anorakpop-Stammlabel Labrador.Man stritt sich über Tantiemen. Das Label fand es weniger lustig, dass sich einer seiner wichtigsten Acts verabschieden wollte. Die Dinge liefen so weit aus dem Ruder, dass man sich vor Gericht wiederfand. The Radio Dept. unterlagen und mussten gezwungenermaßen ein letztes Mal mit den Labradors arbeiten. Wer genau zuhört, mag diese Spannungen spüren, die im Track »Occupied« sachte zu einem Sample aus dem »TWIN-PEAKS«-Soundtrack thematisiert werden. Was für ein scheinbar zugängliches und dahinter ungemein vielschichtiges, aufbegehrendes Album mit einem Übermaß an Bedeutungsebenen! (emv)



Siehe auch:
Verschiedene: Labrador 100

The Radio Dept.: Running Out Of Love

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.labrador.se/artists/radiodept.php3

   

Passive Aggressive Singles 2002-2010
(2011, Labrador/Broken Silence LAB135)

Singles-Compilations sind nur etwas für den Hardcore-Fan. Heißt es. Was in diesem Fall komplett falsch ist. The Radio Dept. überraschen auf »PASSIVE AGGRESSIVE SINGLES 2002-2010« mit einer Einladung zum Entdecken. Zum Überraschtwerden. Und zum Tagträumen. Nur eines fordern sie: Zeit und Ausdauer: Auf zwei CDs hat das schwedische Trio jeweils 14 Tracks versammelt. Auf der ersten Scheibe finden sich alle A-Seiten der Singles, die zweite ist die Spielwiese für die verspielt-experimentelleren B-Seiten.

Trotz aller Brüche - sie reichen vom noisigeren Shoegaze der Anfangsjahre bis zum elaboraten Elektrodancepop der jüngsten Veröffentlichungen - sind die Drei aus Lund immer für souveränen Eigensinn und unverhofftes Hakenschlagen durch den urbanen Popdschungel gut. Johan Duncansons zurückgenommene Vocals bilden die Klammer, die hier alles zusammenhält: Von Ausflügen ins Synthieland über Wellenschlag und Vogelfiep bis zu empfindsamen Pianopirouetten. Und nein, es geht hier nicht um harmlosen Blümchen- und Bienengitarrenpop, sondern um durchaus untergründige, hellwache, präzise Songs, die selbstbewusst grüne Grenzen überschreiten. (emv)

   

Clinging To A Scheme
(2010, Labrador/Broken Silence LAPCD 124)

Weniger ist mehr. Einfache Einsicht das, wenn man sich seiner Sache sicher ist. Und das sind sich The Radio Dept. auf ihrem lange verschobenen Drittling »CLINGING TO A SCHEME«. Zehn Tracks. Elegant, präzise, leichtfüßig, mühelos auf den Punkt gebracht. Ohne dass die offenkundige Intelligenz dahinter jemals offensiv protzen müsste. Spielchen haben die Schweden nicht nötig. Sie machen einen selbstverständlichen Schwenk in Richtung erwachsenen Elektropop, der so selbstverständlich daherkommt wie Milch, die sich über frisch gepflückte Blaubeeren ergießt. Man wird in der dunkelsten Ecke des Clubs verstohlen zu diesem funkelnden Understatement-Pop tanzen wollen. Und sich daran erinnern, dass man die intensiv schwebende Melancholie von Wheat aus ihrer »HOPE AND ADAMS«-Phase immer, immer geliebt hat.

Sänger Johan Duncanson muss die Stimme nie erheben, damit wir diese ziehende Sehnsucht im Herzen verspüren. Um zu wissen, dass sich hinterm Horizont ganze Kontintente verbergen. Das Trio spielt souverän mit flüchtigen Gefühlen und schreitet mit ebenso großer Gelassenheit wie Souveränität durch den Dschungel der Zitate, ohne den eigenen Weg auch nur eine Sekunde aus den Augen zu verlieren. Dancefloor-Synthies, Reggae-Echos, Triphop-Träumereien, fein eingesponnen in die eigene Vision vom unterkühlt-perfektem, schwerelos dahintrudelnden Popsong. (emv)

   

Pet Grief
(2006, Labrador/Broken Silence LAB095)

Es gibt Tage, da scheint die Leere wie eine bleierne Decke über dem Kopf zu schweben. Ganz so, als wolle sie jeden Moment die Luft zum Atmen nehmen und alle Fluchtwege vermauern. Niedergeschlagenheit und fehlende Zielgerichtetheit können erdrückend wirken – oder ein seltsames Gefühl der Melancholie wecken, in dem es sich fast sehnsüchtig zu suhlen gilt. Schlechtfühlen als Elixier.

The Radio Dept. schleppten sich mit ihrem Debüt »LSSER MATTERS« zum Ende. Verloren auf ewig in den verwaschenen Echos der Harmonien, die Behaglich- und Einsamkeit passend kombinierten. Und auch auf »PET GRIEF« sind vor allem die ausufernden, bisweilen etwas altbackenen Synthieflächen warm, die sich mit dem Pet Shop Boys-Gestus des Gesangs und den Gitarrenschlaufen zu einer Einheit des Unaufgeregten verbinden. Eine schier endlose Redundanz wohlgeformter Monotonie. (maw)

   

Lesser Matters
(2004, Labrador CD-LAB035)

Graubraun verwaschen, wie nach Schleudergang-Loopings. Spröde verhallt, wie in einem leeren Schwimmbad aufgenommen. Der Sound, Jungs! Daran werden sich die Geister scheiden. Den Rest erledigt das Quartett aus Lund derweil in dezidiertem Format. Neugierig wird sich ins Indie-Popland vorgetastet, die alten Schrammelrock-Platten entstaubt. Mit Reminiszenzen an Britpop und Schulterblicken Richtung New Wave.

Dabei verhaspelt sich die Band nicht in komplexen Arrangements, sondern kaut auch gerne mal minutenlang auf einer Akkordfolge, ohne vom Pfad der Ruhe abzuweichen. Selbst High-Speed-Popper wie »Why Won't You Talk About It« sind das Gegenteil von Hektik und passen sich in eine dichte Atmosphäre voll feinnerviger Melancholie ein. Unbeteiligt, gar ein wenig verzagt tönt mittendrin Johan Duncanson Stimme durch eine Dickicht an verzerrten Gitarrensounds, welche harmoniesüchtelnd und gebrochen changieren. Ach, und der Sound. Der muss. (maw)



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2019, Design & Programmierung: Polarpixel