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Alle Rezensionen zu The Raveonettes
(Genre »Rock«, Land »Dänemark«)

 

Lust Lust Lust
(2007, Fierce Panda Records NONG53CD)

Jetzt lassen sie die Sau raus. Oder wenigstens haben sie die Handbremse gelöst. Nach zweieinhalb recht ordentlichen und streckenweise auch angestrengten Platten macht der Titel des dritten Albums eine klare Programmansage. Zudem ist das Fünfziger-Jahre-Design der Vorgänger einem schnörkellosen, signalhaften PopArt-Cover gewichen. Freilich geht es nicht »voll auf die Zwölf« los, sondern ein dräuender Rhythmus pulsiert gleichförmig, bevor nach zwei Minuten die Gitarren ausbrechen und der Song schließlich in berauschendem Sonic-Youth-Lärm verendet. Allein dieses erste Stück, »Aly, walk with me«, scheint all ihre vorhergehenden Veröffentlichungen mit links beiseite zu wischen. Mehr aber lassen die Raveonettes auf »LUST LUST LUST« im weiteren ihrer schon länger unüberhörbaren Verehrung für The Jesus and Mary Chain rückhaltlos freien Lauf. Man möchte direkt nachschauen, ob Kevin Shields (My Bloody Valentine) seine Finger im Spiel hatte, so sehr geben sich die beiden hier einem erregenden Klang aus Gitarren hin, aber nein, Sune Rose Wagner hat die Scheibe selbst produziert, so roh und direkt wie hinterlistig glamourös, und neben dem Duo waren offenbar keine zusätzlichen Studiomusiker beteiligt.

Dabei braucht niemand zu befürchten, dass Sune und Sharin ihr Gefühl für Popmusik verloren hätten – im Gegenteil, die zwölf Songs sind ohne Ausfall sehr gute bis große Pophits (»Blush«, »You want the Candy«, »Sad Transmission«). Mit dieser Kombination aus gewinnenden Melodien, kraftvollem Rockgewand und gerne mal Texten mit Neigung zu den dunklen Seiten von Lust und Liebe à la Velvet Underground haben die Raveonettes ihren Weg gefunden, besser und eigenständiger als sie bislang waren, trotz Bekenntnis zu großen Vorbildern. Mit denen können sie es mittlerweile voll aufnehmen. So hätte man sich die letzten Alben von Placebo gewünscht, wenn die so cool wären, wie sie mal waren und sich gerne darstellen. (ijb)

The Raveonettes: Lust Lust Lust

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.theraveonettes.com

   

Observator
(2012, Beat Dies Records RAV000032)

Am Anfang sind wir gleich mittendrin in dem, was wir an der Band lieben: Es beginnt mit einem satten Schuss Sixties Pop (man erinnert sich an die ersten Alben), doch da sind auch die verzerrten, geschmackvoll noisigen Gitarren, die den Raveonettes-Sound schon so oft wunderbar bereichert haben. »Young and Cold« heißt der Opener, typisch. Song Nummer 2 startet mit Piano, viel Hall auf der Stimme und noch verhallteren Gitarren, Melancholie und Melodie, was will man mehr..? Doch es klingt seltsam dünn. Vielleicht müsste man eine Vinylausgabe erwerben? »Curse the Night«, mit Drumcomputer und noch mehr Melancholie, lässt Eindringlichkeit schon deutlich vermissen, und rechte Höhepunkte wollen danach auch nicht mehr folgen.

Ob sie es wohl nochmal so richtig bringen werden? Seit dem Knaller »Lust Lust Lust« senkte sich das Niveau der Raveonettes-Platten sachte, aber beständig mit jedem weiteren Album. Diesmal reichten die Ideen gerade mal für eine halbe Stunde; kaum etwas bleibt am Ende hängen, so brav bis lustlos spielen sie ihre Standardeinfälle herunter. Als wüssten sie um ihr Dilemma, blicken die beiden auf dem halbherzigen Cover ziemlich bedröppelt und ratlos aus der Wäsche. Vielleicht mal wieder ne Frischzellenkur versuchen? (ijb)

   

Raven In The Grave
(2011, Ada Global Ltd./Warner 1149258)

Was ist in die beiden gefahren? Der Titel des Openers »Recharge & Revolt« führt ein wenig in die Irre, und auch wenn es mit dem tausendfach benutzten Schlagzeug-dann-Gitarre-Rockintro losgeht, deutet sich die neue melancholischere Ausrichtung des Duos hier schon an. Im folgenden »War in Heaven« sind die Raveonettes dann schon klar mehr düsterer Pop als aufheizender Rock. Und diese Wendung steht den beiden sehr gut. Die Gitarren sind sorgfältig verstimmt und verlieren sich immer wieder in geschmackvollen Dröhnen und zartem Feedback, Synthesizer fügen sich unaufdringlich ein, und auch der Gesang scheint oft aus einer früheren Epoche herüberzuwehen. Nun sind es nicht mehr so sehr die Fünfziger und Sechziger, sondern eher die dunklere Seite der Achtziger Jahre zwischen Siouxsie and the Banshees und The Cure.

Nach den zwei superb mitreißenden Vorgängeralben erscheint »RAVEN IN THE GRAVE« erst einmal als enttäuschende Kehrtwende. Plötzlich sind die Lieder (un)gemütlich depressiv (»Apparitions«), balladesk (»Forget that you’re wrong«) oder fast hübsch-triste Gute-Nacht-Gesänge (»Summer Moon«), und von Rock’n’Roll und Wall of Sound ist mit Ausnahme von »Ignite« kaum etwas übrig geblieben. Ja, man hat das wohl alles schon mal irgendwo gehört, früher einmal, als die Rockmusik einen düsteren Gegenpol zum bunten, glatten Disco-Hitkram der späten Siebziger und Achtziger hervorbrachte. So bieten uns die Raveonettes hier eine neue spannende Zeitreise an, und auch wenn sie wohl den einen oder anderen Fan verlieren, sollten sie doch bitte auch ein paar neue dazugewinnen. Sie hätten es wirklich verdient, nach rund zehn Jahren ohne große Aufmerksamkeit. (ijb)

Video-Link

   

In And Out Of Control
(2009, Fierce Panda Records NONG64CD)

Weiter auf der Linie, die »Lust Lust Lust« vorgab, jedoch mit weniger düsteren Färbungen, mehr Freundlichkeit und mehr Pop. Die Gitarren und Feedbacks sind distinguiert und charmant arrangiert, es gibt mehr Synthesizer und Keyboards, und die Texte zumindest in der ersten Hälfte mehr melancholischer Herzschmerz (»Those times when we had each other are now gone forever«, »This is the last dance«) und Ausgelassenheit (»Bang, you’re so vicious baby«, »I’m breaking into Cars«) als Einblicke in dunkle Leidenschaften. Die Produktion ist wieder etwas polierter geworden, aber die Haltung und der Gesamteindruck sind im Prinzip wie beim Vorgänger, etwas entspannter eben. Nur »Break Up Girls!« kurz vor Schluss haut noch einmal so richtig mit Noise und Gitarrenausbrüchen rein.

Nicht ganz so augenscheinlich ist allerdings, dass vereinzelt doch ernste und auch herbe Textzeilen anzutreffen sind: Einige schon im Titel hitzige Songs (»Suicide«) kommen mit sehr eingängigen Popmelodien daher, aber mit Versen wie »They rip you to shreds, make you feel useless, you’ll never forget, those fuckers stay in your head« (»Boys who rape (should all be destroyed)«) oder »I see you sick and curled up like cats do, when psychos abuse them yeah« (»D.R.U.G.S.«). Die oft glitzernde Fassade der elf Songs bedeutet nicht, dass die Raveonettes eine einfältige oder oberflächliche Band wären. »IN AND OUT OF CONTROL« ist wie gewohnt knackige vierzig Minuten kurz, und wird auch nach häufigem Hören nicht langweilig. Die beiden Dänen wissen mittlerweile, wie ein fokussiertes und packendes Rockalbum auszusehen hat; sie scheinen es aus dem Ärmel zu schütteln, als ginge es nur ums Brötchenbacken. (ijb)

   

Pretty In Black
(2005, Columbia/Sony Music SAMPCD 14828.2)

Alben in nur einer Tonart einzuspielen, erwies sich schnell als erdrückendes Korsett. Nur B-Moll macht auf Dauer eben nicht glücklich. Mit dem neuen Album kriegt das Duo wieder mehr Luft. Auch wenn diese wie jeher etwas abgestanden riecht. Allerdings ist das bei einem Album, was lässig mit den Zeichen der Zeit spielt, die hier vierzig bis fünfzig Jahre zurückliegt, wahrlich nicht verwunderlich.

Schrammel-Pop und spröder Ami-Surfsound mit »Boy Meets Girl«-Gestus. Schön altbacken, dennoch angenehm produziert, schleifen uns Sune und Sharin durch ihre Nostalgiewelt, die deutlich differenzierter, gedämpfter und poppiger ausfällt als ihr Vorgänger: schmachtende Schunkler, Everly Brothers-Semicover und Uptempo-Rabauken. Immer kühl und kühn – und ohne wirkliche Ödnis zuzulassen. (maw)

   

Chain Gang Of Love
(2003, Columbia/Sony Music 090353)

Die Ästhetik stimmt: Das Album-Cover im Stil von 50er Jahre-Filmplakaten arrangiert und in den Trendfarben schwarz-weiß-rot gekleidet begeben sich Sune Rose Wagner (Gitarre, Gesang) und Partnerin Sharin Foo (Bass, Gesang) auf wohlbekanntes Terrain. In kreischender Erbarmungslosigkeit werden Feedback-Orgien geschichtet und Störgeräusche geschrottet, bevor scharfkantiger Garagenlärm die Stille zerschneidet. »CHAIN GANG OF LOVE« brennt lichterloh. Es werden Erinnerungen wach an die Cramps, Jesus & Mary Chain oder Suicide. Die Pose bestimmt das Handeln.

Leider verliert sich dadurch ihr expressiver und unberechenbarer Rock'n'Roll statt in griffigen Melodien ab und zu in betont cooler Uncoolness, die auf Albumlänge recht monodirektional gerät. Dass sich eigentlich hier alles zu einem gleichförmig-krachigen Soundbrei verdichtet, ist indes Konzept: Dogmatisch wurden alle Tonarten außer B-Moll ausgeschlossen und Grenzen statisch bei drei Minuten und Akkorden gezogen. Style ist eben manchmal alles. (maw)



Siehe auch:
The Tremolo Beer Gut

   

Whip It On
(EP, 2003, Columbia/Sony Music 5107539)

Do It Yourself! Heute: Garagenrock. Man recycle vom Schrottplatz minderwertige Instrumente, drehe den krakeelenden Verstärker auf Anschlag und lege los. Auf Details muss verzichtet und der Gesang möglichst lethargisch-abgefucked platziert werden. Eine Produktion ist abdingbar, denn der Sound des Vierspur-Rekorders klingt eh viel authentischer.

Immer getreu dem Motto: Wenn man es schon nicht kann, muss es wenigstens cool aussehen.
Das Kopenhagener Duo sägt sich dergestalt durch eine quirlige Promenadenmischung aus New Wave, Garagenlärm und Surfpop. Acht unbehauene, dynamisch austeilende Zweieinhalbminüter mit trashigem Charme und prägnanter Individualität. (maw)



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