Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Søren Kjærgaard & Ben Street, Andrew Cyrille
(Genre »Jazz«, Land »Dänemark«)

 

Femklang
(2011, ILK/Challenge Records Internationa ILK181CD)

»Klassische« Jazztrios mit Piano, Bass und Schlagzeug gibt es bekanntlich wie Sand am Meer. Die Attraktivität dieser Konstellation ist ungebrochen; anders lässt sich ihre unverhältnismäßige Häufigkeit nicht erklären. So ist es umso bedauerlicher, dass sich viel zu viele von ihnen mit dem Durchschnittlichen und Angepassten begnügen. Wäre dieses Trio um den 1978 geborenen Pianisten Søren Kjærgaard nicht eine weitaus bessere Wahl für Rune Grammofon als das Espen Eriksen Trio, das mit dem zweiten Album erst kürzlich wieder nichts als gepflegte Einschlafmusik ohne individuellen Charakter bot?

Kjærgaard verhält sich dazu vollkommen komplementär: Wann hat man zuletzt ein Jazztrio gehört, dem das unglaubliche Kunststück gelingt, wie Avantgarde und Pop zugleich zu klingen, innovativ und eingängig, mitreißend und introspektiv, sensibel, geistreich, in Klang und Spiel exzellent? Die besten Worte sind gerade angemessen für »FEMKLANG«, Kjærgaards dritte CD (nach mindestens zehn Alben als Leader oder Co-Leader) mit seinem Generationen überspannenden zweiten Trio. Zu einem ergreifend intuitiven Miteinander leitete er den über 70 Jahre alten Schlagzeuger Andrew Cyrille und den altersmäßig in der Mitte zwischen beiden liegenden Bassisten Ben Street.

Wie auf anderen (großartigen) ILK-Veröffentlichungen ist immer wieder nicht eindeutig, ob die Stücke an strenge zeitgenössische Komposition angelehnt oder frei assoziierend improvisiert sind. Das mag formal betrachtet ja egal sein, doch in der daraus entstehenden Spannung liegt hier eine kaum zu begreifende und beschreibende Faszination. Oft ganz nahe an die Stille und ans melodische Fragment wagen sich die drei, ein gemeinsames Atmen, kein Ton zu viel. Völlig zu recht tauchte »FEMKLANG« auf einigen internationalen 2011-Bestenlisten auf. Im alten Genre des Jazztrios sind Kjærgaard, Street und Cyrille eine nahezu sensationelle neue Stimme. (ijb)



Siehe auch:
Espen Eriksen Trio
The Living Room

Søren Kjærgaard Trio

Blake Tartare


Søren Kjærgaard: Femklang

Offizielle Website      http://www.soerenkjaergaard.dk

   

Syvmileskridt
( LP, 2014 , ILK /New Arts International ILK215LP )

Nach drei zum größten Teil überragenden Alben liegt die Messlatte exorbitant hoch für Werk Nummer vier. Da muss sich das multinationale, Generationen und Kontinente überspannende Trio schon was einfallen lassen, um daran irgendwie adäquat anzuknüpfen. Die Antwort liegt zum einen in der Flucht nach vorn. Noch fragmentarischer und stiller als auf ihrem Meisterwerk »Femklang« konnte es wohl nicht mehr werden, und so erinnern diese Stücke bisweilen gar frisch und munter an frühere Zeiten, an das heute »klassische« Jahrzehnt des Post Bop, die zweite Hälfte der 1960er. Doch lassen Sie sich nicht in die Irre führen: Selbstredend werden Kjærgaard, Street und Cyrille nicht plötzlich zu lahmen Epigonen, sondern bleiben virtuos ihrem assoziativ impressionistischen Stil treu.

Anklang an frühere Zeiten geschieht zum andern auch in der Veröffentlichungsform: »SYVMILESKRIDT« (»Sieben-Meilen-Schritte«) erscheint erst einmal nur als altmodische LP in limitierter Auflage. Für jene, die keine der 300 Exemplare ergattern können (oder ganz zeitgemäß digitale Dateien bevorzugen), gibt es den Download mit 26 Minuten Bonus-Tracks der Session. (ijb)

   

Open Opus
(2008 , ILK /Challenge Records Internationa ILK166CD )

Es muss mal gesagt werden: ILK Music in Kopenhagen gehören zu den derzeit besten Labels für zeitgenössischen und zugleich emotional unmittelbaren Jazz. Manches passt eher in die »schwierige« Ecke (was nicht heißt, dass es weniger gut oder empfehlenswert wäre), anderes, wie dieses Trio um Pianist Søren Kjærgaard darf man zu den eingängigeren Ensembles zählen, wiederum ohne dass hier irgendwas flach oder anbiedernd wäre. Kjærgaards zweites Album mit seinen deutlich älteren Triopartnern, kommt kontrastärmer als das Debüt »Optics« daher, ja leiser ein bisschen unscheinbarer wohl auch. Gegenüber dem dritten Album allerdings ist »OPEN OPUS« alles andere als still und fragil. Und plötzlich denkt man, so toll könnte Mainstreamjazz ja auch sein. Warum ist diese Platte nicht populärer geworden?

Obgleich fast alle Stücke von Kjærgaard komponiert wurden, ist es doch das exzellente Zusammenspiel der drei, was dieses Trio so besonders macht und jenseits des im Triojazz Gewohnten und Erwarteten fesselt. Nirgendwo erfährt man das so eindringlich wie im alle anderen Songs überragenden, zehn Minuten langen »Places Birds Fly From«, einem der beiden frei improvisierten Stücke der CD: Kjærgaards melodische Sensibilität, die mit geringsten und feinsten Mitteln musikalische Welten öffnet, bildet das starke Zentrum, das Bassist Ben Street subtil, aber effektiv grundiert und der damals 68jährige Drummer Andrew Cyrille brillant mit fantasievollen Kontrasten füllt und ausmalt. Ein unglaubliches Stück, wie man es sehr selten zu hören bekommt.

Man freut sich einfach, nein, man ist begeistert, dass es im scheinbar abgegrasten und nach wie vor so populären Feld des Piano-Trios im Jazz noch echte Überraschungen gibt. Hoffentlich bekommen wir noch möglichst viel von den dreien zu hören. (ijb)



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2018, Design & Programmierung: Polarpixel